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Wie Internet-Armut aussieht? Netflix nutzt an einem Tag so viel Datenvolumen wie ganz Afrika in einer Woche!

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INTERNET AFRIKA
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Das Internet hat Millionen Menschenleben in kürzester Zeit revolutioniert. Aber immer noch hat mehr als die Hälfte aller Menschen, 53% oder 3,5 Milliarden Menschen, keinen Zugang zum Internet. Fast 75 Prozent von Afrikas Bevölkerung sind offline. Für Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, Zugang zum Internet zu bekommen, ein Drittel geringer als für Männer. Eine neue Studie von ONE zeigt, dass im Jahr 2020 in den ärmsten Ländern der Welt 350 Millionen Mädchen und Frauen noch immer keinen Internetanschluss haben werden - wenn sich nicht schnell etwas ändert.

Dank einer guten digitalen Infrastruktur spielt das Internet bei uns eine große Rolle. Wenn wir mal keinen oder schlechten Internetzugang haben, ist das nervig und ärgerlich. Nachrichten werden nicht mehr durchgestellt, Videos spielen nicht mehr richtig und Seiten laden nicht.

Für Menschen, die in den ärmsten Ländern der Welt leben, ist mangelnder Internetzugang mehr als ärgerlich. Internet ist kein Luxusgut, es verändert Leben! Gerade für die ärmsten Menschen auf der Welt, vor allem für Mädchen und Frauen, hat es viele Vorteile gebracht. Mithilfe von Apps können zum Beispiel werdende Mütter hilfreiche Gesundheitstipps während der Schwangerschaft erhalten, Krankenschwestern können mit wesentlich geringerem Geld- und Zeitaufwand durch Onlinekurse weitergebildet werden, Kinder können außerhalb der Schule lernen und Menschen erhalten durch E-Books Zugang zu Wissen, das sie sonst nie erhalten hätten.

In vielen der ärmsten Länder der Welt ist aber nur ein Bruchteil der Menschen an das Internet angeschlossen, mit einem massiven Geschlechtergefälle. Das heißt, die Mehrheit der Menschen bleibt ausgeschlossen von der digitalen Revolution und den Möglichkeiten, die diese mit sich bringt. Online-Bildungsangebote und Jobchancen bleiben ihnen verwehrt. Dieses Problem ist durch kulturelle, soziale und wirtschaftliche Hürden für Mädchen und Frauen bedeutend größer.

Das Globale Ziel Nummer 9 der Vereinten Nationen sieht vor, bis zum Jahr 2020 allen Menschen in den ärmsten Ländern erschwinglichen Internetzugang bereitzustellen. Davon sind wir weit entfernt, und vor allem für Mädchen und Frauen sind die Aussichten düster. Allein in Afrika müssten zusätzlich 725 Mio. Menschen Zugang zum Internet bekommen, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn sich nichts ändert, bleiben in den am wenigsten entwickelten Ländern 350 Mio. Mädchen und Frauen weiterhin offline.

Was ist also zu tun?

Wir brauchen eine regelrechte „Digital Skills Revolution"! Dazu sind vier Schritte nötig:

Zunächst muss dafür gesorgt werden, dass wirklich jeder Klassenraum Zugang zum Internet hat, nicht nur jede Schule. Nur so ist gesichert, dass auch die Schüler online sind - nicht nur das Direktorium. Außerdem müssen Lehrerinnen und Lehrer zu Internetprofis fortgebildet werden. Denn viele Menschen, die nicht täglich mit dem Internet zu tun haben, wissen nicht immer, welche Vorteile das Netz bietet, wie man an Informationen kommt und aus diesen dann Wissen generiert.

Zweitens müssen Barrieren abgebaut werden, die Mädchen und Frauen von der Internetnutzung abhalten! Dazu ist es nötig, relevante regionale Inhalte in den Sprachen anzubieten, die tatsächlich gesprochen werden. In Senegal beispielsweise sprechen nur 10 Prozent der Bevölkerung die offizielle Sprache Französisch. Darüber hinaus müssen lokale und nationale Regierungen „sichere Orte" für Mädchen und Frauen schaffen, an denen sie ungefährdet ins Internet gehen können.

Um feststellen zu können, wer Internetzugang hat und wer nicht, sind Investitionen nötig, um offene Daten zu erheben. Das stärkt außerdem die Rechenschaftspflicht von Regierungen. Bisher berichten nur 2 von den 48 am wenigsten entwickelten Ländern nicht-aggregierte Daten an das ITU, die UN-Behörde für Informationstechnologie.

Und last but not least sind - trotz des Anstiegs der Mobilfunktechnologie - massive Investitionen in eine feste Breitbandabdeckung nötig. Das Ziel, universellen Internetzugang zu schaffen, bezieht sich insbesondere auf die am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Dort können sich 70 Prozent der Menschen keinen regulären Breitbandplan von 500MB/Monat leisten. Investitionen in die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur sind grundlegend, um günstiges Internet anbieten zu können.

Ziehen Regierungen, Banken, Telekommunikationsanbieter und Zivilgesellschaft jetzt an einem Strang, kommen wir dem Ziel vielleicht ein Stück näher, 2020 allen Menschen erschwinglichen Internetzugang bieten zu können.

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