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Wie der Schwarm Big Data-Lösungen finanziert

23/03/2016 15:21 CET | Aktualisiert 24/03/2017 10:12 CET
Jamie Grill via Getty Images

Der „Schwarm", das ist die allgemein akzeptierte Übersetzung für die „Crowd", sofern man nicht gleich beim Anglizismus bleibt. „Schwarmintelligenz" klingt ja auch bedeutend netter als „Mengenrabatt", „Massenabfertigung" oder „Herdentrieb".

Mit Big Data umschreiben wir das gesamte digitale Datenaufkommen, das in den unzähligen Schnittstellen von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat entstanden ist und welches rasant wächst.

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Längst haben alle begriffen, dass digitale Wertschöpfung nicht mit Geld, sondern mit personalisierten Informationen bezahlt wird.

Da jeder von uns sein Nutzerverhalten offenbart, entstehen aus den resultierenden Algorithmen immer genauere Vorhersagen für künftige Entscheidungen - auf diese Weise bewirbt man unsere pseudoindividuellen Interessen.

So befindet sich nicht zufällig ein Taxi in unserer Nähe. So wird die Wirklichkeit zum virtuellen 3D-Abenteuerspielplatz und das Raum-Zeit-Kontinuum für selbstfahrende Autos programmiert.

Fast die Hälfte aller produktbasierten Weltmarktführer kommt aus Deutschland. Daher widerspricht der „unbegreifliche" Umgang mit Datenströmen beziehungsweise -wolken und den daraus abzuleitenden Dienstleistungen bisweilen vielleicht sogar dem ingeniösen Wesen unserer mittelständischen Tüftler.

Die "Crowd" tickt anders.

Sollten aber neue Ideen im Big Data-Sektor entstehen, dann werden sich diese mit Sicherheit Kapital von der Crowd holen.

Denn Banken zeigen prinzipiell keinerlei Bereitschaft, etwas zur riskanten Finanzierung immaterieller Geschäftszwecke beizutragen und schließlich jede Entscheidung gegenüber den Eigentümern, bzw. den Aktionären rechtfertigen zu müssen.

Im Übrigen verdient die Bank nur spärlich an verliehenem Geld.

Durch die Verteilung des Risikos auf unzählige Schultern, trägt jeder Anleger nur eine geringe Last. Eine Eigendynamik entsteht schon im Verlauf der Kampagne.

Nach schleppendem Beginn, begeistern sich immer mehr Menschen für das Projekt und investieren. Das beobachtet die "Crowd" sehr genau und zeigt sich nun ebenfalls von der Sache überzeugt. Am Schluss springen noch die vielen Trittbrettfahrer auf, um nur ja nichts zu verpassen.

Natürlich erwarten Crowdinvestoren eine Zusage über die zu erwartenden Renditen. Hinter vorgehaltener Hand geben sie aber zu, auch ein Wette auf den erfolgreichen Exit des Start-up-Unternehmens getätigt zu haben.

Denn kauft ein Konzern die Idee, dann besteht die Chance, den ursprünglichen Einsatz zu vervielfachen. Das dies nicht bei allen Projekten klappt, weiß die Crowd. Deshalb werden viele, kleine Beträge verteilt und nicht alles auf eine Karte gesetzt.

Von den Tücken einer Innovation

Big Data kennt unser Geschlecht, unser Alter, unserer Nationalität, unsere Gesundheit, unseren Wohnort, unsere Konsum- und Kommunikationsgewohnheiten.

Natürlich sind auch Bewegungsmuster und -zeiten bekannt. „Na und?", sagen viele Leute. „Datenschutz" sei ein langweiliges Wort - solange man nicht die Kehrseite der Medaille kennengelernt hat.

Denn mittlerweile weiß jeder Nutzer, dass ein „Shitstorm" keinesfalls schlechtes Wetter ankündigt, sondern einen gnadenlosen Hagel von Beleidigungen.

