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Hundeinvasion: Neue Perspektiven für Büromenschen

30/06/2014 11:09 CEST | Aktualisiert 30/08/2014 11:12 CEST
Thinkstock

Hilfe. Die Hundebesitzer stürmen das Büro. Bringt künftig die Kollegin ihren Chihuahua mit? Verträgt er sich mit dem Labrador des Abteilungsleiters? Wie entwickelt sich das Betriebsklima angesichts von Chappi und Pipi? Was passiert mit den Allergikern? Manche Büromenschen sind angesichts einer drohenden Hundeinvasion alarmiert.

Bestattung neben dem Hund

Eine Menscheninvasion droht dagegen New Yorker Tierfriedhöfen. Dort dürfen sich amerikanische Tierliebhaber künftig auch offiziell neben ihren Hunden und Katzen bestatten lassen. Nach einem drei Jahre langen Streit mit den Angehörigen eines Polizeibeamten, der neben seinen Maltesern die letzte Ruhe finden wollte, verabschiedete der Bundesstaat jetzt ein Gesetz, das Bestattungen von Menschen auf Tierfriedhöfen erlaubt.

In Deutschland wurde dagegen der Bundesverband Bürohund e.V. - kurz BVBH - gegründet. Er soll dem Nutzen von Hunden am Arbeitsplatz für Unternehmen und Mitarbeiter, wie es heißt, „mehr öffentliche Aufmerksamkeit geben". Denn nachweislich würden Hunde im Büro den Stress der Mitarbeiter senken und die Produktivität von Unternehmen durch gesünderes und motivierteres Personal steigern.

Auch hundelose Kollegen profitieren

Der BVBH ermutigt Unternehmen, Mitarbeiter mit Hunden deutlicher als bisher in den Büroalltag zu integrieren. Davon würden die Hundehalter profitieren. Und auch die hundelosen Kollegen würden durch die Anwesenheit des „neuen Mitarbeiters" ihre psychische und körperliche Gesundheit steigern.

Nach den Worten von Initiator Markus Beyer, Hundetrainer in Berlin, können die Vierbeiner den Menschen bei den Herausforderungen der modernen Informationsgesellschaft unterstützen: „Die psychischen Belastungen im Arbeitsleben sind in den letzten Jahrzehnten immens gestiegen. Chronischer Stress und Burnout führen bei den Betroffenen oft zu einschneidenden Lebensveränderungen und kosten die Gesellschaft jährlich viele Milliarden Euro. Hunde im Büro bieten dazu eine echte Alternative."

Vorgesetzte vorher fragen

Die rechtliche Situation zum Mitbringen eines Hundes ist eindeutig. Denn es besteht kein Rechtsanspruch zur Mitnahme eines Hundes an den Büroarbeitsplatz. Der Arbeitgeber hat jedoch eine Fürsorgepflicht nach Paragraf 241 Abs. 2 BGB für alle Mitarbeiter im Unternehmen. Deshalb sollte man vorher mit den Kollegen und Vorgesetzten sprechen und sie um ein schriftliches Einverständnis bitten.

Der geeignete Bürohund sollte laut Markus Beyer folgende Eigenschaften haben: Nicht zu klein sein, denn sonst besteht die Gefahr, übersehen zu werden. Sehr große Hunde können gegebenenfalls Ängste bei anderen Mitarbeitern zur Folge haben. Deshalb wird eine mittelgroße Hunderasse empfohlen.

Ruhig und freundlich

Der Bürohund sollte in seinem Verhalten grundsätzlich eher ruhig und freundlich sein, rät Markus Beyer. Eine Berührung durch andere Menschen sollte grundsätzlich möglich sein. Dagegen sollten, wie der Hundetrainer warnt, hervorstechende Hüte- und Schutzinstinkte oder territoriales Verhalten nicht erkennbar sein.

