BLOG

München: Wie man die sicherste Millionenstadt wird

15/01/2016 12:32 CET | Aktualisiert 15/01/2017 11:12 CET
Getty

Viele Polizistinnen und Polizisten setzen sich dafür ein, dass München die sicherste Millionenstadt in Deutschland ist. Ein Polizist beschwerte sich sogar bei Polizeipräsident Hubertus Andrä, weil er bei der Sperrung des Münchner Hauptbahnhofs in der Silvesternacht nicht alarmiert wurde. Eine Polizistin brachte ihren Hund mit zur Wache, weil sie in der Eile keine andere Versorgung für ihn fand, berichtete Hubertus Andrä mit Schmunzeln beim PresseClub München.

2016-01-15-1452853623-7924756-MnchenMetzger.JPG

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä: Ist stolz auf seine engagierte Mannschaft (Foto: Metzger).

Für den Polizeipräsidenten war die Einsatzbereitschaft beeindruckend, mit der seine Mannschaft nach den Terrorwarnungen in der Silvesternacht zur Stelle war. Eine professionelle Alarmierungskette ermöglichte es in kurzer Zeit, 550 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte zusammenzurufen. Dadurch wurde das Überstundenkonto beim Polizeipräsidium allerdings noch größer.

Personalaufbau in Bayern

Der Polizei ist es nach den Worten von Hubertus Andrä allerdings nicht möglich, wie ein Wirtschaftsunternehmen zusätzliche Personalkapazitäten einzukaufen. Sie muss ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vier Jahre lang ausbilden. Das macht sie derzeit bis zur Kapazitätsgrenze, die von Übernachtungsbetten und Vortragssälen in den Bildungseinrichtungen vorgegeben wird.

Die bayerische Polizei hat nach Aussage von Hubertus Andrä in der Vergangenheit nicht wie in anderen Bundesländern Personal abgebaut. Im Gegenteil habe die Stellenzahl sogar massiv zugenommen. Jetzt bekommt sie sogar noch 1.000 neue Polizistinnen und Polizisten dazu.

Dienstverlängerung statt Weltreise?

Um den akuten Personalmangel in den Griff zu bekommen, werden auch vor der Pensionierung stehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um eine Verlängerung ihrer Dienstzeit gebeten. Doch das ist nach Aussage von Hubertus Andrä gar nicht so einfach.

Denn viele haben schon eine andere Lebensplanung oder freuen sich bereits auf die lang ersehnte Weltreise. Deshalb will der Polizeipräsident jede Chance nutzen, um die Dienststellen zu entlasten.

An Verkehrsüberwachung sparen

Welche Konsequenzen hat diese Entlastung, wollte ich vom Polizeipräsidenten wissen. Wird an der Sicherheit gespart? Da beruhigt Hubertus Andrä.

Man versucht nach seinen Worten, beim Einsatz mit weniger Personal auszukommen. Oder bei der Verkehrsüberwachung zu sparen. Das wird manchen Autofahrer, der morgens verspätet aus dem Bett gekommen ist, bei der schnellen Fahrt zur Arbeitsstelle beruhigen.

Bürger fürchten Wohnungseinbrüche

Keinesfalls nachlassen will der Polizeipräsident bei der Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen. Denn hier sind die Bürger besonders empfindlich.

Sorgen machen ihm aber auch andere Delikte. Beispielsweise Trickbetrügereien bei alten Menschen, bekannt auch als Enkeltrick. Oder das Auftreten als falscher Polizist oder falscher Wasserwerker.

Ein fatales Signal

Von Bürgerwehren hält der Polizeipräsident gar nichts. Ihre Gründung wäre ein fatales Signal. Er sieht dafür aber in München auch keine Ansätze. Denn in der bayerischen Landeshauptstadt würden sich die Menschen sicher fühlen.

Zur Gründung von Bürgerwehren komme es nur dort, wo die Menschen verunsichert seien. Hubertus Andrä empfahl, in München Fasching zu feiern „wie in der Vergangenheit". Es gebe keinen Grund für Veränderungen.

In Bayern kein Maulkorberlass

Zu den Kölner Vorgängen wollte sich der Münchner Polizeipräsident nicht äußern. Der bayerische Innenminister habe sich aber beispielsweise am Silvesterabend sofort über die Lage unterrichten lassen. Eine Kritik des Innenministers an der Polizei wie in Köln würde in Bayern so nicht erfolgen.

In Bayern gebe es auch keinen Maulkorberlass. Heutzutage sei es zudem absurd, Informationen für die Öffentlichkeit unter der Decke zu halten. Denn durch das Internet und durch Videos werde alles sehr schnell bekannt.

Führungskräfte in Bereitschaft

Der Polizeipräsident setzt stark auf die ständige Einsatzbereitschaft seiner Führungskräfte. Zu jeder Stunde und an jedem Tag im Jahr stünden beim Münchner System erfahrene Berater und Einsatzeiter in den Dienststellen und im Polizeipräsidium zur Verfügung.

Außerdem sollte man die Polizistinnen und Polizisten rund um den Bahnhof nicht unterschätzen. Sie können in Minutenschnelle zu einem Einsatzzug mit etwa 25 Personen zusammengezogen werden und haben die entsprechende Ausrüstung bereits in ihren Fahrzeugen.

Schutzhelm nicht für Modeschau

Der Polizeipräsident freut sich über die verbesserte Ausrüstung für seine Mannschaft. Beispielsweise über die neuen Sicherheitswesten, die samt Umhang sogar Kalaschnikow-sicher sind. Gleichzeitig verteidigt er den bespöttelten Schutzhelm. Der sei, wie Hubertus Andrä den Journalisten ins Stammbuch schrieb, nicht für die Modeschau, sondern für den größtmöglichen Schutz der Polizistinnen und Polizisten gestaltet worden.

Zuerst erschienen in www.finanz-blog-online.de

Auch auf HuffPost:

Polizeibericht: Diese Flüchtlingsgruppe begeht die wenigsten Straftaten

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Knappschaft