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Niedrige Leitzinsen machen viele Geldanlagen unattraktiv

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Ein aktueller Blick auf die Kapitalmarktzinsen ist für die meisten Anleger und Sparer relativ enttäuschend, da sich die Anlagezinsen auf einem extrem niedrigen Niveau bewegen. Besonders Sparer, die sich bisher nicht näher mit dem Kapitalmarkt und dessen Funktionsweise beschäftigt haben, werden sich oftmals fragen, aus welchem Grund die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld oder auch viele verzinsliche Wertpapiere zu niedrig sind. Denn schließlich führen die geringen Guthabenzinsen, die Anleger derzeit auf Anlagekonten erhalten, dazu, dass viele Geldanlagen mittlerweile unattraktiv geworden sind.

Der Grund für die niedrigen Kapitalmarktzinsen ist in erster Linie im niedrigen Leitzins zu finden, der von der Europäischen Zentralbank festgelegt wird. Schaut man sich die Entwicklung des EZB-Leitzinses an, so wird deutlich, warum auch die Kapitalmarktzinsen in den letzten fünf Jahren immer weiter gesunken sind. Während sich der EZB-Leitzins nämlich Mitte 2008 noch auf einem Niveau von 4,25 Prozent befand, notiert der aktuelle Leitzinssatz lediglich noch bei 0,25 Prozent und befindet sich damit auf einem historischen Tiefstand. In den letzten fünf Jahren hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen insgesamt mehr als zehnmal gesenkt, bis das derzeitige Niveau erreicht wurde. Während der aktuell niedrige Leitzinssatz viele Kreditnehmer freut, da nicht nur die Zinsen auf Geldanlagen, sondern auch viele Kreditzinsen sehr niedrig sind, finden Anleger heute teilweise kaum noch sichere Anlageformen, deren Rendite deutlich oberhalb der Inflationsrate liegt.

Lebensversicherungen, Anleihen und Anlagekonten leiden unter niedrigen Zinsen

In erster Linie sind es sichere Geldanlagen, deren Attraktivität unter den niedrigen Kapitalmarktzinsen deutlich zu leiden hat. Zu nennen sind hier vor allen Dingen Tagesgeld-, Festgeld- und Sparkonten. Aber auch viele als sicher eingestufte Anleihen, wie zum Beispiel die Bundeswertpapiere, sind für viele Anleger aufgrund der geringen Rendite einfach nicht mehr lukrativ. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich seit geraumer Zeit ebenfalls bei den Lebensversicherungen, denn auch hier führen die niedrigen Kapitalmarktzinsen dazu, dass die Rendite für die Versicherten in der jüngeren Vergangenheit gesunken ist. Zum einen haben sich die Garantiezinsen in den letzten zehn Jahren deutlich reduziert, zum anderen müssen immer mehr Lebensversicherer darüber hinaus die Überschussbeteiligung senken. Dass solche sicheren Anlageformen aufgrund der geringen Zinsen für viele Anleger unattraktiv geworden sind, zeigt sich sicherlich auch in der extrem positiven Entwicklung, die Aktien in der jüngeren Vergangenheit gemacht haben. Denn der historische Höchststand beim Deutschen Aktienindex (DAX), der vor kurzer Zeit erreicht wurde, kommt aller Voraussicht nach auch deshalb zustande, weil immer mehr Anleger in Aktien eine Alternative zu den wenig rentablen verzinslichen Geldanlagen sehen.