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Die 6 goldenen Regeln einer Fernbeziehung

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"Mein Freund wohnt in Barcelona. Wir führen eine Fernbeziehung." Da war er wieder, DER Blick. DER Blick war eine Kombination aus Verständnislosigkeit und Mitleid. Verständnislosigkeit weil eine Fernbeziehung ja angeblich ohne Perspektive sei und Mitleid weil "das arme Mädchen sich hat um den Finger wickeln lassen".

Als ich zum ersten Mal nach Barcelona ging, war ich nach allem auf der Suche aber nicht nach einer Beziehung. Ich hatte ein paar stressvolle Monate hinter mir und wollte einfach nur einen kleinen Kurzurlaub. Der sollte aus möglichst viel Gaudí, Strand, Tapas Bars und meiner ersten Paella bestehen.

Aber wie das nun mal so ist, verlief natürlich alles anders und ich traf die Liebe meines Lebens. Das soll jetzt hier keine kitschige Love Story werden, sondern einfach nur der feste Glaube dahinter, dass wenn man wirklich etwas will, es dann auch schaffen wird. Wie heißt es so schön: "Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe." Man muss also 100 Prozent dahinter stehen, bei 99,9 Prozent hat man eigentlich schon verloren.

Es kamen dann bei uns natürlich viele Fragen auf. Wann sehen wir uns das nächste Mal wieder? Ist das dann überhaupt eine Beziehung, wenn man nicht im gleichen Land wohnt? Wie soll das finanziell klappen? Hier sind 6 goldene Regeln, mit denen man eine erfolgreiche Fernbeziehung führt.

1. Ein Plan - Denn nichts ist schlimmer als Ungewissheit

Nichts ist schlimmer, als im Ungewissen zu sein und nicht zu wissen, wann man seinen Partner wiedersehen wird. Wenn der Flug gebucht ist, hat man etwas handfestes, selbst wenn es erst in mehreren Wochen oder gar Monaten ist aber man WIRD sich sehen und hat etwas worauf man sich freuen kann.

Natürlich erfordert das einen gewissen Grad an Flexibilität aber alles ist machbar. In unserem Fall hatten wir das Glück, dass wir eine ziemlich gute Verbindung zwischen unseren Städten Düsseldorf und Barcelona hatten und es nur ein Zweistunden-Flug war. Wir haben einen festen Plan erstellt, der es ermöglicht hat uns circa alle 3 Wochen zu sehen.

Ich gebe zu, dass das finanziell nicht gerade eine Entlastung war aber dafür habe ich auf viele andere Sachen verzichtet, um wenigstens eine Kompensation zu haben. Und ganz ehrlich: es war jeden Cent wert.

2. Geduld - Vorfreude ist nicht umsonst die schönste Freude

Ich habe immer jede einzelne Sekunde gezählt bis zu dem Tag, an dem wir uns wieder sehen sollten. Es ist nicht einfach und es zerrt an den Nerven, ich gebe es zu. Es hat ja auch niemand behauptet, dass es leicht werden würde. Aber was mich jeden Tag aufgebaut hat, war eine ganz simple Sache: die ständige Vorfreude im Bauch (weswegen übrigens Punkt 1 sehr wichtig ist).

Darüber hinaus haben wir heutzutage so unglaublich tolle Möglichkeiten in Kontakt zu bleiben: Skype, Whatsapp, iMessage usw. Sie sind natürlich kein adäquater Ersatz für den Liebsten, allerdings eine wunderbare Methode, die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen zu überbrücken.

Man stelle sich mal vor wie das früher war, da hat man sich Briefe geschrieben. Wir kommen sogar in den Genuss nicht nur mit der Person persönlich sprechen zu können, sondern sie auch noch zu sehen. Welch ein Luxus eigentlich, oder?

