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Diese Politiker blamierten sich mit ihren Reaktionen auf Fidel Castros Tod

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Wie reagiert man, wenn ein Despot stirbt, der die längste Zeit seines Lebens damit verbrachte, ein Volk zu unterdrücken? Einige Bundespolitiker hielten diese Frage wohl für eine knifflige - Und exponierten sich in ungeahntem Ausmaß.

»Ein paar Notizen, in bester Tradition sozialistischer Publizistik. Sie atmen den Geist kämpferischer Polemik.«

Am Samstagmorgen verstarb der ehemalige kubanische Revolutionsführer Fidel Castro im Alter von 90 Jahren. Katja Kipping, Bundesvorsitzende der Linkspartei, kondolierte mit dem verblassenden Pathos einer in die Jahre geratenen Hochschulgruppen-Chefin. »Revolutionär, Sozialist & eine große Stimme der Unabhängigkeit des Südens gegen den reichen Norden. ¡Hasta siempre comandante!«, schrieb sie auf Twitter.

Doch wieso auch nicht? Fidel Castro schaffte es in den 50er Jahren ja immerhin nicht nur, eine kleine Einheit Revoluzzer erfolgreich gegen das kubanische Batista-Regime anzuführen (und das als Revolution zu verkaufen); Nein, er vollbrachte gleich darauf die Heldentat, gemeinsam mit seinem Bruder Raul, eine ganz eigene -quasi familieninterne- Diktatur zu installieren. Und wer der Nachfolgepartei der SED angehört, lernt ja schon aus den eigenen Parteiannalen, dass es ganz schön schweißtreibend sein kann, eine Diktatur am Leben zu erhalten.

Darin allerdings war Castro ein Meister. Tausende politische Gefangene, die in Arbeitslagern verschwanden oder hingerichtet wurden, gab es unter seiner Herrschaft. 1965 ließ er sogenannte »Militärische Einheiten zur Unterstützung der Produktion« einrichten, um dort »soziale Abweichler«, sprich: Homosexuelle und HIV-Infizierte, zu inhaftieren. Die »Oppositionellen«, die sich hie und da noch leise äußerten, brandmarkte der ausgewiesene Menschenfreund Castro als »Faschisten, Konterrevolutionäre oder CIA-Agenten«. Wenn sie nicht verhaftet wurden, dann unterlagen sie strikt einem Meinungsäußerungsverbot. Rund ein Fünftel der Kubaner floh vor Castros Gewaltherrschaft, nicht wenige davon ertrunken auf dem Seeweg in die Vereinigten Staaten. Als sein Tod am Samstag bekannt wurde, feierten die Exilkubaner auf den Straßen des stets verhassten »US-Imperiums« den Tod ihres Diktators.

Man mag ihn dafür loben können, der kleinen amerikanischen Insel zu mehr Unabhängigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten verholfen zu haben, doch die Bilanz seiner Herrschaft ist vernichtend. Nicht nur, dass er in der Tradition des bewundernswerten Sinns für Realität, der die sowjetische Schule spätestens seit Walter Ulbricht zurecht auszeichnet, beinahe einen dritten Weltkrieg provozierte. Nein, Fidel Castros ausgeprägte Humanität zeigte der notorische Narzisst jedesmal in seinen »Ansprachen an die Nation«, in denen er die Terrortoten seines Regimes mit den Idealen seiner kommunistischen Fantasien rechtfertigte.

Wedelt man den verbliebenden vulgärsozialisischen Dunst der 68er einmal beiseite, so bleibt vom gefeierten Comandante en Jefe nichts weiter als eine durch und durch verachtenswerte Persönlichkeit, dessen »Ruhm« im Wesentlichen auf der Fähigkeit gründete, ein ganzes Volk gnadenlos zu tyrannisieren während er einen Jogginganzug trug.

Hier, so scheint es, vereint sich die berlinerisch-grüne Wohlfühlutopie noch einmal mit ihrer kommunistisch-totalitären Herkunft. Nur so ist es verstehbar, was den grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele dazu hinreißen ließ, »Fidel Castro und Che«, wie er sie liebevoll nannte, als »erfolgreiche Revolutionäre« und »Hoffnungsträger unserer Generation« zu bezeichnen. Denn wenn es eine Generation in Deutschland gibt, auf deren totalitäres Erbe wir gerne liebevoll zurückblicken, dann sind es ja wohl die 68er.

Die plötzliche Heraufkunft der despotischen Nostalgie beschränkte sich aber keineswegs auf einen Unverbesserlichen, dessen verbale Auswüchse man zum Wohle der Unterhaltung ja noch tolerieren könnte. Nein, der ganze Chor der Amerikaverachter, deren ebenso langweiliges wie unwürdiges Stück man nun seit zwei Generationen kennt, stimmte zum Abschied des großen Kommandanten noch einmal ihr autoritäres Trauerlied an. Sarah Wagenknecht, ihres Zeichens Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, ließ es sich nicht nehmen einen sozialistischen Gruß an ihren Fidel zu richten, nur wenige Stunden nachdem sie die Bundesregierung für das Flüchtlingsabkommen mit dem »Diktator Erdogan« attackierte. Dieses glänzende Beispiel sozialistischer Argumentationskunst kann in seiner ganzen Strahlkraft freilich nur derjenige begreifen, der jahrelange Schulung in der berühmten marxistischen Dialektik genoss.

Auch ihr Kollege Bernd Riexinger kam an den Notwendigkeiten des Weltgeistes nicht vorbei und würdigte Fidel Castro als »großen Revolutionär«. Größer noch als der gesegnete Leib des übergroßen Fidel (1,91m), waren freilich nur die Opferzahlen, die der Massenmörder Castro zeit seines Lebens hinter sich anhäufte.

Was bleibt also vom hochgelobten Revoluzzer? Man kann nur hoffen: nicht viel. Seine anerkennungswürdigste Tat dürfte darin bestanden haben, uns mit seinem Tod zu offenbaren, wer hierzulande in Sachen Freiheitlich-Demokratischer Grundordnung noch Bedenken in sich trägt. Und siehe da: 8,6% der hiesigen Demokratieskeptiker sitzen im deutschen Bundesparlament! Ein weiterer Beweis für die unglaubliche Erkenntniskraft des - gelobet sei er- glorreichen historischen Materialismus marx'scher Machart. Für diese heuristische Heldentat möge unser lieber Fidel in Frieden ruhen. Aber bitte erst dann, wenn seine zahllosen, verhöhnten Opfer Gerechtigkeit erfahren haben.