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US-Kubanische Zusammenarbeit nach 55 Jahren Blockade

03/09/2015 09:27 CEST | Aktualisiert 03/09/2016 11:12 CEST
Anadolu Agency via Getty Images

Mit der Eröffnung von Botschaften in Washington D.C. und Havanna haben die Regierungen der USA und Kubas am 20. Juli 2015 ihre diplomatischen Beziehungen nach einem 1960 unter Kennedy initiierten 55-jährigen Embargos wieder aufgenommen. Welches Ausmaß die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit Kuba haben wird, ist noch offen. Zwei Bereiche haben sich die noch junge Beziehung schon jetzt zu Nutze gemacht: die Reisebranche und die Wissenschaft.

Während noch immer Reisebeschränkungen zwischen den beiden Ländern bestehen, werden durch JetBlue bereits Direktflüge von den USA nach Kuba angeboten. Weitere Anbieter werden ohne Zweifel bald nachziehen, ebenso wie die großen Hotelketten. Dies sind auch für die wissenschaftliche Gemeinschaft gute Nachrichten. Sie hat nicht gezögert, sich mit ihren kubanischen Gegenübern in Verbindung zu setzen.

Akademische Kooperationen

Ein kürzlich erschienener Artikel in der Washington Post befasste sich mit einigen Beispielen von US-Universitäten, die sich darum bemühen, Beziehungen zu Universitäten in Havanna aufzubauen. Laut des Artikels haben die Auburn University, Johns Hopkins, Columbia und Brown bereits Kooperationen initiiert und die Florida International University diskutiert momentan die Idee eines kubanischen Campus.

Wissenschaftler auf der ganzen Welt sind für gewöhnlich schnell darin, Beziehungen mit gleichgesinnten Kollegen in anderen Ländern aufzubauen, ganz unabhängig von der internationalen Politik. Es lohnt sich daher, einen Blick auf die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit für die Forschung in den USA und Kuba zu werfen.

Laut Publikationsdaten von Scopus ist die kubanische Forschung stark auf Medizin und die dazugehörigen Disziplinen Pharmakologie, Immunologie, Genetik und Biowissenschaften fokussiert. Fast die Hälfte aller zwischen 2010 und 2014 veröffentlichten Forschungsarbeiten fallen in eine dieser Bereiche. Zum Vergleich: In den USA findet ein Drittel der Forschung in ähnlichen Disziplinen statt.

Medizin und Gesundheitswissenschaften

Innerhalb der Kategorie von Medizin und Gesundheitswissenschaften machen Allgemeinmedizin, Infektionskrankheiten, öffentliche Gesundheitsversorgung, Umwelt und Gesundheit sowie Arbeitsmedizin ungefähr die Hälfte des kubanischen Forschungsoutputs aus. Scopus-Daten zeigen ebenfalls auf, dass Kuba eine starke internationale Kollaborationsrate hat - 52,3 Prozent der kubanischen Publikationen werden durch Co-Autoren aus Institutionen in anderen Ländern, vor allem Spanien, Mexico und Brasilien, mitverfasst.

Während die USA unangefochtener Spitzenreiter in Bezug auf den globalen Forschungsoutput ist, wird deutlich, dass die kubanischen Medizinwissenschaften einiges zu bieten haben, was sie nicht nur mit ihren nördlichen Nachbarn, sondern mit der ganzen Welt teilen können. Aktuelle Studien zu Lungenkrebs-Impfungen, die durch Kubas Center für Molekulare Immunologie entwickelt wurden, sind nur ein Beispiel.

Das Roswell Park Cancer Institute in Buffalo hat, sich diesen medizinischen Durchbruch schnell zu Nutze gemacht, indem es sich die Erlaubnis der amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittel-Überwachungsbehörde FDA zur Durchführung klinischer Studien in den USA gesichert hat.

Kuba ist keinesfalls das ärmste Land der Welt

Neben alledem gibt es auch Bereiche, in denen kubanische Forscher zu einem großen Teil von Kooperationen mit ihren amerikanischen Kollegen profitieren können. Kuba ist keinesfalls das ärmste Land der Welt, aber es muss gerechterweise gesagt werden, dass Kubas Investitionen in die Forschung eher bescheiden sind.

