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Ja - ein Affe sollte das Urheberrecht an seinem Selfie besitzen dürfen

30/07/2017 17:21 CEST | Aktualisiert 31/07/2017 16:22 CEST
Howard Berman via Getty Images

Sie dachten, der Fall mit dem Affen-Selfie wäre vorbei? Falsch gedacht.

Letzte Woche fand eine Anhörung vor dem US-Berufungsgericht des neunten Gerichtsbezirks statt. Gehört wurde die Argumentation von PETA USA, Naruto - ein achtjähriger männlicher Schopfmakake - solle zum Urheberrechtsinhaber an den international berühmten Affen-Selfie-Bildern erklärt werden. Das Tier hatte die Fotos irgendwann vor 2011 auf Sulawesi, Indonesien, aufgenommen, als die Kamera unbeaufsichtigt herumlag.

Die Fakten sind klar: Naruto hob die Digitalkamera auf, schaute durch die Linse und drückte mehrmals den Auslöser. So nahm er eine Bilderreihe auf. Er verstand, dass es einen Zusammenhang gab zwischen dem Drücken des Auslösers, dem Geräusch des Blendenverschlusses und der sich verändernden Reflektion, die er in der Kameralinse sah.

Unter solchen Umständen sieht das Gesetz das Individuum, das ein Bild aufnimmt, als den Urheberrechtsinhaber - unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder - so unser Argument - Spezies. Hätte ein menschliches Baby diese Bilder aufgenommen, würde niemand anzweifeln, dass ihm die Rechte daran zustünden. Dass Naruto ein Makake ist, sollte keinen Unterschied machen.

In der Vergangenheit gab es im Tierreich bereits wahre Künstler, deren Werke von großem Wert waren. Die Gemälde eines in Gefangenschaft lebenden Schimpansen verkauften sich bei einer Kunstauktion für über 25.000 $. Pablo Picasso soll ein Fan seiner Werke gewesen sein. Wissenschaftliche Studien haben Gemälde von Kindern mit denen von Menschenaffen verglichen, um mehr über die Ursprünge menschlicher Kunst zu erfahren.

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Würde das Gericht zu Gunsten Narutos entscheiden, könnte PETA USA die Affen-Selfie-Bilder lizensieren und jeden Cent des Erlöses zum Schutz des natürlichen Lebensraums von Naruto und seiner Gruppe einsetzen. Die Population dieser Tiere ist in den letzten 25 Jahren um 90 Prozent zurückgegangen. PETA USA möchte nichts von diesem Geld selbst beanspruchen.

Das Leben der Schopfmakaken auf der Insel Sulawesi ist ein ständiger Kampf ums Überleben. Für Kokosnussplantagen werden illegal Wälder gerodet und auch Straßenprojekte der Regierung zerstören den natürlichen Lebensraum der Tiere. Und als wäre das nicht schon genug, töten Jäger die Affen ihres Fleisches wegen. Wird eine Makakenmutter geschlachtet, landen ihre Kinder häufig im illegalen Heimtierhandel, was das Überleben der Art zusätzlich bedroht.

Sollte dieser Fall Erfolg haben, wäre es das erste Mal, dass ein nicht-menschliches Tier zum Besitzer erklärt würde, nicht zum Besitz. Es wäre auch das erste Mal, dass ein Recht auf nicht-menschliche Tiere ausgeweitet würde, das über das Grundbedürfnis nach Nahrung, Obdach, Wasser und tierärztliche Versorgung hinausgeht.

Vor Kurzem erhielten drei Flüsse den gleichen rechtlichen Status wie Menschen. Auch Unternehmen und Schiffe genießen schon lange ein rechtliches Menschsein. Wenn Flüsse und Unternehmen Rechte haben, stehen sie zweifellos auch Tieren zu. Naruto das Urheberrecht an seinen Selfies zuzusprechen, würde bestätigen, wofür sich PETA USA seit 37 Jahren einsetzt: Dass Tiere um ihrer Selbst Willen die Anerkennung der nötigen Rechte verdienen, nicht entsprechend ihres Nutzens für den Menschen.

Ihnen diese Rechte zuzugestehen, ist die einzig ethische Entscheidung.

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