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Wie wir uns nach den Anschlägen verhalten müssen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANSBACH
dpa
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Die vielen Toten in den vergangenen Tagen haben zu vielen Interpretationen der Taten geführt. Die öffentliche Meinung wälzt dazu erstens die entsprechenden biologischen oder soziologischen Überlegungen, die aber das Handeln der Täter kaum erklären können.

  • Alle Täter waren Männer. Vielleicht liegt dies daran, dass sich mit einer Verschleierung schlechter mit Waffen umgehen lässt. Ich weiß es nicht, aber jenseits ihres Geschlechts machen sie sich Gedanken zu ihren Taten.
  • Alle Täter waren jung. Die ehemaligen Angehörigen der RAF begehen aber auch Straftaten. Es kann also nicht am Alter liegen, sondern es muss an ihrem Vorhaben liegen.
  • Manche Täter waren nach Angaben der Behörden psychisch krank, aber viele Menschen sind es und sie brüllen nicht: „Ich bin Deutscher" und erschießen vor allem junge Menschen mit Migrationshintergrund. Der Täter muss sich also etwas zu seiner Tat, die er sehr planvoll anging, gedacht haben, was nicht seinen Ausgangspunkt in seinen genetischen oder psychischen Dispositionen hat.
  • Alle Amokläufer können nach Angaben der Behörden nicht Wirklichkeit und Spiel trennen. Macht aber ein Spiel einen Menschen zum Mörder oder sucht man sich nicht entsprechend seinem Vorhaben adäquate „Vergnügungen"?

Der Begriff 'Terror' erklärt fast nichts

Zweitens wird gerne die Charakterisierung ihrer Handlungen als Terror bemüht. Diese inhaltsleere Kategorie drückt zwar Abscheu gegenüber den Taten aus, die jeder kennt und teilt, erklärt aber fast nichts. Sie kümmert sich nicht um die Zwecke und Gedanken der Täter, die zu ihrem Tun führen.

Wenn man sich diese jedoch erklärt, wird man nichts finden, was mit der Abstammung, der Flucht, dem Geschlecht oder dem Migrationshintergrund zu tun haben. Ihre Zwecke und Gedanken machen Menschen zu Mördern (und übrigens auch nicht ihre Waffen):

  • Die Islamisten teilen unsere demokratische Staatsräson nicht und haben etwas anderes vor, welches sie offensichtlich auch mit Gewalt erreichen wollen. Wollte man sie bekämpfen, müsste man sich um ihre Gründe kümmern oder ihnen die Gewaltmittel entreißen. Letzteres wird vor allem derzeit getan.

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  • Umgekehrt meinen manche, dass das Wohlergehen des deutschen Volkes von Fremdstämmigen gefährdet wird.
  • Schließlich wird alles noch von mehr oder weniger spinnerten Überlegungen zur eigenen Person ergänzt oder bestimmt sogar vor allem die Mordpläne: Von den Jungfrauen im Paradies bis hin zum Bericht in den Tagesthemen zu ihrer Person nach dem Ableben der Täter.

Es ist kein Integrationsproblem

Damit haben sie dann doch noch zwei wirkliche Gemeinsamkeiten, trotz ihrer unterschiedlichen Zwecksetzungen: Sie setzten erstens für sich selbst voll auf das Jenseits und zweitens sind sie in ihrem Denken zur eigen Person ein vollständiges Produkt unserer Gesellschaft im Denken zu Individualität und Erfolg. Ein Treppenwitz der Globalisierung ist dann noch dabei, dass sie dafür noch nicht einmal bei uns aufgewachsen sein müssen.

  • Will man derartige Anschläge zukünftig verhindern, muss man den Leuten ihre Gewaltmittel entwenden oder sie in ihrem Tun kritisieren. Was sonst? Ob beides allerdings hilft, ist bei den Standpunkten und Bemühungen der Täter fraglich.
  • Einige werden Asylsuchende oder Flüchtlinge theoretisch und praktisch dafür verantwortlich machen. Das ist aber kein Integrationsproblem von ihnen, sondern liegt an den Überlegungen der Einheimischen. Sie muss man dann in ihren Diskriminierungsbemühungen und eventuell weiterreichenden Taten kritisieren.

Klar, bei dem, was viele sich so denken, da kann man Angst bekommen.

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