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Vorteile von Human-Technology-Interface - die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik

24/06/2017 11:26 CEST | Aktualisiert 24/06/2017 11:26 CEST
Cecilie_Arcurs via Getty Images

Spätestens seit seinem 75. Geburtstag Anfang des Jahres wird Stephen Hawking selbst als Meilenstein wahrgenommen. Ein Mann, der seit Beginn seiner Karriere bemerkenswerte Dinge erreicht und dabei noch stets einen bemerkenswerten Charakter gezeigt hat. Seine Entwicklungen verbinden die Forschungsbereiche Gravitation, Kosmologie, Quantentheorie, Thermodynamik und Informationstheorie. Das Zusammenführen dieser Disziplinen auf der Suche nach Antworten sichert seinen Platz als führendes Genie der modernen Physik.

Ein Teil von Hawkings legendärem Ruf basiert nicht nur auf seinem Einfluss, sondern auch auf seinem Willen, diejenige Technologie zu nutzen und voranzutreiben, die diesen Einfluss ermöglicht hat. Dr. Hawkings Errungenschaften sind so bemerkenswert und seine Verbindung zu Technologie scheinbar so natürlich, dass die Frage aufkommt, welche Vorteile bringt diese Verbindung dem Rest von uns?

Durch die Einführung kognitiver Technologien sehen wir eine regelrechte Blüte neuer Technologien die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren: Selbstlernende Computer, Sprachassistenten (wie Siri) und selbstfahrende Autos sind Technologien, die die Menschheit unterstützen. Wir gestalten Technologie nach unserem eigenen Abbild, so dass sie sich immer mehr wie ein Mensch „benimmt". Je mehr Raum Technologie in unserem Leben einnimmt, um so referentieller agieren wir ihr gegenüber und manche betrachten uns dann als Technologie geformte Opfer. Um diesen technologischen Determinismus wirksam zu nutzen, gibt es sogar Unternehmen, die „digitale Entgiftungen" als temporäre Atempause anbieten, um sprichwörtlich Platz auf unseren „Festplatten" zu schaffen.

Aber das akademische Interesse an KI wächst rapide. Unsere Analyse zeigt, dass sich die weltweite Forschung zu Machine Learning verdoppelt hat: Wurden 2011 noch 6.766 Arbeiten veröffentlicht, so waren es 2016 bereits 13.405. Innerhalb des Themenbereichs KI haben sich Effective Computing, Wissensdarstellung und Deep-Learning als die populärsten Felder abgezeichnet. Im Fall der Forschung zu Deep-Learning zeigen Daten eine fünfstellige Zunahme des weltweiten Forschungsoutputs innerhalb von fünf Jahren.

Forschung in solcher Fülle deutet auf eine zunehmende Bereitschaft hin, eine Vielzahl von Verbindungen mit KI zu erkunden. Dies revolutioniert positiv wie wir Entscheidungen treffen und unser Leben leben. Gleichzeitig macht es KI zu einem ausgesprochen mächtigen Instrument, um Verbindungen untereinander auf eine Art und Weise zu verbessern, die vor ein paar Jahren noch unvorstellbar war.

Stellen Sie sich den Einfluss auf die Medizin vor. Wie Satava und Ellis bereits 1994 schrieben, „wird der vermehrte Gebrauch von Robotik, Computern und Virtual Reality... einfacher werden und Chirurgen die Arbeit erleichtern - Technologie muss sich an den Chirurgen anpassen und nicht umgekehrt." Seitdem gab es ein regelrechtes Aufblühen von medizinischer Technologie, die zuallererst den Bedürfnissen der Menschen - oder vielmehr denen von Patienten - entspricht. Roboterchirurgie gehört heute zum Alltag und hat enorme Vorteile gebracht. Elektronisch kontrollierte Prothesen und funktionale neuromuskuläre Stimulation haben die Technologie zum Ersatz von Gliedmaßen radikal revolutioniert. Gleichzeitig wird der Einsatz von Technologie bei Menschen mit Amputationen immer natürlicher und dadurch weniger sichtbar, ob wohl es eigentlich ein Teil der Vorteile von der Verbindung Mensch-Technologie ist. Die Nutzung von Computergraphiken, 3-D Tomographien, Kernspintomographien und Lasertechnologien deutet auf neue Wege in allen Bereichen der Medizin hin. All diese Technologien wurden entwickelt oder angepasst, um den Bedürfnissen von Betreuern und Verbrauchern zu entsprechen - oder wieder verworfen.

Die Medizin hat sich der auf künstlicher Intelligenz basierenden Datenanalyse mit weitaus weniger Eifer angenommen als der Finanzsektor oder andere Bereiche. Nichtsdestotrotz ermöglichen maschinelle Lernverfahren es Ärzten, ihre Patienten basierend auf einer Kombination aus eigenem Wissen und Daten aller anderen Patienten mit der derselben Krankheit zu behandeln. Prognose-Analysen, die zu einer frühzeitigen Intervention führen, sind ein enormer Vorteil; so hat z.B. Google DeepMind ein maschinelles Lernverfahren entwickelt, das Diabetes und Maculadegeneration erkennt, indem es Fall-Daten von Millionen Patienten analysiert. Ärzte können diese Krankheiten daher behandeln, schon bevor sie auftreten. Als Teil des Interface stellt KI Ärzten Prognosen zur Verfügung, die auf tiefgehender Datenanalyse basieren und von außen als auf Erfahrung basierende Schlussfolgerungen wahrgenommen werden können.

Prognose-Analysen funktionieren auch bei Interface auf der Mikroebene. Dr. Hawking kommuniziert mit Hilfe eines Open-Source-Programms mit dem Namen ACAT, welches ihm eine Software-Tastatur auf seinem Computerbildschirm zur Verfügung stellt. Er wählt Buchstaben aus, indem er mit seiner Wange einen Hebel bedient (diese Bewegung wird von Sensoren in seiner Lesebrille aufgenommen). ACATs SwiftKey Spracheingabealgorythmus, welcher mit Dr. Hawkins Schriften programmiert wurde, bietet bereits nach der Eingabe weniger Buchstaben eine Wortauswahl. Sobald er einen ganzen Satz hat, schickt Dr. Hawking ihn an einen Sprachgenerator. Sein Interface ist persönlich, stark angepasst und so eingerichtet, dass es ihm dabei hilft mit den besonderen Herausforderungen der Motoneuronen-Erkrankung (ALS) umzugehen. Vor allem aber macht es ihn insoweit frei, dass er sich auf eine Art und Weise vernetzen und kommunizieren kann, die in der jüngeren Vergangenheit nicht möglich gewesen wäre.

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