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3 Dinge, die mir mein Burnout geschenkt hat

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BURNOUT
Multi-bits via Getty Images
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Ich kann mich sehr gut an den Morgen erinnern, an dem ich meinem Leben eine neue Richtung schenkte:

Montagmorgen, 5.30 Uhr. Ich hatte fürchterlich geschlafen. Rastlos wälzte ich mich von einer Seite des Bettes zur anderen. Ich hatte das Gefühl, ich wäre gerade erst eingeschlafen, als mich der Wecker aus dem Schlaf riss. Mein erster Gedanke: „Welches Krisenmeeting steht heute wieder auf der Agenda?" Der flüchtige Gedanke reichte bereits aus, meinen Magen zum Stechen zu bringen.

Kopfschmerzen, Verspannungen, Übermüdung - daran war ich bereits gewöhnt. Als ich mich aber beim Zähneputzen im Spiegel betrachtete, erkannte ich mich selbst kaum wieder.

Auf dem Höhepunkt meiner noch jungen Karriere, waren meine Batterien völlig leer. Meine Geschichte begann nach einem Studium in Rekordzeit in einer der anspruchsvollsten Sparten der Automobilindustrie. Termindruck, ständige Krisenmeetings, wochenlange Dienstreisen, unzählige To-dos, hundert Pläne, tausend Mails und noch mehr Gedanken in meinem Kopf.

Die äußeren Ansprüche waren hoch, der Anspruch an mich selbst war höher. Ich wollte mich beweisen, zeigen, was ich kann. Die anfängliche Begeisterung wich schon nach wenigen Jahren ermüdender Routine. Wenn ich jetzt an die Zeit zurückdenke, war nicht mehr viel von dem einst lebensfrohen und begeisterten Menschen übrig. Ich funktionierte, viel mehr nicht.

Magenschmerzen, Kopfschmerzen, ständige innere Unruhe

In meinem Fall ging das Ganze noch eine Weile gut. In meinem Arbeitsumfeld weniger: Vier meiner zwölf direkten Teamkollegen erkrankten in diesem Zeitraum an Burnout. Eine Diagnose, die schon so normal war wie das Mittagessen in der Kantine. Doch auch bei mir wurden die Warnsignale immer deutlicher.

Dennoch kämpfte ich weiter, ich musste ja noch so viel erledigen, hatte zu viele Verpflichtungen! Und das tat ich auch - so lange, bis es nicht mehr ging. Nach einer weiteren zweiwöchigen Dienstreise war ich am besagten Montagmorgen nicht mehr in der Lage, zur Arbeit zu gehen. Ich musste mir eingestehen, dass mein Akku völlig erschöpft war. Ich war getrieben von Ängsten und Sorgen, nicht mehr von dem, was mir wirklich wichtig war im Leben...

An diesem Tag traf ich eine der wichtigsten Entscheidungen in meinem bisherigen Leben. Ich beschloss, mir eine neue Richtung zu schenken. Mein klares Ziel: Ich würde alles dafür tun, um herauszufinden, was nötig ist, um ein gesundes, zufriedenes, begeistertes und leistungsstarkes Leben führen zu können. Ich wollte herausfinden, was den Unterschied macht zwischen demjenigen, der unter den Belastungen zur Höchstform aufläuft, und demjenigen, der darunter zusammenbricht.

Ich schrieb mich an der Uni ein, studierte Psychologie und las alles, was ich in die Finger bekam. Ich besuchte die besten Seminare und ließ mich zum Trainer und Coach ausbilden. Immer mit dem klaren Fokus herauszufinden, was wir Menschen brauchen, um in dieser Gesellschaft gesund und zufrieden leben zu können.

Was ich in dieser Zeit gelernt, erlebt und erfahren habe, ist enorm viel. Es war die intensivste und lehrreichste Zeit meines Lebens. Ich war wie das Kind, das ins kalte Wasser geworfen wird: Entweder es ertrinkt oder es lernt schwimmen. Ich muss zugeben: Ich habe viel Wasser geschluckt, mehr als hätte sein müssen. Was ich meiner Sturheit und dem Unwillen aufzugeben zuschreibe. Dennoch habe ich gelernt zu schwimmen und fühle mich jetzt im Wasser pudelwohl.

