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11. Mai - Mobilmachung in Bayern!

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BAVARIA
Zoonar RF via Getty Images
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Nein, nicht durch Markus Söder und nicht durch Horst Seehofer. Durch Ludwig II, vor 150 Jahren.

Am 11. Mai 1866 verfügte Ludwig II, damals noch nicht der „Märchenkönig", als Mitglied des von Österreich geführten Deutschen Bundes die Mobilmachung. Preußen war aus dem Bund ausgeschieden und wollte seine eigenen Ideen eines von ihm geführten deutschen Reiches ohne Österreich durchsetzen, auch mit kriegerischen Mitteln.

Es war die Eifersucht der Hohenzollern gegen das immer mächtiger werdende habsburgische Österreich. Aber Bayern war seit Jahrhunderten eng mit Österreich nachbarschaftlich verbunden, sah darin ein Bollwerk gegen das seit Jahrhunderten immer unruhige Südost-Europa und konnte kein Interesse an solchen Veränderungen der Machtkonstellation haben. Und die österreichische Kaiserin Elisabeth, „Sissi", Jugendliebe aus Schloss Possenhofen am Starnberger See wurde von Ludwig trotz ihrer Heirat mit Kaiser Franz Josef tief verehrt. Die Mobilmachung war damit der politisch und persönlich logische Schritt.

Aber Bismarck hat die militärische Stärke

Bismarck kümmerte das wenig. Die preußische Armee, mit Drill, Disziplin und neuester Waffentechnik bestens gerüstet, überrollte zügig die benachbarten Sachsen und Hannover, kam bis vor die Tore von Frankfurt und marschierte parallel in das österreichische Böhmen ein. Dort entschied es die extrem blutige Schlacht von Königsgrätz den Konflikt zu seinen Gunsten.

Die nachfolgenden kleinen Schlachten in Bayern waren dann nur noch ein letztes Aufbäumen gegen die Eingliederung in den „Norddeutschen Bund", das spätere „Deutsche Reich". Immerhin versüßte Bismarck Bayern das mit zahlreichen Sonderzusagen zum Fortbestand des „Königsreichs" und reichlicher finanzieller Unterstützung für Ludwigs Begeisterung für Schlossbau und Romantik, die Märchenwelt, in die er sich im Zuge seiner im Zuge der Liberalisierung weiter fortschreitenden Entmachtung mehr und mehr zurückzog.

Die Schlösser sind geblieben, die Bezeichnung Freistaat und eine selbständige, selbstbewußte CSU auch.

Der Weltkrieg wurde dennoch nicht verhindert

Merkwürdig übrigens, dass trotz der großen Auseinandersetzungen von 1866 der Preußen-Kaiser Wilhelm II im Juli 1914 Österreich die Unterstützung des Kriegseintritts gegen Serbien nicht verweigerte. Europa wäre Schreckliches erspart geblieben.

Die Mahner sind vergessen, die Skepsis ist geblieben

Den völkerrechtlichen Abschluss fand die Eingliederung von Bayern in das Deutsche Reich dann 1871 nach dem Sieg auch über Frankreich mit dem Versailler Vertrag. Dem allerdings stimmte die bayrische Volkskammer nur nach langer und kontroverser Debatte zu. Karl Scharnagl, Mitbegründer der CSU, beschreibt in seinem Buch „Bayern kann es auch allein" https://www.luebbe.de/bastei-entertainment/ebooks/politik-und-gesellschaft/bayern-kann-es-auch-allein/id_3047028ausführlich die Reden der Gegner dieses Anschlusses, deren Skepsis und visionäre Mahnungen vor den Gefahren des preußischen Nationalismus im übrigen Deutschland leider kein Gehör fanden.

In Bayern ist diese Skepsis gegenüber Berlin in Erinnerung geblieben und scheint gerade im Moment wieder die Wortwahl bayrischer Politik zu bestimmen.

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