BLOG

Eine offene Plattform fĂĽr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Opinary Headshot

"Dann geht doch!" - So kommentieren die Medien den drohenden Brexit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BREXIT PRESSESCHAU
dpa
Drucken
  • Heute stimmen die Briten darĂĽber ab, ob GroĂźbritannien aus der EU austreten soll oder nicht
  • Die Wahllokale schlieĂźen um 23 Uhr - erst in den frĂĽhen Morgenstunden wird sich entscheiden, ob es tatsächlich zu einen "Brexit" kommen wird

"Mehr Träumerei als reale Perspektive"

FĂĽr "Zeit Online"-Autor John F. Jungclaussen sprechen die Fakten gegen einen Brexit:
"Die Austritts-Befürworter müssen das Bild von einer Zukunft entwerfen, von deren Gestalt sie nicht die geringste Ahnung haben können. Dagegen haben es die Befürworter einer EU mit Großbritannien viel einfacher. Sie können mit Fakten hantieren. Der Binnenmarkt garantiert europäischen Unternehmen erhebliche Wettbewerbsvorteile."

"TAZ"-Redakteur Dominic Johnson hält die Versprechungen der Brexit-Befürworter für illusorisch:
"Den Austritt aus der EU als Schritt zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung darzustellen, wie es Camerons Hauptwidersacher Boris Johnson in seiner Gegenrede getan hat, ist oberflächlich attraktiv, aber mehr Träumerei als reale Perspektive."

"Keine Katastrophe für Europa, sondern eine Erlösung"

"RP Online"-Autor Michael Bröcker vermutet ein Votum gegen den Brexit. Dennoch wäre ein Austritt eine begrüßenswerte Zäsur:
"Das Brexit-Szenario könnte am Ende sogar heilsam gewesen sein. Die überfällige Fitnesskur für die EU, die Fokussierung auf das Wesentliche und das Zurückschneiden der Regulierungswut, dürfte endlich umgesetzt werden. Der drohende Brexit als Schuss vor dem Bug. Aber das europäische Schiff würde nicht sinken, sondern flott gemacht."

Auch für "WirtschaftsWoche"-Chefredakteurin Miriam Meckel könnte der Brexit ein Auslöser für dringende Reformen sein:
"Die Briten sollen also entscheiden. Und es ist Zeit, ihnen zuzurufen: Dann geht doch! Erst der Entzug macht das spürbar, was schon jetzt nicht mehr ist. Für Europa ist das dann vielleicht endlich der heilsame Schock, den diese verbürokratisierte Lähmung der einzigen Europaidee braucht, um wieder in Schwung zu kommen. Ein Weiter-so ist inzwischen die quälendste Vorstellung. Quälender, als jede Trennung sein kann."

"Die Welt"-Redakteur Nikolaus Doll sieht einem Brexit gelassen entgegen:
"Die beschworenen Horrorszenarien sind Unfug. Wenn die Briten die EU verlassen wollen, sollen sie gehen. Ein Austritt Großbritanniens ist keine Katastrophe für Europa, sondern eine Erlösung. Ein Brexit könnte die Union sogar stärken."

"Wenn ihr fĂĽr den Austritt stimmt, verlieren alle"

Stefan Stark von der "Mittelbayerischen Zeitung" wägt beide möglichen Szenarien ab und fände einen Brexit verheerend:
"Das erste Szenario - ein Austritt der Briten aus der EU - wäre verheerend. Ein Brexit brächte nur Verlierer hervor. Er würde die Union in ihrem Innersten erschüttern und sie in die schlimmste Krise ihrer Geschichte stürzen. Vor allem die Briten selbst bekämen die Folgen zu spüren."

Die "Spiegel Online"-Autoren Peter MĂĽller, Christoph Scheuermann und Christoph Pauly hoffen, dass die Briten sich gegen den Brexit entscheiden:
"Ein Brexit wäre der Triumph der Zyniker über die Vernunft. Das 20. Jahrhundert hat gezeigt, dass alle profitieren, wenn sich Großbritannien den Problemen stellt, anstatt fortzulaufen. Man möchte mit einem Lautsprecher über die Insel fahren und rufen: Wenn ihr für den Austritt stimmt, verlieren alle. Wenn ihr bleibt, werdet ihr gewinnen."

2016-06-22-1466588952-5629450-HUFFPOST1.jpg
Mehr zum Thema Brexit findet ihr hier.