Vor kurzem wurde ich von einem Seminarteilnehmer gefragt, was die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit für mich waren. Die Antworten möchte ich mir dir heute teilen:

1. Ich darf es mir Wert sein, ein stressfreies Leben zu leben

„Natürlich bin ich es mir wert, ein stressfreies Leben zu leben." Das hätte ich wahrscheinlich gesagt, in der heißen Phase vor dem Zusammenbruch. Genauer betrachtet war ich es mir aber nicht Wert. Wenn ich mein Verhalten in dieser Zeit rückblickend betrachte, waren mir so viele Dinge wichtiger.

Klar wollte ich mich gut entspannt und kraftvoll fühlen, aber ich musste ja meinen Job erledigen. Hatte Verpflichtungen gegen über den Kunden, meinen Kollegen. Und da waren auch noch die Familie und Freunde. Ich wollte mir eine finanzielle Sicherheit aufbauen. Und dann war da noch mein eigener Anspruch.

Tausend Dinge, die ich zuerst erledigen musste, bevor ich mich um mich kümmern konnte. Den Gedanken „Ich bin es mir wert, stressfrei zu Leben" hätte ich bestimmt zugestimmt. Mein tägliches Verhalten war jedoch ein ganz anderes.

Der fundamentalste Denkfehler, welchem auch ich aufgesessen bin, war: „Ich muss erst all die Dinge erledigen, dann... ja dann habe ich Zeit für mich und dann habe ich auch keinen Stress mehr, weil ich allem nachgekommen bin."

Es ist der Denkfehler des Menschen, dass sich die Umstände im äußeren verändern müssen, um endlich, glücklich, vital, zufrieden, gelassen, kraftvoll und erfolgreich zu leben. Wir glauben fest daran, dass die Lösung für all unsere Probleme und Schwierigkeiten im Äußeren liegen.

Die Lösung ist nicht im Äußeren!

Die Lösung für unsere Probleme findet sich selten im Äußeren, wir dürfen wieder anfangen, unserer Gesundheit, Vitalität und Energie den höchsten Wert im Leben zu schenken. Uns darf es so wichtig sein, dass wir unser restliches Leben um unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden herum aufbauen. Nicht anders herum.

Wir dürfen unsere Wohlfühlmomente, Entspannung, unseren Sport, Pausen, Ernährung, Schlaf und all die Dinge, die uns gut tun ganz oben auf unsere Prioritätenliste setzen. Ist das nicht egoistisch? Ja! Im positiven Sinne. Denn wenn es mir gut geht, dann kann ich ein guter Vater sein, eine gute Mutter sein, ein guter Arbeitnehmer sein, ein guter Arbeitgeber sein, authentisch und kraftvoll leben.

Wenn wir uns selbst in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen, werden wir zum Vorbild für eine gesunde und ausgeglichene Lebensführung. Wir können dann auch die Dinge voranbringen, die uns wirklich wichtig sind im Leben. Es beginnt mit dem Umdenken in unserem Kopf. Es beginnt damit, sich zu entscheiden, wer die wichtigste Person auf dieser Welt ist. Das bist immer du!

Sobald wir anfangen, unseren höchsten Wert (unsere Gesundheit) zu leben, fangen wir an authentisch, kraftvoll und in Balance unser Leben zu leben. Es geht nicht darum, es einfach nur zu sagen. Gesagt hätte ich es in meiner heißen Phase auch.
Es geht darum, es jeden Tag zu leben!

2. Jede Emotion ist eine gute Emotion

Die zweite Lektion, welche ich schmerzvoll gelernt habe ist: Jede Emotion ist eine gute Emotion. Und das war ein längerer Prozess. Denn auf das Problem bin ich bereits in jungen Jahren gestoßen.

Ich war bereits mit Anfang 20 großer Fan von persönlicher Entwicklung. Tony Robbins, Brian Tracy, Richard Bandler und viele mehr waren meine Idole. Ich bin dem Irrglauben verfallen (auch wenn diese Personen es nie so gesagt hatten), dass ich mich immer kraftvoll, begeistert und positive fühlen müsse. Negative Emotionen dürfen nicht sein und müssen sofort, mit einem ganzen Arsenal an Techniken und Methoden, verändert werden. Ich verurteilte mich selbst, wenn ich mich schlecht fühlte, weil ich doch dachte, ich könne es besser.

