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Diese 7 Dinge sollte jeder bedenken, der aus Deutschland auswandern möchte

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Willie B. Thomas via Getty Images
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Ich habe meinen baldigen Umzug ins Ausland als Anlass genommen darüber zu schreiben, was dafür und dagegen spricht. Bei mir geht es übrigens in die schöne Hauptstadt Spaniens, Madrid. Vielleicht ist das ja ein Leitfaden für diejenigen, die eine kleine Entscheidungshilfe brauchen.

Hand aufs Herz: hatte nicht nahezu jeder von uns schon mal den Wunsch oder zumindest einmal den Gedanken, im Ausland zu wohnen? Sei es temporär oder richtiges Auswandern à la "Goodbye Deutschland"? Einfach mal weg und neue Kulturen kennenzulernen?

Aber bis man sich dann mal wirklich dazu überwindet diesen Schritt durchzuziehen, hat man es sich wahrscheinlich schon wieder anders überlegt. Man muss so einiges aufopfern, wenn man ins Ausland ziehen möchte. Job und Wohnung kündigen, Familie und Freunde hinter sich lassen. Ist es das Wert mit Hinblick auf eine ungewisse Zukunft?

Bei jedem sind natürlich individuelle Faktoren gegeben und ich möchte daher auch aus meinem eigenen Standpunkt berichten. Ich habe bereits zweimal im Ausland gelebt: in Brighton, England, und in Barcelona, Spanien. Und eins kann ich euch vorweg sagen: es waren die besten Entscheidungen in meinem Leben und ich möchte diese Zeit auch gar nicht mehr missen.

Das war eine so unglaublich große Bereicherung für mein Leben, in jeglicher Hinsicht. Ich möchte aber auch gar nicht verheimlichen, dass es auch kleine Nachteile mit sich bringt. Aber alles auf dieser Welt hat nun mal seine Vor- und Nachteile, ist doch ganz normal, oder?

Aber an dieser Stelle widme ich mich erst mal ganz der Frage: Ausland, ja oder nein?

1. Familie & Freunde

Das war für mich mit Abstand der schwierigste Teil, der mich auch fast daran gehindert hat ins Ausland zu gehen. Nun hatte ich mir aber Destinationen ausgesucht, die gerade mal 1-2 Stunden von meinem Heimatflughafen Düsseldorf entfernt waren.

Daher ließ sich dieser Punkt ganz gut überwinden, da ich circa alle 3 Monate nach Deutschland geflogen bin. Vor allem am Anfang ist es ziemlich hart, aber man sagt nicht umsonst, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist.

Mit der Zeit kennt man es ja nicht mehr anders und dank der modernen Technologie à la Skype und Co, wird das Ganze nochmals um einiges gemildert. Darüber hinaus lernt man im Ausland unglaublich viele und neue Leute kennen! Bei mir sind da richtig enge Freundschaften entstanden, mit denen ich bis heute in Kontakt bin und die ich einfach nicht mehr missen mag.

2. Sprachkenntnisse

Also wenn das mal nicht einer der besten Gründe ist in ein anderes Land zu ziehen! Für mich sind Sprachen wie Schlüssel: sie öffnen einem so unglaublich viele Türen, sei es auf beruflicher oder privater Ebene.

Und es ist einfach nur so mega cool eine Sprache fließend zu beherrschen. Vor dem England Aufenthalt war mein Englisch zwar bereits ganz gut dank meinem Leistungskurs an der Schule, aber nach Brighton war es nahezu perfekt.

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Man lernt viele Ausdrücke kennen, die dir kein Lehrbuch dieser Welt beibringen könnte. Das hat mich in meinem Leben bisher sehr sehr weit gebracht, in jeglicher Lebenslage.

3. Die Sache mit den Ärzten

Es kommt natürlich immer auf das jeweilige Land an, in das man zieht, aber in meinem Fall waren England und Spanien leider nicht gerade die Pioniere was Medizin anbelangt. Erst recht, wenn man aus einem medizintechnisch verwöhnten Land wie Deutschland kommt.

