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Die Mutmacherin - Jacqueline Bakir Brader - oder wie eine türkische Migrantin mit deutschen Tugenden die Tücken des Schicksals überflügelt

20/02/2015 17:14 CET | Aktualisiert 22/04/2015 11:12 CEST

Deutschland - weltweit beliebtes Einwandererland - öffnete gerade in den 60/70er Jahren zur Anwerbung benötigter Arbeitskräfte großzügig seine Tore. Trotz Widerwillen schnürten viele Migranten ihr Bündel, verliessen ihr Heimatland und versuchten ihr Glück, um gerade in diesem neuen Land, das sie eingangs als Arbeitskraft hofierte, ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen. Die Willkommenskultur verblasste zügig, auch und gerade Einwandererkinder blieben sich selbst überlassen - allein zwischen den Mühlsteinen der Kulturen.

Menschen mit ausländischen Wurzeln oder gar ausländisch anmutenden Namen hatten und haben mit Vorurteilen zu tun. Trotz höherer Qualifikation und besserer Schulabschlüsse blieb ihnen der Eintritt in das Arbeitsleben oft verwehrt, wurde ihnen zumindest erschwert.

Während ein Großteil der ausländischen Bürger mit dem Ziel nach Deutschland kam, hier zu arbeiten, um dann wieder in ihre Heimat zurückzukehren, blieben ihre hier aufgewachsenen Kinder zwischen den Kulturen mit sich allein. Dem Spagat der Fremdenfeindlichkeit - auch und gerade besonders gegen Muslime - und den familiären Strukturen ausgesetzt, entstand hier eine Generation mit neuer Identität. Die Versäumnisse der Integrations- und Zuwandererpolitik, die mangelnden Möglichkeiten der Migranten, Wurzeln zu setzen, sich zu integrieren, nähren die zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die in Pegida z.B. ihre Zuspitzung findet.

"Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen" - Max Frisch. Während offensichtlich die Fremdenfeindlichkeit und ihre Diskussion darüber dominiert, hat sich längst ein Großteil der Migranten etabliert. Gerade in der Unternehmerschaft sind viele Migranten angesiedelt, bilden echte Leuchttürme - still - leise - bescheiden. Alte, deutsche Tugenden eben. Einer dieser Leuchttürme ist Jacqueline Bakir Brader, die sich allen Schwierigkeiten zum Trotz nach oben gekämpft hat. Als gebürtige Türkin war ihr Vater 1969 als Gastarbeiter der ersten Stunde nach Deutschland gekommen.

Über alle Widerstände hinweg nimmt sie sich das Recht auf ihre persönliche Entfaltung heraus. Sie begehrt gegen die traditionelle Erziehung und das Gebot ihres Vaters auf, im Elternhaus nur türkisch zu sprechen. Ohne familiären Rückhalt eignet sie sich insgeheim selbständig die deutsche Sprache an und boxt sich in der Schule durch. Ihr eigener Weg und Aufbegehren mündete im Frauenhaus, in das sie vor ihrem gewaltätigen Vater flüchtete. Trotz vieler Ressentiments und Vorurteile startete sie mit 19 Jahren als junge Türkin in der Männerdomäne der Immobilienbranche und fasste erfolgreich Fuß. Sie heiratet, bekommt 3 Töchter, ihre Firmen expandieren.

Doch das Leben auf der Überholspur hat seinen Preis - 2011 wird ihr Brustkrebs diagnostiziert, den sie mit großen Kraftanstrengungen besiegt. Kämpfen - niemals aufgeben - Fleiß und der unerschütterliche Glaube, sein Leben selbst zu meistern, zeigt in ihrem Lebensbericht - ihrem Buch -, dass das Leben schön ist. Selbst, wenn das Buch auch klar politische Versäumnisse benennt, doch niemals mit dem Ziel, zu belehren gar anzuklagen, sondern allein mit dem Charme der Wesenszüge der Jacqueline Bakir Bader, Mut zu machen und niemals aufzugeben. Als Mensch und eben auch als MigrantIn in diesem und in jedem fremden Land.

Dieses Buch macht Mut - In dieser Hinsicht ist Jacqueline Bakir Bader Vorbild und Sinnbild für alle MigrantInnen, die nach wie vor im Spannungsfeld von Autonomie und Tradition stehen - und eben auch für jeden Menschen an sich, jede noch so schwierige Situation zu meistern.

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Buchdaten:

Jacqueline Bakir Brader

Die Mutmacherin: Das Leben ist schön

Mit einem Vorwort von Kemal Şahin

Koros Nord 2015

Broschur, 150 Seiten mit 18 Farbfotografien

€ 9,95 (D)

ISBN 978-3-9814863-9-1

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