Laut dem neuen Buch World of Research investiert Kuba lediglich 0,42 Prozent seines GDPs in Höhe von $78.694 Millionen in die Forschung. Folglich ist der Forschungsoutput des Landes im Vergleich mit anderen Ländern ähnlicher Größe (gemessen an der Bevölkerung), zum Beispiel Belgien, eher gering. Kubas Forschungsoutput im Zeitraum von 2004 bis 2014 lag bei 20.593 Publikationen -- Belgiens Output im gleichen Zeitraum lag bei 270.232 Publikationen.

Es ist offensichtlich, dass die kubanische Forschung von einer Finanzspritze aus US-Quellen profitieren würde. Außerdem könnte sich die Führungsrolle Amerikas im Bereich Ingenieurswissenschaften, Informatik und Physik als eine Chance für kubanische Forscher herausstellen, ihren Forschungsoutput in diesen Bereichen zu verbessern; momentan macht er nur etwa 25 Prozent des gesamten Outputs aus.

Kooperationen zwischen Wissenschaft und Unternehmen

Dies kann auch dabei helfen, die Zitationshäufigkeit kubanischer Forschung in den wichtigsten wissenschaftlichen Zeitschriften zu verbessern - eher bescheidene 6,8 Prozent verglichen mit den 26,9 Prozent der USA - sowie den Anteil an Kooperationen zwischen Wissenschaft und Unternehmen zu steigern, der weniger als halb so hoch ist, wie der von US-Universitäten.

Kubas enge Reisebeschränkungen haben Forscher lange davon abgehalten, ins Ausland zu reisen, um Konferenzen zu besuchen oder in Universitäten in Übersee zu arbeiten - gelebte Praxis, die es Forschern ermöglicht, internationale Kollegen zu treffen.

Eine Ausnahme hierzu könnten Kubas hoch geschätzte Mediziner sein, die man während Krankheitsausbrüchen häufig bei der Arbeit in Krisengebieten auf der ganzen Welt findet - zuletzt bei der Ebola-Krise in Westafrika. Durch die geopolitische Position des Landes ist es nicht überraschend, dass in Kuba eine Netto-Abwanderung von Forschern vorherrscht (-6,4 Prozent).

Technische Hürden

Diejenigen, die bleiben, müssen häufig technische Hürden überwinden, die die Möglichkeiten wissenschaftlicher Fachkräfte in Kuba für die Zusammenarbeit in der heutigen Welt aus Cloud Computing und sozialen Netzwerken beeinträchtigt haben und dies auch weiterhin tun- die wichtigste darunter ist der Internetzugang, der sehr eingeschränkt ist.

Kubas Wissenschaftler sind häufig nicht in der Lage, die heutzutage in der Forschung gängigen riesigen Datensätze herunterzuladen und zu teilen oder Cloud-basierte Kollaborationsplattformen zu nutzen. Zusätzlich können sie aufgrund des bisherigen Handelsembargos nicht auf die Textbücher und Journale zugreifen, die sie für ihre Recherche brauchen, Laborgeräte sowie dringend gebrauchte Teile zur Reparatur der bestehenden Technologien nicht bestellen.

Informationen können nicht frei übertragen werden, da die Regierung noch immer streng kontrolliert, was gesagt und veröffentlich werden darf und was nicht. Dennoch ist Wissenschaft ein großartiger Wege, ehemalige Gegner zusammenzubringen und gemeinsam daran zu arbeiten, die Gesellschaft verbessern zu können.

Suche nach Wissen

Wissenschaft ist die Suche nach Wissen und wissenschaftliches Publizieren ist der Kanal, durch den Wissen mit der breiten Forschungsgemeinschaft geteilt wird. Über die allerersten Erfindungen haben Wissenschaftler ihre gemeinsame Leidenschaft für Entdeckungen genutzt, um die Wände einzureißen, die zwischen uns stehen.

Wenn neue Kollaborationen zwischen Forschern aus den USA und Kuba der Welt bahnbrechende Medikamente und Behandlungen bescheren, dann werden die Politiker dieser Welt einige Dinge über die Vorteile von Zusammenarbeit lernen können.

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