Mit einem falsch gesetzten Häkchen wird die kleine Einladung zum Geburtstag eine Heimsuchung durch abertausende Vandalen.

Mädchen und junge Frauen überdecken Kameralinsen an ihren Laptops mit Klebeband, um nicht ungewollt fotografiert oder gefilmt zu werden.

„Big Brother" aus George Orwells Roman ist leider das unzertrennliche Geschwisterkind von Big Data. Ed Snowden ist Jahrgang 1983 und schließt den prophetischen Kreis des Buchtitels „1984". Dessen Big Brother und unser Big Data sind siamesische Zwillinge.

Systembedingt verwechselt Big Data derzeit häufig noch Quantität mit Qualität und versagt deshalb zuweilen im Zusammenspiel mit Menschen.

Auf diese Weise gewinnt man anhand von drei aufeinanderfolgenden Doppelfehlern beim Tennis manipulierte Wetten, so stürzen stabile Börsenkurse in Sekundenschnelle ab oder schnellen absurd hoch, so verrutscht auch mal die Kommastelle bei Finanztransaktionen in astronomische Höhen.

Das passiert, weil zu wenig Menschen mehr mit gesundem Menschenverstand dagegenhalten und elektronische Systeme immer mehr autonome Entscheidungen fällen.

Die Gesundheit profitiert

Dennoch profitiert unsere Gesundheit durch Big Data. Durch die Sammlung und Visualisierung von Daten bildet sich eine Informationsbasis, die bei ausgeklügelter Analyse über kurz oder lang sehr wohl wichtige Erkenntnisse zu liefern vermag.

Viele Ideen und Innovationen im digitalen Healthcare-Sektor kommen nicht aus der Industrie oder von den Pharmakonzernen. Kleine Trendsetter profitieren von der gleichberechtigten, demokratesken Form des Internetauftritts.

Eine App ist eine App ist eine App! Die Nutzer entscheiden über den Erfolg - das geht schnell.

Und jeder Anwender ist als Mitglied der „Crowd" gleichzeitig auch ein potentieller Sponsor oder sogar ein gewinnorientierter Anleger. Mit einem Klick ist man dabei und die Empfehlung wird an alle Freunde weitergeleitet.

Wer eine Auswahl und Funktionalisierung von Daten mit einem tatsächlichen Produktnutzen zu koppeln versteht, wird durch den Verkauf der Sache verdienen.

Hätten wir je gedacht, dass der Erfinder des „Tamagotchis" rückwirkend als ein Pionier der ersten Stunde angesehen werden muss? Statt ein imaginäres Küken schlüpfen zu lassen, lernen wir nun, uns digital selbst zu pflegen.

Wer die verschiedenen gesundheitsrelevanten Datenströme sinnvoll miteinander verwebt, kann bereits bestehende Hardware instrumentalisieren. Smartphone und Computer hat heute jeder.

Passende Konzepte werden zwar aufgrund ihrer Komplexität einiges an Kapital benötigen, das aber ist reichlich vorhanden und lässt sich zielgerichtet einwerben.

Lebenslang gespeicherte Datenpools

Patienten wünschen sich eine gesteigert selbstbestimmte Teilhabe am Genesungsprozess. Angehörige sind hervorragende Unterstützer und Motivatoren in den begleitenden Gesundheitssystemen.

Ärzte erhalten onlinegesteuerte Einblicke, ohne den Patienten jedes Mal in die Praxis zu bestellen und können Medikationen anpassen oder ändern.

Lebenslang gespeicherte Datenpools zur Vorsorge und Risikobewertung erlauben es, frühzeitig signifikante Optimierungen in die natürlichen Alterungsprozesse und krankheitsbedingten Lebensverläufe zu integrieren.

Da wir alle im Laufe unseres Lebens mit existentiellen Ereignissen dieser Art konfrontiert werden, verbirgt sich hinter diesem Thema ein überdimensional selbstlernendes Meta-Bewusstsein.

Von vor der Geburt des Menschen bis weit über seinen Tod hinaus.

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