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Die glücklichsten Menschen haben nicht von allem das Beste, sie machen aus allem das Beste!

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HAPPINESS
Flashpop via Getty Images
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Es ist noch nicht lange her, da habe ich hier in der Huffington-Post über meinen langen Leidensweg und den schweren Weg durch meine Schulzeit berichtete. Die Diagnose Asperger Autismus hat mein Leben geprägt.

Was ist seitdem nicht alles geschehen? Nachdem ich nicht mehr ins Regelschulsystem passte, brauchte ich eine alternative Schule. Den Kampf, diese Schule besuchen zu dürfen und sie finanziert zu bekommen, habe ich schon einmal beschrieben. Noch ist dieser Weg nicht zu Ende. Dennoch begann ich im Mai 2015 hier mit meinem Unterricht. Per Skype werde ich nun 1:1 unterrichtet und habe meinen Lebensmut wiedergefunden. Endlich kann auch ich zeigen, was in mir steckt.

Meine Lehrer an der web. Individualschule Bochum, Herr Mathias Möde, hat als Einziger meine Kreativität und meine Begabung erkannt. Er hat mich nicht ausgelacht, wie es die meisten vor ihm getan haben, nein, er hat diese Kreativität in die richtigen Bahnen gelenkt. Ihn begeisterte meine Liebe zur Mathematik und er fand gerade in Deutsch meine kleinen Geschichten und meine Bildbeschreibungen gut. Während früher den Lehrern alles zu blumig, zu genau, zu tiefgreifend und zu detailliert war, las er alles mit sehr viel Interesse. Eines Tages bat er mich, einen Charakter zu entwickeln und um diesen herum auch einmal eine größere Geschichte zu schreiben. „Versuche es doch einmal!", hieß sein Auftrag.

Dass er mich damit richtig forderte, aber auch animierte, ahnten zu dieser Zeit weder er noch ich. Innerhalb kurzer Zeit hatte ich die Charaktere der Kinder Tim, Lara und Florian entwickelt, baute meine Lieblingsspiel „Minecraft" als Handlung ein und entwickelte daraus den ersten Band meiner „Bermuda Bande". Jedes der Kinder hat einen anderen Charakter, jedem der Kinder ist etwas Anderes wichtig, aber wie ein roter Faden geht durch das ganze Buch, dass man im Leben Träume haben muss. Hat man Träume, hat man Hoffnung. Hat man Hoffnung, dann gibt man nicht auf. Vor allem sich selber nicht!

Trotz allem, was ich im realen Leben erlebt habe, trotz aller negativen Erfahrungen, die ich machen musste, trotz der vielen Stunden in denen ich den Sinn meines Lebens hinterfragt habe: Ich habe nie aufgehört zu träumen. Ich träumte eine Schule zu finden, in der es Kindern wie mir gut geht, ich träumte, dass es Inklusion tatsächlich gibt und diese nicht nur auf dem Papier steht, ich träumte Menschen zu finden, die mich verstehen, die mich so nehmen wie ich bin und ich träumte, dass ich meinen Großeltern einmal die ganze Liebe und die ganze Kraft vergüten könnte, die sie in mich investiert haben. Ich träume davon zu studieren, einen Beruf zu finden, der es mir eines Tages ermöglicht, selbst und unabhängig in dieser Gesellschaft zurecht zu kommen. Ich träume davon, dass Integration und Inklusion hier bei uns in Deutschland selbstverständlich werden. Und ich träume, ja ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass nichtsichtbare Behinderungen, so wie der Asperger Autismus, nicht immer nur angezweifelt und hinterfragt werden. Es ist für die Betroffenen entwürdigend immer wieder nachzuweisen, warum sie nicht an der Gesellschaft teilhaben können. Ich träumte, dass man nie wieder ausgegrenzt wird, nur, weil man Dinge anders wahrnimmt und anders fühlt.

Ich schrieb also meine Geschichte. Und mein erster Traum erfüllte sich. Es gab einen Verlag, der sich meine Manuskript ansah, den MASOU-Verlag. Und es gab eine Verlegerin, die großartige Manu Samel, die meine Geschichte tatsächlich las, die meine Geschichte rührte, die sie gut fand und die mich dann auch noch unter Vertrag nahm.

Anfang Oktober ist nun endlich mein Buch erschienen. Mein Buch! Ich bin so stolz. Die ersten Rezessionen zeigen, dass es bei denjenigen, die es bisher gelesen haben, sehr gut ankommt.
Dennoch werde ich auch hier von meiner Krankheit, von meinem Handicap eingeholt. Ich habe kaum eine Chance auf dem Markt, denn während jeder Autor, vor allem jeder unbekannte, in zahlreichen Lesungen und in unterschiedlichen Städten seine Bücher vorstellt, diese bewirbt, aus ihnen liest, sie signiert und im besten Fall verkauft, habe ich diese Möglichkeit nicht.
Mein Asperger Autismus hindert mich daran vor Fremden zu lesen oder zu sprechen. In eine Gruppe zu gehen übersteigt meine Kräfte. Kein Wort würde ich rausbekommen, im Gegenteil, Panik, Angst und Schmerz würden mich hindern überhaupt in Erscheinung zu treten. Und wer geht schon in eine Lesung, in der der Autor schweigt? Wie also soll ich mein Buch bekannt machen? Ich habe Zeitschriften, Journale und Magazine angeschrieben, habe bei Stiftungen aber auch Agenturen nachgefragt. Alles ohne Erfolg. Nicht einmal eine Antwort habe ich bekomme. Kein Interesse, oder woran liegt das?

Da ich aber noch immer träume und weil Träume für mich noch immer Hoffnung bedeuten, stelle ich mein Buch heute in meinem Blog vor. Und wer weiß was passieren wird, schon der Titelheld meiner Bermuda Bande sagt:

„Träume sind Ziele mit Beinen!"

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