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Die andere Jugend von Angelika Merkel

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ANGELA MERKEL
Stefanie Loos / Reuters
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Ich legte den Telefonhörer auf. Gerade hatte ich von meinem älteren ungarischem Freund Julius wissen wollen, was in den sozialistischen Ländern eigentlich im Geschichtsunterricht und was in Religion gelehrt wurde: "Religionsunterricht gab es nicht. Der Sozialismus war atheistisch, völlig. Es galt der Satz von Lenin: 'Religion ist Opium für das Volk.'"

Uff, verblüffend aktuell. Eine befreundete Ärztin aus Sachsen hatte mich neugierig gemacht über den sozialistischen Schulunterricht. Was wurde dort über den Islam und seine immer wiederkehrenden Expansionsversuche gelehrt, im Westen durch die Mauren, im Osten durch das Osmanische Reich.

„Geschichtsunterricht gab es nicht. In den sozialistischen Ländern wurde er den Bildungszielen des Sozialismus unterstellt. Die Wurzeln und die Erfolge des Sozialismus, Oktober-Revolution und Karl Marx waren unsere Themen."

Europas Geschichte im Westen

Ganz anders als bei uns im Westen. Wochenlang erzählte unser Geschichtslehrer über die historische Bedeutung der Schlacht im Jahr 732 bei Tours und Poitiers unter Karl Martell, der die Expansion des Islam im Westen stoppte und über die Belagerung Wiens durch die Türken, die Prinz Eugen von Savoyen siegreich durchbrach.

Das Bild eines expansiven Islam zog sich wie ein roter Faden durch unseren Geschichtsunterricht bis in die Neuzeit. Und hinterließ ein tiefes Misstrauen gegen die unruhig expansiven Strukturen der Levante und des Islam, über die anders geartete Auffassung zu Menschenrechten, zur Gleichstellung der Frauen, der Trennung von Kirche und Staat, aber auch den großen Unterschieden zwischen den tolerant kulturellen Mauren Südspaniens und der expansiven Brutalität der Osmanen.

Verblüffende Naivität

Lag in dieser unterschiedlichen Schule der Grund für die manchmal verblüffende Naivität der Kanzlerin? Wenn man Grenzen öffnet ohne Kontrolle und ohne Begrenzung, wenn man dabei die gute Organisation der Schleuserkriminalität und die schlechte Organisation der eigenen Asylverwaltung kennt und wenn man dann noch sagt, „Wir schaffen das", dann ist das in meinen Augen naiv.

Vor allem, wenn man durch monatlich steigende Flüchtlingszahlen und Schlepperbanden-Berichte gewarnt wird und man dann noch von den europäischen Nachbarn erwartet, dass die mitmachen und einen Teil der Flüchtlingsströme aufnehmen.

Naivität Ist ja wohl das Zusammenspiel von Intelligenz und Erfahrung, das den einen naiv und den anderen raffiniert geschickt handeln lässt. Fehlende Intelligenz kann man der Kanzlerin sicher nicht vorwerfen. Auffällig aber die völlig andere Jugendzeit. Die Defizite in Geschichtskenntnis ergänzen sich mit der ihr fehlenden jugendlichen Auslandserfahrung.

Wenig Gesichertes ist zu dieser Zeit bekannt. Ihre Stasi-Akte ist verschwunden. Angelas soziale Umgebung war die einer kleinen Kreisstadt in der Uckermark, weit weg von Berlin und den Metropolen, eingebunden in die ideologischen Phantastereien eines die reale Welt leugnenden Systems, ohne Chance für eine kritische Auseinandersetzung in einem linientreuen Elternhaus.

Fehlende Auslandserfahrung

Ganz anders die Eindrücke aus den Italienreisen ihrer westlichen Altersgenossen. Wer in den 60er und 70er-Jahren nach Italien fuhr, lernte rasch, dass der letztjährige Kurs der Lira nicht mehr galt, dass sie im Vergleich zum Vorjahr 10 oder 15 % weniger wert, dass sie eine „weiche" Währung war. Und lernte, wie anders auch sonst Italien funktionierte.

Wie wenig Zutrauen in staatliche Ordnung bestand, dass Amigo-Strukturen, Korruption, Mafia und Steuerunterdrückung die Regel waren. Und welches Misstrauen in die „Politiker", sie galten vor allem als korrupt, wohl übrigens zu Recht. Aller „Staat" funktionierte deshalb ein bisschen schlechter, aber das wurde mit Charme und Freundlichkeit überspielt. Und Italien galt noch als relativ gut im Vergleich zu Griechenland und der Türkei.

Jeder Gymnasiast Westdeutschlands hat deshalb unveränderte Skepsis, ob man die Mittelmeerländer auf den Gleichschritt der EU bringen kann in Staatsverständnis, Steuerehrlichkeit und Haushaltsdisziplin.

Im Gegensatz dazu das Unterbewusstsein aus einer sozialistisch isolierten, nur auf das System bezogenen Gymnasiumzeit, die die junge Angela prägte, wohl eine weitere Wurzel ihrer Naivität im Umgang mit dem Mittelmeerraum und auch der islamischen Zuwanderung.

"Religion ist Opium für das Volk"

Schwer zu sagen, ob sie Lenins Satz „Religion ist Opium für das Volk" kannte. Denn dieser Satz hätte sie am 4. September warnen müssen vor einer unkontrollierten Grenzöffnung für den Wahnsinn, der im Nahen Osten abläuft und der in Massen Flüchtlinge, aber auch einige der Wahnsinnigen zu uns treibt.

Oder wurde der Satz ausgeblendet in den abendlichen Gesprächen im evangelisch gläubigen Pfarrhaus der Eltern? Fehlte das Gefühl für das Bedrohliche, hat ihr Unterbewusstsein versagt?

Welch ein Glück für uns, dass die Balkanländer und Österreich die Gefahren kannten und die Grenzen zügig abriegelten - damit so ein Zustrom eine Ausnahme bleibt.

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