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Führung ist eine diktatorische Demokratie

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Die heutige Gesellschaft scheint die Welt sehr einfach zu sehen: Alles ist analysierbar und auf Knopfdruck lösbar. Läuft es im Sport nicht erwartungsgemäß, soll der Trainerwechsel sofortige Erfolge bringen.

Plagt uns eine Krankheit, erwarten wir von der Medizin eine Pille, die uns sofort wieder genesen lässt. Leider sehe ich es in der Führung von Unternehmen nicht anders: Läuft es im Job nicht rund, erwarten wir zwei, drei Handgriffe, damit Umsatz und Gewinn wieder positiv sind.

Wir leben im „Instant-Zeitalter". Alles muss so schnell lösbar sein wie die Zubereitung einer Instant-Tomatensuppe.

Aber so einfach ist die Welt nun mal nicht. Die Börse hat regelmäßig ihre Hoch- wie ihre Tiefzeiten. Unternehmen erleben bahnbrechende Erfolge - und stehen auf einmal kurz vor dem Abgrund. Manche bekommen wieder die Kurve (Apple), andere gehen unter (Polaroid) oder überleben nur durch den Verkauf (Nokia). Und auch die persönliche Karriere verläuft selten als ein gerader Weg bergauf. Manchmal erinnert sie eher an eine Achterbahnfahrt. Die Verantwortung für Erfolg liegt daher zunächst einmal bei jedem Einzelnen. Vor allem, wenn es darum geht, andere aus dem Instant-Zwang herauszuführen.

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Diktatur funktioniert nur ohne Peitsche

Führung heißt für mich deshalb, dass ich hart bin in der Sache, aber fair zum Menschen. Sie gleicht einer diktatorischen Demokratie: Das Team setzt sich demokratisch Ziele und ich sorge „von oben" für entsprechende Rahmenbedingungen. Wenn ich von oben nur Druck mache und Lösungen und Erfolg einfordere, verstärkt das die Denk- und Handlungsblockaden. Die beteiligten Personen wissen natürlich ohnehin selbst, dass es nicht rund läuft - das muss ich ihnen als Vorgesetzter nicht noch zusätzlich sagen.

Ich kann mich nicht hinstellen und alle Register der Macht ziehen. Stattdessen gehe ich bedacht vor: Das Team analysiert in Ruhe, was los ist, und diskutiert mögliche Lösungen. Und dann arbeiten wir gemeinsam kontinuierlich an der Verbesserung und geben dem Erfolg die nötige Zeit.

Stellschrauben der Diktatur

In Krisen kommt es also entscheidend auf die Führung an. Und Führung bedeutet vor allem Klarheit. Aus Erfahrung drehe ich als „Diktator" an folgenden Stellschrauben für den gewünschten Erfolg:
  1. Meine Mitarbeiter brauchen ein klares Ziel - einen Horizont, der das Team anzieht und motiviert. Einen Horizont, der klar ist. Und den jeder versteht. Bereits hier scheitern viele Teams. Es gibt entweder zu viele Ziele, sie ändern sich andauernd oder es ist überhaupt nicht klar, was die Ziele sind. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass nur 15 % der Mitarbeiter die Top-Prioritäten ihres Unternehmens benennen können.
  2. Damit meine Mitarbeiter motiviert sind, sich anzustrengen, brauchen sie ehrliches Feedback, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Meistens werden jedoch dazu die falschen Dinge gemessen. Was nutzt es, den Umsatz zu messen? Das Vertriebsteam weiß dann am Jahresende, ob es sein Ziel erreicht hat oder nicht. Viel schlauer ist es, die Aktivitäten zu messen, die sie im Jahresverlauf zum Ziel führen. Also zum Beispiel die Anzahl von Kundengesprächen pro Woche. Was nutzt es, Ihr Gewicht zu messen, wenn Sie abnehmen wollen? Dann wissen Sie am Jahresende, wo Sie stehen. Schlauer ist, die Anzahl Ihrer sportlichen Trainings pro Woche oder die täglich gegessenen Kalorien zu messen.
  3. Der entscheidendste Faktor ist jedoch: am Ball bleiben. Sie kennen das: Ihr Kind hatte in Englisch eine 5 im Zeugnis. Das soll besser werden. Sie vereinbaren, jeden Samstag mit Ihrem Sohn Vokabeln zu üben. Die ersten vier Wochen laufen super. Dann sind Sie an zwei Samstagen verhindert, weil Sie zum Beispiel im Stadion mit Ihrem Verein fiebern. Abends fragen Sie, ob er Vokabeln gelernt hat - die Antwort ist: „Ich dachte, wir machen das nicht mehr."

Der Fisch stinkt immer vom Kopf her

Die Erfahrung hat mir gezeigt: Wenn ich ein klares Ziel habe, es im Team kommuniziere und die Messkritieren festgelegt habe, brauche ich ein regelmäßiges Follow-up. Ich treffe mich beispielsweise jede Woche für 20 Minuten mit den beteiligten Mitarbeitern. Hier besprechen wir, was die Aktivitäten der letzten Woche waren, wie erfolgreich sie umgesetzt wurden und was die Aktivitäten für die kommende Woche sind. Ich bleibe am Ball, fasse nach. So bekomme ich die PS auf die Straße. Und wir bringen gemeinsam das Schiff - Schritt für Schritt - wieder auf Erfolgskurs. Ob privat oder im Unternehmen: Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Also seien Sie ein gutes Vorbild. Sorgen Sie für Klarheit. Damit der Fisch erst gar nicht zu stinken anfängt.

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