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Stillende Mütter, merkt ihr, wie lächerlich ihr euch macht?

20/02/2016 14:44 CET | Aktualisiert 20/02/2017 11:12 CET
NICHOLAS KAMM via Getty Images

Würde man sich, wenn man Asthma hätte, in einer Raucherbar wegen des Rauches beschweren? Würde man den Bademeister anpflaumen, weil man sich für die Sauna nackt ausziehen muss? Würde man sich in einem Fünf-Sterne-Restaurant echauffieren, weil man nicht in Jogginghose rein darf? Würde ich nach einer durchzechten Nacht mit meinen Freunden total betrunken zu einem Brunch speziell für Familien gehen, lautstark etwas über meinen letzten ONS oder sonstige nicht jugendfreie Themen vor den Kindern von mir geben?

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Wäre es Diskriminierung, weil ich nicht in die Babyschaukel am Spielplatz passe? Diskriminiert die Kleidermarke „Ulla Poppkens" Dünne, weil sie nur Übergrößen produzieren? Und sollte ich den „Baby Walz" verklagen, weil ich dort nichts zum Anziehen finde? Gehe ich irgendwohin, wo ich weiß, dass meine Bedürfnisse nicht befriedigt werden (können)? Ich glaube, bis hierhin sind wir uns alle einig. Die Antwort lautet: Nein!

Deswegen verstehe ich den Wind nicht, der gerade von gewissen Müttern in Berlin veranstaltet wird. Da wurde doch einer stillenden Mutter verboten, am Schaufenster zu sitzen, während sie ihr Kind stillte. Ja nu, soll es geben. Hätte die Frau vorher mal gefragt, oder sich informiert, würde sie wissen, dass das besagte Lokal nicht gerade das Schild „familienfreundlich" an der Türe hängen hat.

Nun startete sie eine Petition und andere Mütter spammen dem Besitzer des Ladens die Facebook Seite voll. Nachdem ich diese Seite gesehen bzw. gelesen hatte, was die „Mütter" so von sich gaben, hatte ich eher das Gefühl, dort würde die pubertierende Mädchengang vom Kotti wüten.

Noch nie in meinem Leben wurde ich so herablassend beschimpft und beleidigt. „Kleines Dummchen, blödes Hascherl, du bist doch ein Fake!" waren nur die harmlosesten Beschimpfungen. Ich solle mich nicht fortpflanzen, riet mir eine Mutter, Bilder von meiner Facebook Seite wurden via Screenshot in die Unterhaltung eingefügt und mit dummen Sprüchen und üblen Beschimpfungen und Verleumdungen versehen. Was ich denn für Drogen nehme, ob ich einen an der Klatsche habe usw. Von den liebreizenden besorgten Müttern!

Noch nie in meinem Leben wurde ich so herablassend beschimpft und beleidigt

Nur, weil ich mich getraut habe, zu sagen, dass es völlig okay ist, was der Betreiber da gebracht hat. Sein Haus, seine Regeln. Punkt. Fertig. Wem es nicht passt, der solle bitte woanders hingehen. Kann ja nicht so schwer sein. Ja, eine Pädagogin hält zum Besitzer des Cafés. Weil es nun mal in Berlin genug familienfreundliche Lokalitäten gibt und es nicht zu viel verlangt ist, sich vom Schaufenster weg umzusetzen.

Warum ich mich für den Besitzer des Ladens ausgesprochen habe? Ich finde es herrlich, mal keine Gespräche über die Windeln, Ess-und Schlafgewohnheiten usw. zu hören. Auch auf die Tobsuchtsanfälle der Kleinen kann ich in meiner Freizeit verzichten. Des Weiteren nervt mich die überzogene Anspruch-Haltung der Mütter schon länger. Nicht alle, schon klar ... Aber die von vielen. Zitat: "Da wurden wir einfach rausgeworfen weil wir anfingen, zu stricken. Wir waren eine größere Gruppe. Unerhört war das, da gehe ich nicht mehr hin."

Unerhört ist, dass ihr euch drei Stunden je an einen Kaffee klammert, eure Kinder unbeaufsichtigt durch den Laden turnen lasst, während ihr in einer Seelenruhe strickt! Als ich die Dame darauf hinwies, dass es Familienzentren gebe, wo sie und ihre Freundinnen samt Kindern hingehen könnte für solche Aktionen, wurde das mit weiteren Beschimpfungen aus allen Seiten quittiert.

Ja, mit Fakten haben es die Besorgten allgemein wahrlich nicht. Denn eure Freiheit hört da auf, wo ihr die Freiheit der anderen einschränkt. Nicht jeder mag in seiner Freizeit 24/7 von Kindern oder Müttern umgeben sein.

„Warte mal, bis du Kinder hast!" - auch sehr beliebt. Wenn ich Kinder habe, meine Damen, wechsle ich aus der Szenekneipe in ein familienfreundliches Lokal, denn ich werde nicht verkrampft versuchen, weiter mein Leben so zu leben, wie es vor dem Kind war.

Toleranz erwarten, aber nichts und niemanden tolerieren, der nicht eurer Weltanschauung entspricht?

Auch der Bäcker mit Sitzplätzen bei mir ums Eck verbietet außerdem Kinderwägen in seinem Laden. Zu eng und niemand mag es, sich mit seinem Tablett durch die Kinderwägen zu quetschen. Keine Petition, kein Genörgel, trotzdem zufriedene Kunden, Mütter und Kinder. Warum? Weil man seinen gesunden Menschenverstand einschaltet. Und mit seinem Baby plus Kinderwagen in die x weiteren größeren Filialen gehen kann.

Auch Eltern die mal Pause machen wollen von ihren Kindern sind nicht so scharf drauf, das Geschrei von fremden Kindern dabei zu ertragen. Als ich eine Mutter fragte, warum sie hier sei und ob sie Langeweile habe um 23 Uhr, antwortete sie mir: „Ich stille gerade!" Oha, so sieht also der intime Moment zwischen Mutter und Kind aus bei der besorgten Mutter?

Warum fällt es den Frauen so schwer, zu akzeptieren, dass der Wirt nun mal selber bestimmt, wen er drin haben will und wen nicht. Stattdessen wurde noch um 1 Uhr nachts seine Facebook-Seite mit Hasstiraden bombardiert. Erweckt überhaupt nicht den Eindruck der Unzufriedenheit, und außerdem, habt ihr nicht alle Mann und Kind zu Hause?

Wenn etwas nicht meinen Vorstellungen entspricht, geh ich woanders hin und mache nicht so einen Wind drum. Man erwartet Toleranz, ist aber zu keiner Zeit bereit, einzusehen, dass man auch tolerieren muss, wenn Menschen sich dem Stillen der Kinder usw. nicht rund um die Uhr aussetzen wollen.

Merkt ihr eigentlich, wie lächerlich ihr euch macht? Wie ihr blind nur noch Gift und Galle spuckt? Euren Frust und Unzufriedenheit mit eurem Leben dabei an den Falschen auslasst? Dabei solltet ihr Vorbilder sein, für eure Kinder. Toleranz erwarten, aber nichts und niemanden tolerieren, der nicht eurer Weltanschauung entspricht? Ganz ehrlich, ich habe mich noch nie so fremdgeschämt.

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