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Warum es Männer manchmal richtig schwer haben

03/11/2014 11:55 CET | Aktualisiert 03/01/2015 11:12 CET
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Wir Großväter haben es gut. Als mehr oder weniger asexuelle Wesen sind wir bei der geschlechterspezifischen Rollendiskussion außen vor und haben das Vergnügen, das ganze Dilemma als unbeteiligte Zuschauer gelassen zu betrachten.

Und was sehen wir: Man(n) hat's schwer, und Männer erst recht. Jedenfalls haben die Frauen die Männer mit ihrer Emanzipation ganz schön in die Defensive gedrängt. Ein Großvater-Kollege hat das einmal so beschrieben: „Früher hat man Frauen kennengelernt, die konnten kochen wie ihre Mütter, heute hingegen trifft man Frauen, die saufen wie ihre Väter."

Und in der Tat: Nichts ist den Frauen mehr heilig, keine Männerdomäne bleibt unangetastet, selbst die Mannschaftssportart Nummer eins, König Fußball, wird von den Frauen erobert. Nicht mehr Spielerfrau ist das erklärte Ziel junger Mädchen, sondern Spielerin.

Die Zeiten scheinen endgültig vorbei, in denen Margot Werner mit dahinschmelzender Stimme sang: „So ein Mann, so ein Mann | Zieht mich unwahrscheinlich an | Dieser Wuchs, diese Kraft | Weckt in mir die Leidenschaft ..."

Das gewandelte Männlichkeitsbild verlangt vielmehr nach einem Partner auf Augenhöhe, der Geduld hat, einfühlsam ist, den Abwasch macht, den Müll rausbringt, die Kinder wickelt, den Kinderwagen schiebt, und sich am Ende des Tages im Bett auch noch als gefühl- und verständnisvoller Meisterschüler des Kamasutra erweist.

Gefragt ist offenbar der Bauknecht der 50er und 60er Jahre, als die Botschaft damals lautete: Bauknecht weiß, was Frauen wünschen. Doch schon Mel Gibson alias Nick Marshall musste erfahren, was es wirklich bedeutet, wenn Mann weiß, was Frauen wollen.

Der Macho ist definitiv out und der Frauenversteher in. Umso erstaunlicher ist es, dass der Suche von Frauen nach einem männlichen Begleiter ein ziemlich archaisches Beuteschema zu Grunde liegt.

Geht man die Kontaktanzeigen in den einschlägigen Rubriken durch, hat der ideale Mann Geld, Macht und Einfluss, ist stark, leistungsfähig, zielstrebig, erfolgreich, flexibel, gebildet, körperlich fit, sexuell aktiv und mental stabil - ein Elitepartner eben, vorzugsweise Akademiker und Single mit Niveau.

Kurzum: Frau sucht die eierlegende Wollmilchsau für den gemeinsamen Lebensabend.

Dass sich da bei vielen Männern eine Identitätskrise eingestellt hat, kann nicht sonderlich verwundern. "Der Mann ist bedroht, weil er ständig in Frage gestellt wird. Ich sehe das in meiner Praxis, das Elend ist enorm. Der Mann ist als Täter akzeptiert, aber nicht als Opfer. Psychologisch gesehen ist der Mann das schwache Geschlecht," sagt der Schweizer Psychoanalytiker Markus Fäh und wird durch die Statistik bestätigt: Männer begehen dreimal häufiger Selbstmord als Frauen.

Bleibt also die Mutter aller Fragen, die schon Herbert Grönemeyer gestellt hat: Wann ist ein Mann ein Mann?

„Der ‚typische Mann' existiert nur statistisch gesehen, aber nicht im Einzelfall. So sind Männer der Primatenspezies Mensch größer als Weibchen, glotzen mehr Fußball, vertilgen mehr Pizza und begehen mehr Gewaltverbrechen - aber eben nur im Durchschnitt. Es existiert auch der kleinwüchsige Mann, jener, der Seifenopern liebt, am Essen mäkelt und von einer Frau umgebracht wird", erklärt der Evolutionsbiologe Volker Sommer und liefert damit auch keine (Männer)befriedigende Antwort.

Maskuline Hoffnung könnte da schon eher machen, was Detlef Pech, Erziehungswissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität, beobachtet haben will. In der öffentlichen Männerinszenierung ist der weiche Typ nach seiner Analyse heute nicht mehr gefragt.

„Vor zehn Jahren hat sich Tony Blair noch mit seinem Baby auf Plakaten abbilden lassen. Das würde heute kein Politiker mehr machen", glaubt er. Denn in Zeiten von Terror und Wirtschaftskrise habe der starke Mann wieder Konjunktur. "Das klassische, patriarchale Männerbild war in der Krise. Nun gibt es eine Art Rückschlag."

Wie dem auch sei. Recht hat Pech sicherlich mit der Feststellung, dass Männer heute mehr Freiräume haben als noch in den 50er Jahren. Jedenfalls können sie in vierter Ehe Kanzler werden oder als bekennende Homosexuelle Regierender Bürgermeister von Berlin.

Was soll ich sagen? Ich für meinen Teil hoffe nur, dass meine beiden Enkel in ihrem Leben ihren Mann stehen werden.


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