3. Kontakt - Lasst euch gegenseitig am Leben teilhaben

Da man seinen Partner sowieso schon nicht jeden Tag sieht, ist es umso wichtiger sich gegenseitig in den Alltag einzubinden. Wir leben im Zeitalter von Whatsapp und Skype. Mal hier ein Foto von meinem Essen, was ich gerade mit Freunden habe oder mal da ein Foto von meinem Outfit für die Arbeit.

Hört sich jetzt wahrscheinlich auf den ersten Moment total übertrieben an, ist es aber nicht. Denn so hat der Partner wenigstens ein bißchen das Gefühl, am Leben des anderen teilhaben zu können, selbst an dem simpelsten Dingen.

Wenn man zusammen wohnt und sich zur Arbeit fertig macht, sieht der Partner doch auch, was man gerade für ein Outfit trägt. Die normalsten Dinge eben, die man schon gar nicht mehr zu schätzen weiß, wenn man zusammen wohnt. Und das man täglich, wenn nicht sogar mehrfach über den Tag verteilt miteinander schreiben oder telefonieren sollte, versteht sich schon von ganz alleine, oder?

4. Der psychologische Aspekt - Lass die Leute reden

Es werden dir viele Menschen im Alltag begegnen, die deine Beziehung belächeln oder nicht einmal ernst nehmen werden. Man muss imstande sein, darüber zu stehen und sich nicht davon verunsichern zu lassen.

Deswegen erwähnte ich bereits am Anfang, dass man zu 100 Prozent hinter dieser Beziehung stehen muss. Denn eine winzige Unsicherheit kann schon dazu führen, dass man von Zweifel zerfressen wird. Und aus einem Prozent Unsicherheit, können sehr schnell 99 werden.

5. Vertrauen - Das ultimative NonPlusUltra

Dieser Punkt ist mit Abstand der wichtigste und nur davon ist es abhängig, ob eine Fernbeziehung letztendlich funktioniert oder nicht.

Du musst dir dessen klar sein, dass dein Partner nicht vor Ort ist und du eben mal nicht bei ihm vorbei schauen kannst. Liebe auf Distanz ist ohnehin schon nicht einfach und dann noch ohne Vertrauen: ein Ding der Unmöglichkeit.

6. Entscheidung fällen - Umzug steht an

Auch wenn man es auf die Dauer sehr gut mit der Fernbeziehung hinbekommen hat, muss man früher oder später eine Entscheidung treffen. Das heißt im Klartext, dass einer der beiden seinen Standort aufgeben und umziehen sollte.

Das ist einfach unvermeidbar, denn man kann nicht über Jahre hinweg eine Fernbeziehung führen, das ist auf Dauer dann leider doch nicht machbar. In unserem Fall war ich dann diejenige, die nach Barcelona umgezogen ist, da ich jobtechnisch etwas flexibler war.

Man sollte das aber aus einem positiven Standpunkt heraus sehen: neues Land, neue Stadt, neue Kultur, neuer Job. Ziemlich aufregend, oder? Und das allerbeste natürlich: dein Partner ist bei dir! Kein Skype mehr. Kein ungeduldiges Warten bis zum nächsten Wiedersehen. Denn das gehört dann alles der Vergangenheit an.

Fazit: Letztendlich gibt es für nichts im Leben eine Garantie. Genau so wie eine Fernbeziehung in die Brüche gehen kann, kann es aber auch eine Beziehung vor Ort. Man sollte es aber zumindest nicht unversucht lassen, damit man sich später nicht in diesem klassischen "Was wäre wenn..."-Zustand wiederfindet.

Mittlerweile ist übrigens aus diesem "Freund" sogar mein Mann geworden und wir haben eine Tochter. Es war die beste Entscheidung in meinem Leben, nach Barcelona zu fahren. Die Wege der Liebe sind eben unergründlich und es kann dich jederzeit treffen, egal ob hier oder im Ausland. Ob es nun Mr./Mrs. Right ist, hängt nicht davon ab wo er/sie wohnt, sondern einfach nur von dieser Frage: "Kann ich mir ein Leben ohne diese Person vorstellen?".

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