Der Hund sollte unter keinen Umständen Aggressionsverhalten aufweisen, auf Menschen und Artgenossen sozialisiert sein und eher „ein sicheres, defensives Verhalten zeigen". Auch sollte er den Unterschied zwischen den Dingen der Menschen und seinen eigenen Sachen kennen.

Kommunikation soll besser werden

Ein Bürohund führe für die anwesenden Menschen zu einem besseren Betriebsklima, höherer Zufriedenheit und mehr Kommunikation. Randolph Barker, Professor of Management bei der Virginia Commonwealth University, konnte beispielsweise nachweisen, dass Menschen mit Hund am Arbeitsplatz ein deutlich geringeres Stressempfinden haben.

Der Bürohund hat aber nach den Worten von Markus Beyer weitere Vorteile für Menschen, die ihn mit ins Büro nehmen. Der Weg dorthin verbessert bei Wind und Wetter die allgemeine Fitness. Die durch das „Liebeshormon" Oxytocin erzeugte höhere Zufriedenheit des Menschen führe gleichzeitig zu einem Rückgang psychosomatischer Krankheitsbilder wie Rücken- oder Kopfschmerzen.

Immer weniger Freunde

Unsere Arbeitswelt wird immer anonymer. Oft besteht der Tagesablauf vor Allem aus der Erledigung beruflicher Aufgaben. Sukzessive reduzieren sich dabei die sozialen Lebenskomponenten. Man trifft immer weniger Freunde und Bekannte.

Manchmal ist man sogar verpflichtet, an einen anderen Wohnort zu ziehen. Dort wird man, ohne es gleich zu bemerken, immer tiefer in die soziale Vereinsamung gedrängt. Nach der Arbeit gibt es schnell noch etwas zum Essen und Aufräumen. Dann gibt's Fernsehen oder es geht gleich ins Bett. An Kontakt zur Außenwelt ist nicht zu denken.

Neue Bekanntschaften werden geschlossen

Ein Hund verändert diese Situation nachhaltig. Der Hundehalter ist „gezwungen", mit dem Hund nach draußen zu gehen. Durch seinen Hund wird er Menschen treffen, die er in der Regel noch nie vorher bemerkt hat.

Aus diesen Begegnungen werden Bekanntschaften und manchmal sogar Freundschaften. Der Hund hat damit die soziale Isolation aufgehoben und „seinen Menschen" erneut am Leben teilhaben lassen.

Das Vorhandensein eines Bürohundes führe bei den Mitarbeitern zu weniger Dauerstress, erhöhe die Zufriedenheit und verbessere das Betriebsklima. Dadurch reduziert sich, wie der Hundetrainer meint, sogar die Burnout-Gefahr.

Geringere Krankheitsquote

Das führe für Unternehmen zu einer deutlichen Senkung der Krankheitsquote. Bürohunde würden ein Unternehmen also auch zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen.

Ein Bürohund führt laut Markus Beyer auch zu einer Imageverbesserung für das Unternehmen. Denn der Kampf um passende Mitarbeiter werde von Tag zu Tag schwerer. Man spreche bereits vom „War for Talents". Ein Unternehmer müsse deshalb das „Besondere" kommunizieren, um sich von Wettbewerbern abzuheben.

Was ist mit Katzen und Pferden?

Hundefreundliche Unternehmen seien „in" und würden bereits von außen eine positive Geisteshaltung erkennen lassen. Rat von Markus Beyer: Schlagen Sie Ihre Wettbewerber und holen Sie sich die besten Köpfe mit dem Siegel „Hundefreundlich" in Ihr Unternehmen.

Ist das Ziel erreicht, wenn das Büro auf den Hund gekommen ist? Oder geht dann der Ärger erst richtig los? Was ist mit Katzen und Pferden? Klagen ihre Besitzer auch Bürorechte ein? Notfalls vor dem Europäischen Gerichtshof? Denn der Gleichheitsgrundsatz gilt doch für alle. Nicht nur für Hunde. Wau, wau!

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Arbeitnehmer in Berlin: Auf der Suche nach dem hundefreundlichen Büro (Bild: BVBH).

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