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Nachhaltige Zukunft: Möglichkeiten für Innovation und Technologie

10/05/2017 17:56 CEST | Aktualisiert 10/05/2017 17:56 CEST
courtneyk via Getty Images

Wenn Sie das Wort Nachhaltigkeit hören und dabei an Wege denken, wie wir unseren Planeten schützen können, ist das sicherlich nicht falsch. Doch Nachhaltigkeit geht darüber hinaus. Wenn Ihnen vor allem die negativen Auswirkungen von Nachhaltigkeit einfallen, wie das Einhalten von Richtlinien, die Wachstum einschränken oder das Erschließen neuer Märkte verhindern, dann bleiben Sie bei einer sozialen und wirtschaftlichen Revolution außen vor, die bereits ohne Sie begonnen hat. Nachhaltigkeit ist möglicherweise nicht, was Sie darunter verstehen - passen Sie auf, dass sie nichts verpassen!

Rund um den Earth Day am 22. April fanden im letzten Monat viele bemerkenswerte Veranstaltungen statt. Mein persönliches Interesse weckte besonders der MIT Sustainability Summit. Dort sprachen Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik, Forschung, aus der Arbeitswelt und der Umweltschutzbewegung eben nicht über die Bedeutung von Land- oder Wasserschutz, obwohl diese ohne Zweifel für nachhaltige Ökosysteme und Volkswirtschaften wichtig sind. Stattdessen sprachen sie über Investitionen und Forschung. Hier zeigt sich der Übergang zu Modellen, die die Vorteile der New Economy nutzen, finanzielle Rentabilität und Nachhaltigkeit abwägen und neue, unbeschränkte Marketingwege eröffnen.

Das Erreichen einer nachhaltigen Wirtschaft ist ein unendlich spannender unbekannter Pfad. Die Vereinten Nationen haben mit den Sustainable Development Goals (SDGs) einen Plan auf diesem Weg vorgelegt. Insbesondere Ziel 8 der SDGs fördert ein „dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle". Grundsätzlich ist „Handel statt Hilfe" ein Schlüsselfaktor für langanhaltentendes, nachhaltiges Wachstum. Im Jahr 2014 erhielten die ärmsten Länder der Welt rund ein Viertel der Hilfsmittel, lediglich 10 Dollar pro Kopf jährlich. Weitere Hilfe für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, die finanzielle Hilfsmittel ersetzen könnte, ist notwendig. Aber wie kann diese aussehen?

Als die SDGs 2015 vorgestellt wurden, forderten die Vereinten Nationen wissenschaftliche Forschung und Beweise, um den Fortschritt voranzutreiben. Unser eigener Bericht, den wir in Zusammenarbeit mit SciDev.net erstellt und veröffentlicht haben, zeigt die sehr aktive Forschung zum Thema Nachhaltigkeit, die seit 2009 doppelt so schnell gewachsen ist. Zudem haben wir untersucht, wie die einzelnen Länder ihre wissenschaftlichen Kapazitäten in Bezug auf nachhaltige Entwicklung aufstellen. So konnten wir aussichtsreiche Bereiche für Forschung und Zusammenarbeit identifizieren.

Gerade in der Technologie konnten wir enorme Potentiale aufzeigen. Das mag zunächst abwegig erscheinen, aber bedenken Sie die ökologischen Auswirkungen mobiler Technologien. Die Wirtschaft der afrikanischen Sub-Sahara baut seit Jahren auf Mobilfunknetze. Afrika hat die Stufe der Festnetz-Technologie übersprungen, da dies massive Investitionen in die Infrastruktur erfordert hätte. Mit günstigeren Mobiltechnologien und geringeren Auswirkungen konnte die Wirtschaft angetrieben werden.

