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Trump-Antwort: Eigeninitiative!

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DONALD TRUMP
Kevin Lamarque / Reuters
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Mit seiner Absage an das Pariser Klima-Abkommen hat Präsident Trump die USA beim weltweiten Trend zu mehr Werteorientierung der Marktwirtschaft erneut ausgegrenzt. Es ist bemerkenswert, mit welch ideologischer Prägung und - wie so oft bei verirrten Ideologien - mit welchen Verfälschungen er dabei argumentiert.

Das Onlineportal Klimaretter.de hat die wichtigsten Verfälschungen zusammengefasst.

Die US-Wirtschaft protestiert

Solche Verfälschung durch die Regierungsspitze in einer Demokratie ist schon beachtlich. Noch bemerkenswerter ist allerdings, dass nun mächtige Teile der amerikanischen Wirtschaft protestieren und sich nicht nur gegen eine Aufkündigung des Pariser Abkommens, sondern auch gegen eine Verharmlosung des Klimawandels stellen.

Die Zahl der Unternehmen, die hier ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und aktiv ihren Teil beitragen wollen zur Reduktion der Klimagase, steigt auch in den USA rapide.

Genau das ist die Antwort, die die aktuelle Situation braucht: Engagement von Wirtschaft und Gesellschaft gegen den Klimawandel, nicht nur ein Warten auf die Politik. Das gilt auch für Europa. Es ist kein Geheimnis, dass wirtschaftliche Macht und schlicht die Sachkenntnis der Politik Grenzen setzen können.

Wirksame und praxisnahe Lösungen können durch die Wirtschaft selbst oft viel besser organisiert werden als durch den Staat. Das ist nicht nur ein Thema für einzelne Unternehmen, es ist auch ein Thema für die großen Verbände und für die Berufs- und Wirtschaftskammern. Sie alle sind gerade nach der irritierenden Trump-Entscheidung gefordert, weiterem Klimawandel vorzubeugen.

Risiken vorbeugen - auch ohne harte Beweise

Eine der Grundregeln guten Zusammenlebens ist, Gefahren und Risiken vorzubeugen. Man muss deshalb nicht einmal von den menschlichen Ursachen des Klimawandels überzeugt sein, man muss es nur als ein Risiko anerkennen.

Das genügt eigentlich schon zum Handeln. Aber zusätzlich erzeugt unsere Abhängigkeit von Öl und Gas enorme Geldströme hin zu Regimen, die mit dem aus der Erde geholten fossilen Gold nicht sozialen Fortschritt und Ausgleich schaffen, sondern damit internationale Spannungen und islamischen Extremismus produzieren, wie uns gerade von Saudi-Arabien und Katar vor Augen geführt.

Alles enorme Risiken, denen es zu begegnen gilt. Jeder ist nun gefordert- vor allem die Wirtschaft und ihre großen und starken Organisationen! Deren Eigeninitiativen sind das Gebot der Stunde.

Selbstverpflichtungen einfordern

Das allerdings braucht klarere Anstöße durch die Politik - und auch durch die Medien und die Zivilgesellschaft. So ermuntert, können eigeninitiativ erarbeitete Leitlinien von allen Wirtschaftssektoren festgelegt werden für die jeweils wichtigsten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und zur Reduktion der Klimagase.

Solche Verhaltens-Kodizes von Unternehmen und Unternehmensgruppen geben Anregungen für die Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden.

Erarbeitet werden sollten sie allerdings im Dialog mit externen Experten der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft, um neutralen Blick und Tiefgang zu sichern. So sind sie näher an der Praxis als politische Regelungsversuche.

Naturgemäß sind allerdings wirkungsvolle Vorgaben für jeden Wirtschaftssektor und jede Berufsgruppe verschieden, allumfassende Regeln für die Gesamtwirtschaft bleiben zu unspezifisch an der Oberfläche.

