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Ein "Aufstand der Anständigen" reicht nicht!

29/08/2015 12:23 CEST | Aktualisiert 29/08/2016 11:12 CEST
Sean Gallup via Getty Images

Der rechte Terror geht um in Deutschland. Ein empörter Aufstand der Anständigen ist deswegen richtig und wichtig. Doch Aufstehen alleine reicht nicht.

Joko, Klaas und Schweiger

Nach wochenlangem Wegducken, Wegschauen und Ignorieren entsteht in Deutschland nun soetwas wie ein Aufstand der Anständigen. Klar, die TV-Comedians Joko ("Ich habe mir den Mund zunähen lassen") und Klaas ("Ich hatte einen Donut in der Stirn") sind nicht gerade Personen, die man als "anständig" klassifizieren würde, doch richtig war ihre Video gegen Hasspostings von Rechtsradikalen und Flüchtlingsfeinden dennoch.

Sie sind freilich nicht die einzigen. Von links bis rechts zeigt sich die Politik mittlerweile von den Angriffen auf Asylbewerber und Flüchtlingsheimen empört. Und auch Till Schweiger steht nur symbolisch für eine Vielzahl von Personen des öffentlichen und privaten Lebens, die sich aktiv gegen die umgreifende rechte Hetze eingesetzt haben und in Zukunft sicherlich noch einsetzen werden. Auch das ist gut. Ich möchte das nicht missen.

Reicht das?

Doch nachdem nun die Anständigen der Republik endlich aufgestanden sind, beschleicht einen das Gefühl dabei bleibt es dann auch. Aber reicht das?

Ein Blick auf die Zahlen beweist das Gegenteil. 800.000 Flüchtlinge und Asylbewerber erwartet die Bundesregierung in diesem Jahr. Eine Zahl, die die eh schon bis zum Himmel überforderte deutsche Bürokratie, kaum noch menschenwürdig bewältigen kann.

Könnte Deutschland mehr leisten, hätte man früher Vorkehrungen getroffen? Ja. War es eine schlechte Idee, Flüchtlingsheime abzureisen und das Asylsystem unreformiert zu lassen? Sicherlich.

Weisheiten nützen nichts

Doch all diese Weisheiten nützen nun nichts mehr. Deutschland steht vor einem großen Problem, das sowohl Wirtschaft wie Gesellschaft und Politik fordert. Doch die, die darauf antworten finden sollten, haben keine. Sie belassen es beim Aufstehen.

Ansätze gibt es viele. Mehr osteuropäische Länder zu sicheren Herunftsstaaten erklären, Schlepperbanden bekämpfen, ein gesetzliches Quotensystem innerhalb der EU, ein Einwanderungsgesetz, Leistungskürzungen, Wohnraumbeschlagnahmungen, Kampagnen im Ausland, UN-Flüchtlingslager in Nordafrika und im Nahen Osten;

Die Liste ist ellenlang. Nicht alle Vorschläge sind gut, nicht alle bringen etwas. Doch die Bundesregierung braucht endlich eine Strategie. Sie darf es nicht beim Aufstehen belassen.


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