Wenn alles nichts half und jede emotionsverändernde Technik versagte, habe ich einfach die Zähne zusammengebissen, um wenigsten äußerlich den Anschein zu wahren. Was ich ganz gut konnte, mich aber innerlich zerriss. Schlussendlich war ich getrieben von Ängsten, Sorgen und dem Anspruch an mich, diese nicht haben zu dürfen.

Hört auf mit dem Optimierungswahn und fangt an zu fühlen! Ich habe es nicht verstanden, dass jede Emotion erlebt, angenommen und erfahren werden darf. Dies ist der natürliche Weg ungeliebte Emotionen zu lösen.

Der natürliche Ablauf unsere Emotionen in unserem Körper ist: Sie kommen, haben einen Höhepunkt und gehen dann wieder. Wie alles im Leben ist ein Gefühl etwas Vergängliches. Es ist unser Brainfuck, der Emotionen unerträglich macht.

Emotionen sind etwas Natürliches. Sie sind weder gut noch schlecht. Negativ werden sie erst, wenn wir ihnen diese Bewertung geben!

Wir erlauben es uns nicht mehr, Angst zu haben, wütend zu sein, Trauer zu empfinden oder einfach Schwäche zu zeigen. Wir haben Angst vor unseren eigenen Gefühlen und versuchen sie zu verdrängen oder einfach nur beiseite zu schieben, weil jetzt im Moment ja alles wichtiger ist (als das Gefühl).

Wir alle besitzen ein ganzes Arsenal an Verdrängungsstrategien, entwickelt, um Unangenehmes nicht mehr fühlen zu müssen. Vom zwanghaften positiven Denken, über Verdrängen bis hin zur Flucht. Weil wir verlernt haben, unseren Gefühlen aufrichtig zu begegnen.

Und dann gibt es noch Menschen, die ihre Gefühle nicht verdrängt, sondern sich hineinsteigern. Sie legen mit negativen Gedanken weiter Feuerholz in die lodernden Flammen der Gefühle, lassen sich hineinfallen und auffressen.

Wir dürfen anfangen, die Emotionen einfach wieder zu fühlen, ohne sie zu bewerten, verurteilen oder zu verdrängen. Einfach annehmen. Mit einem Lächeln „ja" sagen. Mit der Zeit erfährt man dann, dass auch die unangenehmen Gefühle nicht schlimm sind. Und man selbst ok ist, auch wenn man sich schlecht fühlt. Emotionen verlieren ihre Kraft, wenn unser Geist außen vor bleibt.

3. Im Sturm lernt man surfen

In meinen Trainings, Coachings und Vorträgen werde ich immer wieder nach der „Wunderpille", der „Abkürzung", dem einen „goldenen Tipp" gefragt, der ihnen endlich das wohlverdiente ausgeglichene und kraftvolle Leben bringt.

Ich muss an dieser Stelle immer schmunzeln, weil ich wahrscheinlich in meiner harten Zeit dieselbe Frage gestellt hätte. Ich hätte alles für eine Pille geben, die mir ein ausgeglichenes und glückliches Leben gebracht hätte.

Ich habe nicht verstanden, dass der Weg der entscheidende Faktor ist. Es sind die Probleme selbst, an denen wir wachsen. In meinen Seminaren und Coachings bereite ich die Menschen lediglich auf die kommenden Herausforderungen vor.

Wachstum passiert im Leben: Dann wenn wir auf Schwierigkeiten treffen und wir es schaffen, unsere Emotionen anzunehmen, wenn wir Probleme lösen, dann, wenn wir dem Sturm trotzen und erkennen, dass es ein wilder Ritt ist, es aber trotzdem Spaß gemacht hat.

Und es wird immer Wellen geben im Leben, welche uns vom Surfbrett schmeißen. Wir werden immer wieder salziges Wasser schlucken und wir werden uns die Knie aufschlagen. Unsere Aufgabe ist, an die Oberfläche zu schwimmen. Wieder aufs Surfbrett steigen und mit offenen Armen der nächsten Welle begegnen. Denn Leben ist Wachstum und wir wachsen an unseren Herausforderungen.

Dabei wünsche ich dir viel Freude und Kraft!

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