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"Ziemlich idiotisch" - Das sagen die Medien zu Gaulands Äußerungen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALEXANDER GAULAND
Wolfgang Rattay / Reuters
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  • AfD-Vize Alexander Gauland hat sich in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" über den Nationalspieler Jérôme Boateng geäußert. Wörtlich habe er laut der Zeitung gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."
  • Der AfD-Vorstand plant nun offenbar, mit einer Unterlassung gegen den umstrittenen "FAS"-Bericht vorzugehen.

"Ein bösartiger Satz"

"Spiegel Online"-Redakteur Sebastian Fischer bezeichnet Gaulands Äußerung als "bösartigen Satz" und sieht dahinter eine Strategie: "Gaulands Kommunikationsstrategie ist alte Populisten-Schule: Man stellt etwas in den Raum, auf das man im Zweifel nicht festgelegt werden kann; die Anhänger aber verstehen die Botschaft ganz ohne Zweifel. Zugleich kann sich der Rechtspopulist als Opfer angeblicher medialer Kampagnen inszenieren."

Ähnlich sieht es Christoph Ziedler von der "Stuttgarter Zeitung": "Stets wird ach so mutig etwas gesagt, das in diesem Land angeblich nicht mehr gesagt werden darf. Wenn der Protest laut ausfällt, will es die AfD dann entweder so nicht gemeint haben, oder sie kann sich - wie jetzt im Fall Gauland - nicht an die Aussage erinnern."

"Unbedacht und gedankenlos? Nein."

Für Wolfgang Kleideiter von den "Westfälischen Nachrichten" ist Alexander Gauland ein gewiefter Taktierer: "Unbedacht und gedankenlos? Nein, AfD-Vize Alexander Gauland, schon in seiner CDU-Zeit ein konservativer Kopf, ist seit Jahrzehnten politisch aktiv und kann genau abschätzen, welche Wirkung Worte haben. (...) Es fragt sich, wann die AfD für diese und ähnliche Gedanken vom Wähler die im Fußball gebräuchliche Rote Karte erhalten wird."

Auch Hubertus Volmer von "n-tv" geht auf Gaulands Strategie ein und sieht Parallelen zu Donald Trump: "Wie Trump hat Gauland so viele Ressentiments verbreitet und seinem Publikum so ausführlich nach dem Mund geredet, dass niemand mehr sagen kann, was er wirklich denkt. Ist er ein Rassist, ein Opportunist, oder beides? Man weiß es nicht. Was man ebenfalls nicht weiß: Nutzen Gaulands Sprüche der AfD oder werden sie ihr schaden?"

"Fußball gucken, aber bitte ohne Gauland!"

"MAZ"-Chefredakteur Thoralf Cleven möchte durchaus Jerome Boateng, aber auf keinen Fall Alexander Gauland zum Nachbarn haben: "Wie man es auch dreht und wendet: Gaulands Einlassung zu Boateng war ziemlich idiotisch. Sie zeugt von einer Abgehobenheit, die AfDler sonst nur Politikern der sogenannten etablierten Parteien zuweisen. (...) Nein, einen Gauland möchte man nicht zum Nachbarn haben."

Auch "Welt Online"-Redakteur Sven Flohr hält nichts von Gaulands Aussagen und rät ihm dazu, konsequenterweise dann auch auf eine Gratulation zu verzichten: "Gaulands Aussagen belegen, wie verlogen die AfD agiert. Und sie zeigen, was einer ihrer Hauptakteure wirklich denkt. (...) Sollte die deutsche Nationalmannschaft Europameister werden, sollte sich Alexander Gauland eine Gratulation verkneifen."

"Welterklärer à la Gauland braucht Deutschland bestimmt nicht."

Für Petra Wettlaufer-Pohl von der "HNA" hat sich Gauland mit seiner Äußerung nun endgültig disqualifiziert: "Wie Alexander Gauland so zu tun, als gebe er nur Volkes Meinung wieder, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Welterklärer à la Gauland braucht Deutschland bestimmt nicht."