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Innovationen in der Wissenschaft: Anlauf für den nächsten großen Schritt für die Menschheit

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MEDICAL CHECK UP
Ron Levine via Getty Images
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Laut der American Cancer Society werden im Jahr 2016 allein in den USA ca. 1,6 Millionen Patienten die Diagnose Krebs erhalten und über eine halbe Million Patienten dem Krebsleiden unterliegen. In Deutschland beträgt das Risiko im Laufe des Lebens an Krebs zu erkranken laut Zentrum für Krebsregisterdaten für Männer 51 Prozent und für Frauen 43 Prozent. Obwohl bereits viel in der Krebserkennung und Krebsbehandlung erreicht wurde, steht fest, dass die Krankheiten mit all ihren Facetten wohl noch für lange Zeit Teil unserer Gesellschaft bleiben wird.

Ungeachtet dessen wer man ist, wo man wohnt oder in welchen Lebenssituationen man sich befindet, die Chance mit der Krankheit in Berührung zu geraten, selbst wenn man nicht selbst daran erkrankt, ist groß. Jede Krankheit ist die Geschichte eines Menschen. Sobald man sich mit einer Person unterhält, die sich um eine nahestehende Person mit Krebs kümmert, merkt man schnell, wie emotional, physisch und finanziell aufreibend es für jeden Beteiligten ist.

Im vergangenen Jahr hat Joe Biden, Vizepräsident der USA, seinen Sohn Beau an einen Hirntumor verloren. Der Tod des gerade einmal 46. Jährigen war ein großer Schock und ein Thema, das den gesamten US-Senat bewegt hat. Anlässlich des tragischen Todes hat Präsident Barack Obama im Rahmen seiner diesjährigen Ansprache zur Lage der Nation die National Cancer Moonshot Initiative ins Leben gerufen, um Fortschritte in der Krebsforschung zu beschleunigen. Ziel ist es, Therapien für mehr Menschen zugänglich zu machen, die Früherkennung zu verbessern und letztendlich die Krankheit vorzubeugen.

Keine Fehler zu machen und Heilmethoden für alle Arten von Krebs zu finden, die wir bisher kennen, wird sehr schwer werden. Aber die Menschheit hat sich schon ganz anderen Herausforderungen gestellt, wie zum Bespiele jemanden zum Mond zu schicken. Als John F. Kennedy am 2. Mai 1961 erklärt hat, dass es das Ziel der Amerikaner ist, bis Ende des Jahrzehntes einen Mann auf dem Mond landen zu lassen, zweifelte keiner daran, dass dies möglich sein wird.

Es wurden Milliarden von Dollar investiert und unzählige Fehler gemacht, aber für jeden der sich an den Augenblick erinnern kann, als Neil Armstrong die staubige Oberfläche des Mondes betrat und sagte "that's one small step", war es ein Schlüsselmoment.

Krebs ist ein globales Gesundheitsproblem. Solange die Menschen weiterhin älter werden, wird auch die Zahl der Krebspatienten steigen. Aus wissenschaftlicher Perspektive ist es zudem außergewöhnlich interdisziplinär, da es ein breites Spektrum medizinischer Fachrichtungen betrifft, wie Neurologie, Gynäkologie, Gastroenterologie oder Hämatologie.

Dazu kommen damit verbundene Faktoren wie Umwelt, Pharmazie sowie das öffentliche Gesundheitsbewusstsein und Ernährung. Die Krebsheilung bedarf deshalb einer intensiven Zusammenarbeit vieler verschiedener Player der Wissenschaftscommunity.

Daneben spielt die Wirtschaft eine entscheidende Rolle in der Behandlung von Krebs. Viele Patienten brauchen eine langfristige und kontinuierliche Therapie, die selbst Familien in westlichen Ländern wie den USA vor enorme finanzielle Herausforderungen stellt. Die Entwicklung neuer Therapieformen und Wirkstoffe, um letztendlich Krebs vorzubeugen, verlangt nach einem großen Einsatz von Ressourcen von Regierungen sowie aus dem privatwirtschaftlichen und akademischen Bereich.

Die erste Mondlandung wurde hauptsächlich von der US-Regierung finanziert. Die derzeitige Wirtschaftslage macht es jedoch unumgänglich, dass die Krebsforschung auch anderweitig finanziert wird.

Technologie, insbesondere das Internet, spezielle Soziale Netzwerke wie das Open Access Repository Social Science Research Network oder Plattformen wie Mendeley ermöglichen es Wissenschaftlern unabhängig von Ort und Institutionszugehörigkeit, weltweit Wissen auf unkomplizierte Art zu teilen und ihre Expertise wirksam einzusetzen.

Es wurde bereits eine enorme Vorarbeit geleistet. Laut ScienceDirect wurden in den letzten fünf Jahren 1,5 Millionen Forschungsarbeiten über Krebs veröffentlicht. Ein riesiger Berg an Daten. Die Datenbank Scopus zeigt, dass Europa den Wissenschaftsoutput anführt, wobei im gleichen Zeitraum ein signifikanter Anstieg an Forschungsarbeiten in Nordamerika und Asien zu verzeichnen war. Insbesondere China und die USA stechen heraus.

Dank Millionen Wissenschaftlern die sich unermüdlich der Krebsforschung widmen, wurden im letzten Jahrzehnt gewaltige Fortschritte gemacht. Das gefürchtete K-Wort ist heute bei weitem kein Todesurteil mehr. Menschen sind inzwischen besser über Risiken aufgeklärt, die zur Krebsvorbeugung unbedingt vermieden werden sollten, wie beispielweise Rauchen und der Kontakt mit bestimmten Chemikalien.

Hochentwickelte Diagnoseverfahren wie der Ultraschall, die Kernspintomographie und die Computertomographie ebenso wie Bluttests helfen bei der Früherkennung von kleinen Tumoren und Wucherungen. Dies ermöglicht ein frühzeitiges Handeln und erhöht die Chancen auf vollständige Heilung.

Krebs ist eine ungemein komplexe Krankheit und es werden jeden Tag neue Belastungen entdeckt. Es mag sein, dass wir sie niemals gänzlich bekämpfen können. Wenn es aber möglich ist, einen Mann innerhalb eines Jahrzehnts auf den Mond zu schicken und ihn wieder sicher nach Hause zu bringen, dann stehen unsere Chancen gut, einen großen Schritt für die Menschheit zu machen und den Einfluss von Krebs auf unsere Gesellschaft zu verringern.

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