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Gastbeitrag von Scott Blais - CEO Global Sanctuary for Elephants: Unfassbar und durch nichts zu rechtfertigen: Brutales Elefantentraining im Zoo Hannover

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In der heutigen Zeit gibt es für die Brutalität, mit der die Elefanten im Zoo Hannover oder andere Elefanten in Gefangenschaft behandelt werden, weder glaubwürdige Ausreden noch triftige Gründe oder gar Rechtfertigungen. Diese Art der Misshandlung fügt den Tieren Schaden zu und zerstört buchstäblich die Seele jedes einzelnen dieser empfindungsfähigen, sensiblen und gefühlvollen Lebewesen. Und wem dient das Ganze im Endeffekt? Ganz sicher nicht den Elefanten oder dem Artenschutz - und Bildungszwecken ohnehin nicht. Warum wird diese Misshandlung also toleriert und kann immer weiter weitergehen?

Vor 30 Jahren hatte ich als Auszubildender meine erste direkte Begegnung mit einem Elefanten. Ich hatte die Grenze des Elefantengeheges überschritten und wurde umgehend in eine andere Realität gezerrt. Mir wurde gesagt, ich würde von den Besten der Besten lernen; es sei ein Geschenk, eine Ehre und ein Privileg, ab dem Alter von 15 Jahren sozusagen mit den „Meistern des Elefantentrainings" aufzuwachsen. Aber in diesem Umfeld war alles zu finden, was eine falsche Haltung von Elefanten in Gefangenschaft ausmacht. Das Leben dieser Tiere als Misshandlung zu bezeichnen, beschreibt nicht im Ansatz das, was ich beobachtete und damals als unerlässlich empfand, um den Elefanten die täglich nötige Pflege zukommen lassen zu können. Auch wenn diese Erfahrungen verwerflich und unverzeihlich sind, sind sie doch der hauptsächliche Grund, warum ich 1995 „The Elephant Sanctuary" mitgegründet habe, denn ich wollte eine Alternative aufbauen, um die Qual, das Leid und den Schmerz der Tiere zu beenden.

In den letzten 25 Jahren habe ich mich mit Herzblut dafür eingesetzt, die Missstände bei der Haltung von Elefanten in Gefangenschaft zu beseitigen. Ich habe dazu beigetragen, so tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen, dass das Ausmaß der Traumata von gefangenen Elefanten völlig neu definiert wurde. Im Laufe dieser Jahre habe ich mich vehement für ein Verbot des Einsatzes von Elefantenhaken, Peitschen, Elektrotreibern und anderen Gerätschaften eingesetzt, die dafür genutzt werden, den Elefanten erhebliche Schmerzen zuzufügen - die Basis dessen, was viele als Tierquälerei bezeichnen würden. Zoos hingegen, die fortschrittliche Alternativen ablehnen, wiederholen immer wieder die gleichen Sprüche - die Misshandlung der Tiere mit diesen Hilfsmitteln sei eine Sache der Vergangenheit oder lediglich eine Ausnahme, der Haken diene nur zum Führen der Tiere und in Zoos würden nur humane Trainingsmethoden angewandt.

Dennoch kommen Jahr für Jahr neue Beweise an den Tag, die zeigen, dass die Elefanten weiterhin misshandelt werden. Als ich mir das Video der verdeckten Ermittlungen über die brutalen Trainingsmethoden der Elefanten im Zoo Hannover anschaute, musste ich sofort an den Anfang meiner beruflichen Laufbahn denken. Ich sah die Angst in den Augen der Tiere und die Dissoziation zwischen den Herdenmitgliedern, die die brutale Behandlung ihrer Familienmitglieder mitansehen mussten. All das erinnerte mich an die qualvollen und verzweifelten Schreie der Tiere, die ich als junger Mann hören musste. Jedes dieser Lebewesen wird im tiefsten Inneren gebrochen; das letzte Quäntchen seines wahren Selbst wird zerbröckelt, so dass nur noch die äußere Hülle erhalten bleibt. Es ist der ultimative Bewältigungsmechanismus, mit dem sich die Elefanten selbst schützen und in ihr Schicksal ergeben.
Leider bin ich in einem solchen Umfeld zusammen mit Elefanten aufgewachsen. Alles was zählte, war Geschwindigkeit und Präzision - der Mensch gibt Befehle, die Tiere springen.

Ich habe mit eigenen Augen mitansehen müssen, was erforderlich ist, um einen Elefanten zu einer solchen Reaktion zu bewegen, die ausschließlich auf Angst beruht. Dieses Video zeigt zweifelsfrei nur die Spitze des Eisbergs dessen, was die Elefanten im Zoo Hannover erdulden müssen. Dennoch behauptet der Zoodirektor nach wie vor, die Elefanten im Zoo Hannover würden auf „sanfte" Weise trainiert.

Was auf den Aufnahmen zu sehen ist und was der Öffentlichkeit verborgen bleibt als auch die Täuschungen und Manipulationen, mit denen die Wahrheit verschleiert wird - all das ist haarsträubend. Der Wille dieser unschuldigen Tiere wird für alle Zeiten gebrochen - so lange, bis die Öffentlichkeit endlich aufwacht und die offenkundige und heimtückische Misshandlung der Elefanten für etwas so Banales wie unsere egoistischen Wünsche nach Unterhaltung nicht länger unterstützt.
Es ist Zeit für ein weltweites Umdenken. Jeder einzelne von uns hat es in der Hand und kann sagen: „Es reicht!" Zoos in aller Welt haben sich von dieser Art des Trainings bereits abgewandt. Der Amerikanische Zooverband (AZA) empfiehlt heute ausdrücklich die sicherere und eher passive Haltungsform des geschützten Kontakts (Protected Contact).

Es gibt heutzutage sehr gute Alternativen, die es Elefanten ermöglichen, sich von früheren Misshandlungen zu erholen und wieder zu Kräften zu kommen. Haltungsformen, bei denen sie nicht mehr Tag für Tag in Angst leben müssen und wieder entdecken können, was es heißt, ein Elefant zu sein. In einer Welt, in der die Wertschätzung für alle Lebewesen immer mehr verloren geht, müssen wir das Richtige tun. Wir müssen handeln - denn wir halten die Zukunft und das Schicksal der Elefanten in unseren Händen.

Für alle Elefanten.
Scott Blais - CEO
Global Sanctuary for Elephants