Branchenspezifische Regeln haben genügend Detail. Die Energieeffizienz eines Bäckers oder die Arbeit eines Architekten haben unterschiedliche Anforderungen an die Klimagasreduktion und bauchen unterschiedliche Richtlinien für ihre tägliche Arbeit.

Branchenspezifische Eigeninitiativen der Wirtschaft, das wäre deshalb die beste Antwort auf die Provokation von Präsident Trump - wenn also die Wirtschaftsverbände und Industrie- und Handelskammern flächendeckend, aber branchenspezifisch mit Verhalten-Leitlinien gegen den Klimawandel reagieren - und die Zögernden von der Politik dazu ermuntert werden.

Das weiche Gesetz des Verhaltens-Index

Der Verhaltens- oder auch Werte-Kodex als Leitlinie wird im Übrigen bereits breit genutzt, nach außen erkennbar durch Label und Zertifikate, allerdings meist ohne allzu viel Anspruch an die Qualität der Umsetzung. Wer kennt sie nicht, die vielen Unternehmensversprechen mit ihren Labels für fairen Kaffee oder Kakao, für gute Teppiche oder und eben auch Klimagas-Neutralität und Energieeffizienz.

All diese Leitlinien sind ein wertvoller Beitrag zu einer werteorientierten Marktwirtschaft. Es fehlt ihnen nur eines: die Gültigkeit als branchenweite Verpflichtung. Das einzufordern, wäre die Aufgabe der Politik.

Völlig freiwillig kann man keine branchenweite Beteiligung erwarten. Aber mit branchenweitem Zwang entstünde eine wirkungsvolle Ergänzung zur reinen Gesetzgebung. Es kann viele Fehlentwicklungen und Schwächen der Marktwirtschaft ausgleichen - es zähmt verirrten Kapitalismus.

Klar, die Einhaltung eines Werte-Kodex ist kein strenges Gesetz. Es sind Regeln mit viel Spielraum. Gerichte tun sich deshalb mit solchen weichen Regeln schwerer und nennen es „soft law", weiche Gesetzgebung. Aber es braucht nicht immer Gerichte.

Viele Beispiele zeigen, dass die Medien und die Zivilgesellschaft gute Wächter sind für kritische Abweichungen und letztlich auch wir als die Kunden. Die Unternehmen achten heute sorgsam, denn die drohende Strafe durch Imageverlust gibt reichlich Druck zur Einhaltung.

Solche „compliance" ist längst interne Leitlinie der Unternehmen, Imageschäden für die eigene Marke sind gefürchtet. Diese Überwachung ist oft stärker und in jedem Fall schneller als die durch Gerichte und es ist das, womit jeder von uns, sei es als Konsument oder als Auftraggeber sein Zeichen, seine richtige Antwort setzen kann.

Systematische Werteorientierung braucht Regeln

Sinnvoll sind solche Verhaltens-Kodizes allerdings nur, wenn sie gewisse Qualitätsstandards beachten und auch von neutralen „Ombuds-", also Hinweisstellen für Beobachtungen begleitet sind. Darum geht es im gerade beim Oekom-Verlag erschienenen Buch Werteorientierte Marktwirtschaft.

Es zeigt, wie Wirtschaftsbranchen und Unternehmensgruppen Selbstverpflichtungen gegen Fehlentwicklungen der Marktwirtschaft eingehen können, auch als Antwort auf Trumps Verirrung - und was die Politik dazu tun muss.

Es gilt, der größten Herausforderung unserer Zeit zu begegnen. Der Klimawandel darf sich nicht weiter zu einer dramatischen Generationenschuld auswachsen. Jeder von uns, ob Unternehmer, Kunde im kleinen oder Auftraggeber im Großen, trägt Mitverantwortung.

Sich engagieren und konsequent Lösungen erarbeiten - nichts Anderes kann die Antwort auf die populistischen Egoismen eines Trump und seiner Berater sein.

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