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Warum die Vision der Grünen zu kurzsichtig ist

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GRUENE VEGAN FLEISCH
dpa
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„Fleischfabrik Deutschland" heißt das Buch von Hofreiter, das für Diskussionsstoff sorgt. Innerhalb von 20 Jahren soll die Massentierhaltung seiner Meinung nach abgeschafft werden. Warum das zu kurzsichtig gedacht ist? Von richtigen Diagnosen und unzureichenden Schlüssen.

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Das Buch „Fleischfabrik Deutschland" vom Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90 / Die Grünen regt zum Nachdenken an. Seine Argumente werden regelmäßig von Tierschützern genutzt und drehen sich um Überzüchtung, Missstände / Tierleid in Ställen, Grundwasserverschmutzung, Antibiotika-Einsatz, das Wirtschaften auf Kosten des globalen Südens und nicht zuletzt um die abweisende Haltung der Politik, nachhaltige Lösungen zu fördern.

Tod durch Fleischwirtschaft

Auch der Kampf von Bauern und Umweltaktivisten gegen immer größer werdende Sojafelder wird thematisiert, denn 90% des angebauten Sojas wird in der Massentierhaltung verfüttert. Hierfür wurden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben - der Widerstand hat viele von ihnen das Leben gekostet. Schuld ist zum großen Teil die Fleischwirtschaft.

Die einfachste Lösung? Eine pflanzliche Ernährung. Doch Hofreiter zieht andere Schlüsse: Eine Agrarwende, sprich; der Rückkehr zur kleinstrukturierten Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur Lebensmittel „produzieren" kann, wird angestrebt.

Er regt eine „weitgehend artgerechte" Haltung an, doch das ist weit hergeholt: So zeichnet sich aktuell schon ab, dass eine biologische Tierhaltung nicht zwingend tiergerechter gestaltet ist. Als Biologe gibt Hofreiter ehrlich zu, dass er dabei von einem Kompromiss spricht, denn auch auf kleinen Höfen, die eigenen Angaben nach einen respektvollen Umgang mit Tieren pflegen, kam es in der Vergangenheit wiederholt zu Missständen.

Utopie: Kleinstrukturierte Landwirtschaft

Die von Hofreiter gewünschte Agrarwende ist solange utopisch, bis die Menschen dazu bereit sind, ihren Fleischkonsum drastisch zu reduzieren. Auch dürfen andere Auswirkungen des Fleischkonsums nicht unbeachtet bleiben: Die menschliche Gesundheit kann schaden nehmen sowie die Umweltbilanz, denn auch Bio-Schweine erzeugen Gülle und auch im Bio-Betrieb werden 15.500 Liter Wasser gebraucht, um nur 1 kg Fleisch herzustellen.

Die Vision Hofreiters setzt also längst nicht an allen Problemen an. Warum dann nicht gleich das Leid der Menschen und Tiere im Keim ersticken und eine vegane Ernährung intendieren? Mit dieser sogenannten V-Frage beschäftigt sich auch Hofreiter. Sein Schluss? Er esse gerne Fleisch und wolle das auch weiter tun. Die vegane Ernährung als nachhaltigste Alternative erwähnt er nur nebenher.

Ein Ausweg aus der industrialisierten Tierhaltung ist wichtig für Mensch, Tier und Umwelt. Doch um den Wandel richtig anzukurbeln, bedarf es Methoden, die das Problem an der Wurzel bekämpfen. Leid, Tod und CO2-Ausstoß nur für den „guten" Geschmack? Jeder sollte sich fragen, ob es das wert ist und sich der V-Frage stellen.

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