Technologieorientierte, nachhaltige Unternehmenslösungen sind sogar auf Mülldeponien zu finden. Denn die Rückgewinnung von Abfall wird immer üblicher - auf der Suche nach Möglichkeiten, Energie, Arbeitsplätze und Gewinne zu schaffen, richtet sich unser Blick zunehmend auf unsere nähere Umgebung. Das Unternehmen Aries Clean Energy hat im letzten Jahr in Tennessee die weltweit größte Gleichstrom-Vergaser-Anlage gebaut. In der Anlage werden täglich 64 Tonnen Abfall umgewandelt - 8.000 Tonnen pro Jahr - um so in den nächsten 20 Jahren 36.000 MWh Elektrizität zu gewinnen. Aries verwendet außerdem eine kürzlich patentierte Lösung, um schweren Teer in Biokraftstoff umzuwandeln: Synthetisches Brennstoffgas wird durch Biokohle gefiltert, dabei werden Verunreinigungen durch Mikrowellen-induzierte Plasmafelder entfernt. Aries beobachtet, dass Nachhaltigkeit sich durchaus durch eine kalkulierbare finanzielle Rendite und die Absicherung gegen Risiken wie Preissteigerungen und künftige Regulierung auszeichnet.

Manche Vordenker suchen nach der nächsten nachhaltigen Technologie für saubere Energie, andere suchen nach Wegen, um die Umweltbelastung durch fossile Brennstoffe zu mindern. Als ein Land, das stark von Luftverschmutzung betroffen ist, finanziert China richtungsweisende umweltfreundliche Gebäude, angetrieben von überraschenden Innovationen. Im Januar enthüllte Architekt Stefano Boerii Pläne für die Nanjing Towers, einen „senkrechten Wald", der Luft filtert, indem er verschmutzte Luft aufsaugt und sauberen Sauerstoff produziert. Das sieht nicht nur fantastisch aus, grüne Dächer und Türme bringen auch echte Vorteile mit sich. Im Durchschnitt absorbiert bereits knapp ein halber Hektar junger Bäume 2,5 Tonnen Kohlenstoff, pro Jahr sind das etwa 6 Kilogramm Kohlenstoff pro Baum. Nach 10 Jahren nehmen Bäume sogar etwa 20 Kilogramm Kohlenstoff auf und geben die Menge an Sauerstoff ab, die zwei Menschen in einem Jahr verbrauchen.

Da der Kohlenstoffausstoß der Luftfahrt durch fossile Brennstoffe weltweit beträchtlich ist, wird auch hier an Innovationen gearbeitet, um die Nachhaltigkeit der Branche zu verbessern. Ein im April veröffentlichter Bericht der NASA bestätigt, dass Biokraftstoffe zu einer Feinstaubreduktion von 50 bis 70 Prozent bei Düsenabgasen führen können, was den Weg hin zu ihrer Nutzung ebnet. Ein weiteres Anliegen ist die Reduzierung von Kondensstreifen - jenen weißen Abgasfahnen, die den Himmel durchkreuzen und sowohl Wetter als auch Klima beeinflussen. Bruce Anderson, Forscher am NASA Langley Research Center, bestätigte, dass Rußemissionen einen Großteil zu Kondensstreifen beitragen. „Die von uns im Rahmen des Projekts gemessene Reduktion der Feinstaubemissionen sollte direkt zu einer Verminderung der Eiskristallkonzentration in Kondensstreifen führen und somit die Umweltbelastung senken", sagte er.

Forschungsbasierte Innovationen, die zeitgleich mehrere Probleme lösen können, sind genau jene eleganten Lösungen, welche zu nachhaltigem wirtschaftlichen Wachstum führen. Durch die Schaffung neuer Geschäftsfelder und Arbeitsplätze auf Basis neuer Ideen und Märkte erzeugen und fördern wir nachhaltiges Wachstum. Diese Ideen kennen keine geografischen Grenzen. Sie sind lokal relevant und stammen aus aller Welt, wie beispielsweise Kondensatoren, die aus der Luft in Wüstenstaaten Wasser gewinnen und Kühlschränke, die in Ländern nahe dem Äquator ohne Einsatz von Elektrizität Lebensmittel frisch halten.

Der Schlüssel hierzu ist Finanzierung, die Forschung ermöglicht. Verhaltens-, Wirtschafts- und Technologieforschung geben uns die Möglichkeit, Menschen Arbeit zu geben und das Wachstum der Wirtschaft sowie einzelner Unternehmen auf nachhaltige Weise voranzutreiben. Eine Erkenntnis kommt nicht überraschend: Diese Ansätze führen dazu, dass wir auf einem gesünderen Planeten leben können.

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