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Weniger Reden

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Jade Brookbank via Getty Images
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Im ersten Kapitel meines Buches "Nicht mehr über Tyrannen reden!" empfehle ich den Eltern, Erziehern und Lehrern weniger zu reden. Das gesprochene Wort ist im zwischenmenschlichen Austausch das wichtigste Werkzeug. Problematisch wird es dann, wenn es das einzige wird, und wenn dieses ohne Rücksicht auf die Fähigkeiten des Gegenübers genutzt wird. Eltern und Fachleute reden viel mit Kindern, ohne zu wissen, ob das Gesagte auch ankommt.

Im Weiteren einige Auszüge aus diesem Kapitel:

... Auf Grund dessen reduzieren sich der Austausch und die Kommunikation mit den Kindern zu einem großen Teil auf das Verbalisieren. Wir versuchen sogar, mit den kleinen Kindern zu diskutieren und sie von der Sinnhaftigkeit oder der Sinnlosigkeit einer Handlung oder eines Verhaltens zu überzeugen, so beleuchten wir die Situation von allen Seiten. In unseren Gesprächen mit ihnen vergessen wir oft, dass sie keine uns ebenbürtigen Gesprächspartner sind.
...
Die Intention besteht darin, Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Kinder zur Veränderung ihres Verhaltens zu bewegen, ohne bei ihnen Ärger oder Frust auszulösen. Die Kinder sollen ihre
eigene Meinung und ihren eigenen Willen behalten und sich trotzdem angepasst verhalten.
...
Die Denkfähigkeit der Eltern ist ausgeprägter als die der Kinder, sie haben die Fähigkeit, das große Ganze zu sehen, zu überblicken und zu begreifen, somit ist es den Kindern nicht möglich, den Argumentationsketten der Eltern zu folgen.
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Die Gedanken der Kinder drehen sich aber nicht um rationale, sondern um emotionale Bedürfnisse.
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Bei ihnen kommt eben auch nur die emotionale Botschaft an, wie z.B.: ich verstehe deine Bedürfnisse, möchte aber dass du sie zurückstellst ..., hab mich doch lieb und mach was ich gerne hätte damit ich dich weiter lieb haben kann. Ferner kommt bei den Kindern Folgendes an: ich will, dass du machst was ICH will, traue mich aber nicht, dich dazu zu zwingen.
...

Eltern wollen überzeugen

Eltern appellieren an die Vernunft der Kinder, wünschen sich und erwarten, dass diese ein Einsehen zeigen. Der Wunsch der Eltern besteht darin, Überzeugungsarbeit zu leisten, damit die Kinder den persönlichen Wunsch verspüren, den Wünschen und Bitten der Eltern Folge zu leisten.
...
Je nach Entwicklungsstand sind Kinder lust- und nicht vernunftorientiert und somit nicht in der Lage, Einsicht zu zeigen, wenn die Einsicht hier beinhalten würde, dass sie aus der Vernunft heraus auf ihre Lustbefriedigung verzichten. Alles, was bei ihnen ankommt ist, dass sie ihre Eltern enttäuschen, also dass ihr Verhalten und somit sie nicht in Ordnung sind. Die inhaltliche Eingabe der Eltern ist somit völlig irrelevant.
...
Ebenfalls besteht ein riesengroßer Unterschied zwischen dem Reden mit den Kindern und dem Zerreden mancher Situationen. Ein Zerreden besteht dann, wenn die Gespräche aufgebaut werden, mit noch mehr Argumenten und noch komplizierteren Sichtweisen, so dass die Kinder dem Ganzen nicht mehr folgen können.
...
Wir halten es für sinnvoll, gezielt, klar und deutlich, den Kindern unsere Meinung zu sagen, und ihnen ihre Aufgaben mitzuteilen oder die Erwartungen, die wir an sie haben, zu sagen.
...
Mit diesen eindeutigen und gezielten Aussagen wird in der Regel der Entwicklungsstand des Kindes akzeptiert, so dass die Kinder verstehen, was ihnen gesagt und was von ihnen erwartet wird, und sie auch die Hintergründe begreifen können.
...
Es ist ein Irrtum zu glauben, dass in den Gesprächen mit den Kindern mehr Worte, tiefere Erklärungen und intensivere Argumentationen auch mehr bewirken und die Eltern damit auch mehr erreichen können.
...
Trotz der intensiven Versuche der Eltern werden die Kinder in den seltensten Fällen überzeugt nachgeben, sondern werden ihre Forderung immer wieder und teilweise sogar intensiver stellen.

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