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Kindererziehung ist Bindungsarbeit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHILD HAPPY MOTHER FILTER
Oliver Rossi via Getty Images
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Worum es in meinem Buch „Nicht mehr über Tyrannen reden!" geht, erkläre ich in einem gleichnamigen Kapitel, in dem ich darlege, dass Kindererziehung das einzige Metier zu sein scheint, welches ohne Ausbildung, Unterstützung und Anleitung ausgeübt werden darf. Im Folgenden erneut einige Auszüge:

Dieser Prozess, auch als Kindererziehung bekannt, ist alles andere als eine einfache Aufgabe. Jeder, der ihn je ausführen durfte, machte die Erfahrung, das eine oder andere Mal an seine Grenzen zu stoßen. Hier unterscheiden sich Fachleute (Erzieher/innen, Pädagogen/innen, Psychologen/innen...) nicht von Nicht-Fachleuten.
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Gefühle und Emotionen sind nie perfekt und werden es auch nie sein, deshalb wird es nie perfekte Eltern geben, immer nur welche, die es versuchen. Getrieben von der Liebe zu ihren Kindern setzen Eltern ihre persönlich erlebte Kindheitserfahrung, die restliche Lebenserfahrung und die vielen Tipps und gutgemeinten Ratschläge, die sie hören, um.
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Nur sichere Kinder sind glückliche, stressfreie Kinder. Und nur glückliche Kinder werden erfolgreiche Jugendliche, die stark und gestärkt aus ihrer Pubertät in die Welt der Erwachsenen schreiten können.
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Wenn sich die Eltern auf einmal anders verhalten als gewohnt, erfolgt Irritation

Liebe, Geborgenheit und Schutz auf der einen Seite, Klarheit, Halt und Sicherheit auf der anderen Seite sind das, was jeden Veränderungsprozess möglich macht. Was natürlich keiner erwarten darf, ist Zauberei. Sie wenden die unten aufgeführten Methoden an, und alles ist auf einmal anders. Wenn sich die Eltern auf einmal anders verhalten als gewohnt, erfolgt noch kein Lernprozess bei den Kindern, sondern erst mal nur eine Irritation. Erst wenn das veränderte Verhalten über einen längeren Zeitraum durchgezogen wird und die Kinder hierin ein dauerhaftes Muster entdecken, können Entwicklung und Veränderung ermöglicht werden.
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Mit den Auslegungen unserer Zeit würde so ein Kind, das sich nicht entscheiden kann und trotzdem alles selbst bestimmt, als Tyrann betrachtet werden: Es dominiert und bestimmt das gesamte Geschehen. Die Mutter scheint eine Spielfigur in seiner Hand zu sein, es steuert ihr Verhalten. Oder anders gesagt, ist das Kind in der Phase der Allmachtsfantasie hängen geblieben, und gilt somit als entwicklungsverzögert.
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Mit bindungstheoretischen Betrachtungsweisen wird so ein Kind eher als orientierungslos angesehen. Es ist ein Opfer seiner Umstände, da es versucht, es seiner Mutter recht zu machen, ohne ein Werkzeug an der Hand zu haben, um seine Handlungen zu gestalten. Die Mutter steht ihrem Kind nicht als Orientierung gebende Bindungsperson zur Verfügung. Sie vereinfacht nicht die Komplexität der Welt für ihr Kind, sondern setzt es den gesamten überfordernden Reizen schutzlos aus, und tadelt in manchen Situationen sogar, dass es in dieser Kompliziertheit nicht zurechtkommt.
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Das angestrebte Ziel besteht darin, Handwerkzeug für einen gelungenen Umgang zu entwickeln und weiter zu geben. Jede Theorie nur so effektiv, wie sie praktisch umsetzbar ist, also findet die Konzentration auf praktische Beispiele statt, diese werden dargestellt, kommentiert und bei Bedarf Handlungsalternativen vorgeschlagen.

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Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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