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Linke Flüchtlingsfeinde

06/09/2015 18:20 CEST | Aktualisiert 06/09/2016 11:12 CEST
dpa

Kann es so etwas geben? Ja, vor 30 Jahren. Denn damals ging es um DDR-Flüchtlinge. Und die waren meistens antikommunistisch, deutsch und CDU-nah. Eine Zeitreise.

Wer seine alten verstaubten SPIEGEL-Ausgaben durchblättert, stößt auf so manchen Artikel, der rückblickend wirklich unglaublich erscheint. „Fettleibig mit Dauerwelle" ist einer davon. Vergisst man vor dem Lesen auf das Datum zu blicken, so hat der Beitrag, erschienen in Ausgabe 43, das Potential Weltbilder zum Wackeln zu bringen:

Linke Sozialdemokraten würden am liebsten die Leistungen für Neuankömmlinge streichen, grüne Politiker fordern „Zuzugsbegrenzungen" und möchten streng zwischen Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingen unterscheiden, ein SPD-Arbeitsminister beklagt, dass Geflüchteten „Arbeitsplätze auf dem goldenen Tablett serviert" würden und der Kommunistische Bund möchte Flüchtlingen „die Fresse polieren". Verkehrte Welt? Nein, das ist politische Realität im Jahre 1989.

Wer die derzeitige Flüchtlingsdebatte verfolgt, der kann sich nur vor den Kopf gestoßen fühlen. Mit Recht. Denn diese Positionen linker Gruppierungen und Persönlichkeiten in den 80er Jahren ist ungefähr das komplette Gegenteil ihrer derzeitigen Haltung. Doch warum?

Damals ging es eben nicht um Syrer, Erträer und Nigerianer, die vor Diktaur, Krieg und schlechten wirtschaftlichen Perspektiven geflohen sind, sondern um DDR-Bürger. Welch' Affront! Menschen, die aus dem Sozialismus fliehen - dem Hort der Menschlichkeit.

Da fällt es schwer Empathie zu entwickeln. Und dann auch noch Deutsche mit Nationalstolz und CDU-Sympathien. Spätestens an diesem Punkt schlägt das internationalistische Bewusstsein eines jeden aufrechten Linken Alarm und lässt den Solidaritätsgedanken hinter der eigenen Ideologie verschwinden.

Denn so sehr wie das stramm linke Milieu darauf hofft, mit den afrikanischen und arabischen Flüchtlingen neues antikapitalistisches Proletariat für sich gewinnen zu können, so wenig konnte man dies von den „Republikfeinden" der Ex-DDRler erwarten.

Jemand der vor dem SED-Regime gelflohen ist, lässt sich eben nur schwer zum erneuten Klassenkampf überreden. Manchmal offenbaren alte SPIEGEL-Artikel eben nicht nur Unglaubliches, sondern auch Verlogenes.

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