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Liebe Eltern, hört auf, euren Kindern zu drohen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ELTERN KINDER ERZIEHUNG
GettyImages
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Hier weitere Auszüge aus meinem Buch "Nicht mehr über Tyrannen reden!" Kapitel 6: Keine Drohungen.

Eine in pädagogischen Prozessen häufig beobachtete Umgangsform mit nicht hörenden Kindern stellt die Drohung dar. Die Kinder weigern sich, den Gehorsam zu erweisen. ...

Es sind die Situationen, in denen die Hilflosigkeit siegt. Die Eltern sehen keine alternative Handlungsmöglichkeit, als mit Konsequenzen oder mit Strafen zu drohen. Häufig bleibt es aber bei den Drohungen, da die Eltern die ausgesprochenen Drohungen gar nicht umzusetzen beabsichtigen.

Auch wenn die meisten Eltern sich dessen bewusst sind, so erhoffen sie sich doch immer wieder, dass die Kinder ihre Reaktionen ändern, sie wollen nur, dass die Kleinen entsprechend des Willens der Erwachsenen ihre Handlungen gestalten, ohne ihnen wirklich Negatives zuzuführen. ...

Drohungen sind ein Ausdruck von Hilflosigkeit

Und so zeigen die hilflosen Eltern ihren Kindern, dass sie keine Selbstsicherheit ausstrahlen können ...

Das Fatale an diesem elterlichen Auftreten besteht darin, dass sie den Kindern nicht als haltgebende Bindungspersonen zur Verfügung stehen können, wie sollten sie es auch, wenn sie die eigene Unsicherheit dermaßen stark zur Schau stellen?...

Die aufgezeigten Konsequenzen entwickeln sich ebenfalls mit der Dynamik der Interaktion und es könnte manchmal für externe Zuschauer der Eindruck erweckt werden, dass die Eltern Strafen androhen und diese als Konsequenzen tarnen. ...

Die Veränderung beschränkt sich leider nur auf die Bezeichnungen, der inhaltliche Umgang bleibt dabei unverändert. So wird ein kritisch aggressiver Erziehungsstil, welcher über viele Jahre die einzige und ultimative Erziehungsmethode gewesen ist, übernommen, obwohl er nicht gewollt ist, und mit einem veränderten Namen in ein neues Gewand gesteckt, mit der Hoffnung, es würde zum neuen gewollten Extrem, dem partnerschaftlichen Erziehungsstil, passen....

Viele Eltern wiederum durchschauen ihre Sackgassenhandlungen und möchten diese ganze Dynamik der Strafen und strafenden Konsequenzen nicht in Gang setzen, drohen aus diesem Grund die Konsequenzen an, ohne diese umsetzen zu wollen oder sie umzusetzen. ...

Eltern erhoffen sich aber von der bloßen Androhung eine Verhaltensänderung des Kindes, ein Umsetzen des elterlichen Willens, einen absoluten Gehorsam, ohne dass dieser Wunsch offen und klar dargestellt wird. Anfangs kann es funktionieren, bis das Kind die Drohung auslaufen lässt und nicht das erwartete Ergebnis erlebt. Die Konsequenzandrohung wird nun zu einer "leeren Drohung".

Kindliche Ängste als Druckmittel

Wenn ein Kind zu oft eine "leere Drohung" erhält, lässt es sich von dieser nicht mehr beeindrucken, was unweigerlich zu einer Steigerung und Verstärkung der Drohungen führt, mit der Hoffnung, die Kinder beeindrucken zu können.

Was in diesem Konstrukt nicht beachtet wird, ist das Einsetzen der kindlichen Ängste als Druckmittel zum Erreichen eines Ziels.

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Viel gravierender als die im Herzen der Kinder gesäte und keimende Angst sind aber, meiner Meinung nach, die "leeren Drohungen" der Eltern und die damit einhergehende Stellung als Sicherheitsgebende Bindungsperson, welche diese einnehmen. Die Kinder lernen, dass sie sich nicht auf ihre Eltern verlassen können.

Sie erleben, dass Eltern nicht halten, was sie sagen. So werden die Kinder verallgemeinern und Drohungen und Versprechen vermengen. Entsprechend
laufen die Lernprozesse der Kinder. Sie wissen nun aus eigener Erfahrung, dass das gesprochene Wort ihrer Eltern keinen wirklichen Sinn hat. Sie lernen dadurch, dass sie sich nicht mehr auf ihre Eltern verlassen können.

Es liegt nahe, dass die Kinder zu folgender Analogie kommen und sich fragen: "Wenn die Eltern die Unwahrheit bei den Drohungen sagen, warum sollten sie dann die Wahrheit beim Schutzangebot sagen?" Und das, ist fatal.

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Die Initiative Anderes Sehen e.V. etwa kümmert sich um die frühkindliche Förderung von blinden Kindern - ein Bereich, den die beiden Gründer zuvor als zutiefst vernachlässigt erfahren haben.

Nun setzen sie sich für Chancengleichheit für blinde Kinder ein. Anderes Sehen e.V. bietet Blindenstöcke für Kinder, die ihre ersten Schritte wagen, und entwickelt liebevoll gestaltete Tast-Bilderbücher.

Zudem hat die Initiative die Echoortungsmethode Klicksonar nach Deutschland geholt und bietet hierfür Schulungen an. Auch die Aufklärung von Betreuungspersonen und die Bereitstellung von Vorschulmaterialien gehören zum Angebot von Anderes Sehen e.V.

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