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Reden, reden und wieder reden. Hilft es denn?

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Anthony Lee via Getty Images
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Mit der Frage, ob Kinder sich die Aussagen der Eltern besser merken werden, wenn diese sie öfter wiederholen, beschäftige ich mich weiter im Kapitel "Weniger Reden" in meinem Buch: "Nicht mehr über Tyrannen reden!" Es folgen einige weitere Auszüge:
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Dadurch lernen die Kinder aber, dass es nicht notwendig ist, den Eltern zuzuhören, da diese ihre Aussagen eh immer wiederholen und davon ausgehen, dass die Kinder ihnen nicht zuhören.

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Ferner passen sich die Kinder unbewusst den Erwartungen der Eltern an und hören dann auch nicht zu. Die Eltern erwarten, dass nicht zugehört wird, und somit hören die Kinder auch nicht zu. Je früher dieser Prozess anfängt, desto effektiver ist er, und so haben die Kinder es bereits in einem relativ jungen Alter perfektioniert, weg- und nicht zuzuhören.

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In allzu vielen Situationen reduzieren wir die Kommunikation auf das Verbalisieren: das Reden - und sind der Meinung, dass wir unsere Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse nur über die Sprache, die Worte, kundtun können. Dabei vergessen wir, dass die Körpersprache einen sehr hohen Stellenwert hat. Vor allem bei Kindern ist es wichtig den Körper in die eigenen Denkprozesse mit einzubeziehen.

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Wenn Eltern z.B. nicht wollen, dass ihr Kind an die Kaffeetasse geht, sagen sie ihm: "Nein". Wenn dieses "Nein" beim nächsten Mal wiederholt werden muss, sollte das Kind zusätzlich von der Tasse weggetragen oder die Hand liebevoll festgehalten und weggeführt werden. So folgt eine Handlung den Worten.

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Carina ist zwei Jahre alt... Neulich im Supermarkt hatte sich Carina ein Überraschungsei ausgesucht. Sie wollte es sofort aufmachen und essen. Ihre Mutter aber nahm das Ei, legte es in den Wagen und sagte ihrer Tochter: "Wir müssen das Ei erst bezahlen." Das Mädchen schaute sie an und sagte: "Nein, haben!"... "Haben!"

Das Mädchen steigerte sich in der Intensität ihrer Aussage und in der Lautstärke... "Dann hör doch, was ich dir sage. Guck, dieses Ei muss erst bezahlt werden, dann kannst du es haben. Und ich bitte dich, mich jetzt weiter einkaufen zu lassen. Dann gebe ich dir auch das Ei. Aber wenn du weiter Theater machst, muss ich mich um dich kümmern, dann kann ich nicht weiter einkaufen. Und du wirst morgen kein Frühstück bekommen und Papa kein Abendessen. Willst du das? Willst du, dass Papa Hunger hat und nichts zu essen bekommt?"

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Ein Punkt ist und bleibt aber unstrittig, die hier erzeugte Stresssituation kann vermieden oder wenigstens verkürzt werden.

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Bei dem Mädchen kommt die emotionale Botschaft an: Ich möchte dir nichts befehlen, will aber, dass du machst, was ich will. Sei ein liebes Mädchen und mach, was richtig ist, nicht was du gerne möchtest. Diese Ausführungen der Mutter erreichen nicht ihr Ziel, sondern führen zu einer
Steigerung des kindlichen Verlangens.

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Wenn sie mit ihren Erklärungen ihr Ziel nicht erreicht, ihre Tochter von ihrer Meinung nicht überzeugen kann, bedeutet es, dass das weitere Ausführen ebenfalls nichts erreichen wird. Anstatt eine andere Kommunikationsmethode anzuwenden, bleibt sie auf dem gleichen Pfad und verstärkt später ihre emotionale Eingabe, indem sie versucht, ihrer Tochter ein schlechtes Gewissen zu machen.

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Mit einem schlechten Gewissen fühlen sich Kinder nur unwohl, sogar schlecht und allein gelassen.

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Die Mutter verursacht hier aber dieses schlechte Gefühl und fängt es entsprechend nicht bei ihrer Tochter auf. Danach gibt sie ihr die Verantwortung für den Tagesablauf, ebenfalls eine Bürde, die ein kleines Kind weder verstehen noch schultern kann.

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▶ Alternativen: ... "Ja, du darfst es sofort haben, nachdem wir es bezahlt haben." "Sofort Ei haben."
"Ja, Spatz, du bekommst es sofort. Und guck mal da! Was wir noch haben, eine rote Packung..."

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Die Mutter lenkt ihre Tochter ab, weiß, dass die Gedächtnisspanne der zweijährigen Kinder klein ist, und hat somit kein Problem damit, diese auf andere Gedanken zu bringen.
Wenn die Kleine sich trotzdem an das Ei erinnert und nachfragt, sagt die Mutter ihr, dass sie warten müsse und kann sie kitzeln oder anders mit ihr lachen. Die Mutter besteht auf ihrem Nein, ohne sich weiter zu rechtfertigen. Nach dem Bezahlen des Eis reicht die Mutter es ihrer Tochter mit der Botschaft, dass sie super gewartet habe.

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Nachdem solche Situationen mehrfach erfolgt sind, kann das Kind lernen, mit dem Aufschieben des persönlichen Bedürfnisses umzugehen.

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