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„Indirekte Demokratie ist nicht genug"

07/03/2016 19:35 CET | Aktualisiert 08/03/2017 11:12 CET
Mohammad Hannon/AP

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Ein junger Jordanier und sein zivilgesellschaftliches Engagement im Portrait

Jordanien ist ein junges Land. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt, die Jugendarbeitslosigkeit beträgt dabei knapp 30 Prozent. Das treibt viele junge Menschen dazu, das Land zu verlassen, um in den Golfstaaten, Europa oder den USA zu arbeiten. Vor allem die gut ausgebildeten Jordanier erhoffen sich bessere Chancen im Ausland.

Die allermeisten von ihnen kehren nicht mehr in ihr Heimatland zurück. Doch es gibt auch Beispiele von jungen Jordaniern, die diesem Trend des brain-drain entgegenwirken möchten, wie etwa Dr. Sami Hourani. Er selbst hat in den USA Medizin studiert, sich nach seinem Abschluss jedoch dazu entschlossen, in sein Heimatland Jordanien zurückzukehren und dort aktiv zu werden.

2007 gründete er die Jugendorganisation „Leaders of Tomorrow", die sich zum Ziel gesetzt hat, den sozialen Status quo zu verändern und Tabuthemen anzusprechen. Besonders wichtig war ihm ein bottom-up Ansatz, um junge Leute zu erreichen. Bildung, kritisches Denken, Eigeninitiative und Kreativität seien hierfür zielführend.

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„Diwanieh" ist eine der Initiativen von „Leaders of Tomorrow". Hier werden in einer öffentlichen Debatte Entscheidungsträger und Bürger an einem Ort zusammengebracht, um kontroverse politische und soziale Themen, wie etwa das neu verabschiedete Wahlgesetz, zu diskutieren.

Es fällt uns nicht leicht einander zu respektieren und andere nicht zu verurteilen

Ziel der Initiative sei es, Politiker zur Verantwortung zu ziehen, Meinungsfreiheit und ziviles Engagement zu fördern und eine Debattenkultur basierend auf fundierten Argumenten zu schaffen.

Eine solche Debattenkultur bestehe laut Hourani in Jordanien nur sehr eingeschränkt: „Es fällt uns nicht leicht einander zu respektieren, die Vielfältigkeit und die unterschiedlichen Meinungen eines jeden zu akzeptieren und andere nicht zu verurteilen".

Indirekte Demokratie ist der verkehrte Ansatz

Eine indirekte Demokratie in Form von Wahlen reiche in seinen Augen nicht aus, mit der „Diwanieh"-Initiative wolle er daher eine Plattform für den direkten Austausch schaffen. Die politischen Diskussionen sollten aus den elitären Kreisen der immer gleichen, privilegierten Leute befreit und auf die Straße und an öffentliche Plätze gebracht werden, auch um die Kluft zwischen Entscheidungsträgern und Bürgern in Jordanien zu überwinden.

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Hourani versteht „Diwanieh" als neutralen Raum, ein Medium, das beide Seiten zusammenbringt ohne Partei zu ergreifen. Er betont, dass „Diwanieh" keine Protestbewegung sei, sondern vielmehr zur Aufklärung der Menschen beitragen will, um ihnen so die Möglichkeit zu geben, sich selber eine fundierte Meinung zu bilden.

Junge Menschen wollen Arbeit um ihre Familien ernähren zu können!

Repräsentiert er mit seinem Engagement die jordanische Jugend? Möglicherweise ihre Hoffnungen und Bestrebungen, nicht aber ihre Realität, antwortet Hourani. Der größere Teil der jordanischen Jugend habe nicht das Privileg, sich kulturell und sozial zu engagieren. „Junge Menschen wollen vor allem eines, eine Arbeit, um ihre Familien zu ernähren zu können".

Vielen erlaube ihre wirtschaftliche Situation nicht sich politisch einzubringen und zu engagieren. Das führe zu einem Teufelskreis. „Ein Mangel an sozial-politischer Partizipation führt zu einer schlechten wirtschaftlichen Lage und das führt wiederum zu einem Mangel an sozial-politischer Partizipation".

Mit „Leaders of Tomorrow" versucht Hourani diesen Kreis zu durchbrechen. Er glaube an das Potenzial für einen Wandel in Jordanien und dass junge Menschen durchaus motiviert seien etwas zu verändern, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

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