Wir dürfen hier sogar direkt zu einem spezifischen Arzt gehen (z.B. HNO-Arzt), wohin gegen in meinen besagten Ländern dies erst nach der Zustimmung des Allgemeinmediziners geschieht. Und eins könnt ihr mir glauben: bis ihr so eine Überweisung mal überhaupt bekommt, muss aber echt so einiges passieren.

Mehr zum Thema: Komfortbereich Krankheit: Als wir im Ausland zum Arzt mussten

Und hinzu kommt, dass man keine freie Arztauswahl hat, da deinem Wohnort entsprechend dir ein Arzt zugeordnet wird. Das war interessanterweise in England UND Spanien der Fall. Das heißt, wenn mir der Arzt nicht zusagt, dann habe ich tatsächlich einfach nur Pech gehabt oder sollte über einen Umzug nachdenken

4. Pimp up my CV

Im Ausland gelebt und vor allem auch gearbeitet zu haben, ist wahres Gold auf dem Lebenslauf und kommt einfach so unglaublich gut an. Nicht nur allein wegen der Sprachkenntnisse, die man sich angeeignet hat, sondern vor allem wegen der Lebenserfahrung.

In meinen bisherigen Bewerbungsgesprächen, die ich bisher absolviert hatte, stand irgendwie nie mein Studium oder derartiges im Fokus. Es wurde sich immer vor allem auf meine Auslandszeit bezogen und diese ausführlich erfragt.

5. Kultur, Kultur

Man lernt eine komplett neue Kultur und Bräuche kennen. Neue Gerichte, neue Lebensweisen etc. Das ist eine ziemliche große Bereicherung und so unglaublich interessant einfach. Darüber hinaus öffnet es dir ganz neue Sichtweisen und man wird irgendwie zu einem weltoffenerem Menschen. Man zieht dann automatisch Vergleiche mit der eigenen und ist teilweise erstaunt, wie anders manche Lebensweisen sind.

Ein paar kleine länderspezifische Beispiele: während wir hier in Deutschland unser Abendessen gegen 18, 19 Uhr essen, ist in Spanien nicht vor 21 Uhr damit zu rechnen. Oder aber in England, wo die Leute auch bei eisigen Temperaturen mal eben ohne Jacke rausgehen und du mit offener Kinnlade hinterher schaust. Ich habe es jedes Mal aufs geliebt, etwas neues und interessantes zu entdecken.

6. Hello Sunshine

In diesem Fall kommt es natürlich stark an, in welches Land man sich zum Auswandern ausgesucht hat, aber wenn man ein Land wie Spanien wählt zum Beispiel, ist das Wetter ein ganz klarer Vorteil. Es erwartet einen ein richtiger (und konstanter!) Sommer und milde Winter.

7. Wertschätzung

Diesen Punkt kann man je nach Standpunkt positiv oder aber auch negativ auslegen. Negativ, weil man diese Selbstverständlichkeiten von Zuhause unglaublich vermisst oder aber auch positiv, weil man lernt diese Dinge einfach mehr zu schätzen!

Denn wenn man sie direkt vor der Nase hat, ist man sich gar nicht dessen bewusst, wie schön und wichtig diese Dinge einem sind. Was zum Beispiel? Zeit mit der Familie zu verbringen. Die unglaublich große Auswahl an Brot in deutschen Bäckereien.

Mehr zum Thema: 7 Zeichen, dass es Zeit ist auszuwandern

Oder einfach mal nur seine eigene Muttersprache anwenden zu können. Ja, diese und viele anderen Dinge habe ich wirklich erst danach zu schätzen gelernt und daher ist das für mich definitiv auch ein positiver Punkt.

Fazit: Wir haben einen ganz klaren Gewinner würde ich mal sagen. Die Vorteile sind so unglaublich groß, dass die kleinen Nachteile locker dadurch kompensiert werden können. Ich kann es wirklich jedem nur wärmstens empfehlen, diese Erfahrung auf sich zu nehmen! Ihr werdet es nicht bereuen, darauf gebe ich Euch mein Wort. In dem Sinne, adios y hasta pronto!

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf www.confashiontime.com

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