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So beurteilen die Medien den kippelnden Flüchtlingsdeal

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN
Vincent Kessler / Reuters
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  • Die Türkei droht den Flüchtlingsdeal platzen zu lassen. Die Spekulationen, ob das Abkommen wirklich scheitern könnte, gehen auseinander. Sind es leere Drohungen oder war der Pakt von Anfang an ein Fehler?
  • Das politische Verhältnis zwischen Europa und der Türkei ist gespannt wie.

In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hebt Omar Brok hervor, dass es sich bei Europa und der Türkei um eine beidseitige Abhängigkeit handele und ein Bruch somit abwägig sei:

"Der Westen braucht die Türkei. Und die Türkei den Westen."

"Einen Bruch mit Europa wird Erdogan (...) nicht riskieren."

Dorothea Sims macht in der "Welt" klar, dass die Türkei viel zu sehr auf Europa angewiesen sei, als dass sie den Deal platzen lassen würde:
"Die EU zahlt wie vereinbart eine Menge Geld, um die Türkei bei der Versorgung von Flüchtlingen zu unterstützen. Ankara hat somit viel zu verlieren. Einen Bruch mit Europa wird Erdogan allen Drohgebärden zum Trotz nicht riskieren - auch wenn die Visumfreiheit nie kommt."

In der "Süddeutschen Zeitung" glaubt Thomas Kirchner aus beidseitigem Interesse nicht an ein Scheitern des Deals:

"Dass dies geschieht, ist wenig wahrscheinlich. Das mag seltsam klingen nach all den Drohungen aus Ankara, aber im Grunde hat sich durch die Ereignisse der vergangenen Wochen, was das Flüchtlingsabkommen betrifft, nichts Wesentliches geändert. Der Deal bleibt im Interesse der EU wie der Türkei, auch wenn die Regierung in Ankara, als würde sie Europa nur einen Gefallen erweisen."

"Würde Präsident Edogan seine Drohungen wahr machen (...) so wäre es nicht schade drum"

Ralph Sina schließt beim "NDR" einem Dealbruch nicht aus und meint, dass der Flüchtlingsdeal mit Erdogan ein Fehler war:

"Dass die EU sich diesem Erpressungsversuch Erdogans nicht beugt, muss selbstverständlich sein. Nicht selbstverständlich ist, dass Merkel und die 27 anderen Staats- und Regierungschefs der Union den Erpressungsversuch Ankaras überhaupt erst möglich gemacht haben - durch den Flüchtlingsdeal mit Erdogan. Solange dieser Deal eine EU-Flüchtlingspolitik ersetzt, kann der türkische Autokrat seine Erpressungsversuche fortsetzen."

Christian Jakob hält in der "taz" ein Scheitern des Flüchtlingsabkommens für durchaus möglich, aber für keinen Verlust:

"Würde Präsident Erdoğan jetzt seine Drohung wahr machen und das Abkommen mit der EU kündigen, so wäre es nicht schade darum. Das böte die Möglichkeit, einen neuen Vertrag zu schließen. Und der müsste vorsehen, dass die Türkei nicht dafür bezahlt wird, die Grenze zur EU geschlossen zu halten. Sondern dafür, die mit Syrien wieder zu öffnen."

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