BLOG

Gerard im Interview

25/11/2015 11:40 CET | Aktualisiert 25/11/2016 11:12 CET

2015-11-25-1448437302-981094-Gerard_2_72dpi.jpg
(c)Kidizin Sane; Auf dem Bild: Gerard

Kürzlich erschien mit „Neue Welt" das neue Album des Rappers Gerard. Dies haben wir zum Anlass genommen und den Künstler interviewt. Gesprochen wurde über die gerade abgeschlossene Tour, das Album „Neue Welt", Hip Hop und vieles andere.

Hallo. Und danke für das Interview. Wie geht es dir gerade?

Sehr gut, wenn auch müde. Wir kommen ja gerade von der „Neue Welt Tour" zurück. Wenn man ein knappes Monat unterwegs ist und man jeden Tag sehr viele Eindrücke sammelt, muss man sich erstmal wieder an das zuhause sein gewöhnen.

Nach „Blausicht" ist nun „Neue Welt" dein neues Album. Worin siehst du den Unterschied in Sachen Lyrik und Musik?

Ich will mich als Künstler immer neu finden. Nicht neu erfinden aber finden. So habe ich mich bewusst entschieden dieses Album auf mehreren Ebenen von dem Vorgänger abzuheben. Das beginnt von der Erzählweise, diesmal berichte ich nicht so sehr detailliert von meinem eigenem Leben in einer Großstadt sondern ich habe mir globalere Themen vorgenommen. Ich betrachte uns als Menschheit in der Weltgeschichte. Eine Art Bestandsaufnahme, wo sind wir jetzt, worüber werden uns die Menschen in hundert Jahren auslachen. Thematisch ist es eine Art Utopie wie eine Neue Welt aussehen könnte.

Du hast auch irgendwann begonnen. Wie entstand deine Liebe zum (deutschen) Hip Hop?

Mit 12,13 fiel mir meine erstes Deutschrap Album in die Hände und ich war sofort fasziniert davon wie darauf mit der Sprache umgegangen wurde. Endlich habe ich jedes Wort verstanden und ich fand sofort Gefallen daran selbst mit der deutschen Sprache zu experimentieren.

Wie hat alles bei dir angefangen mit dem Aufnehmen? Welches Equipment, Programme, ... kamen damals zum Zuge?

Puh, das ist schon sehr lange her. Ich glaube es war der Magic Music Maker. Ich hatte wirklich schäbiges Equipment und es hat alles nur so gerauscht. Ich weiß noch, dass früher immer mein größtes Ziel war einmal einen Song in toller Qualität zu haben.

Hast du vor dem Übergang von Hobby zum Beruf ein anderes Standbein gehabt, wenn ja welches?

Die Aussicht dass man irgendwann mal nicht nur für sondern auch von der Musik leben kann, kam zum ersten mal gegen Ende meines Studiums in mein Blickfeld, als mich ein Künstler als Support auf seine Tour mitgenommen hatte und da wusste ich: ok, das will ich mein Leben lang machen und wenn man genug Energie reinsteckt, scheint es irgendwann auch aufzugehen. Ich musste nach meinem Studium dann noch ein halbes Jahr ein Praktikum machen, was quasi noch zum Studium dazugehörte aber dann konnte ich mich endlich voll auf meine Leidenschaft konzentrieren.

In einem Interview hast du gesagt, dass es möglich ist viele / alle Reime beim Schlager zu erraten und es Rapper gibt, die solche Texte schreiben. Hast du aktuell Beispiele dafür?

Mhm ne, ich glaube das wäre den Herrschaften nicht Recht. Ich tu es auf jeden Fall nicht.

2015-11-25-1448437393-5860487-Gerard_5_72dpi.jpg
(c)Kidizin Sane; Auf dem Bild: Gerard

Für wen würdest du schreiben (wollen), wenn die Möglichkeit bestünde?

Für Künstler die ich persönlich schätze und feiere. Aber ich bin kein Fan von dieser Songwriter Fließband Arbeit, im Sinne von: Wir suchen Songs im Stil von Song x und dann schreibt man einfach mal und man hofft dass der Song irgendwo unterkommt. Da geht für mich der Zauber an Musik verloren. Musik und das Texten im speziellen ist für mich immer etwas sehr persönliches und da ist es mir wichtig mit der Person die den Song später performt auch auf einer Wellenlänge zu sein.

Was für eine Bedeutung hat „Licht" für dich? Gibt es einen weiteren Song mit einem solchen Status, also, der so persönlich für dich ist, wenn ja welcher und warum?

Der Song ist meinem verstorbenen Opa gewidmet, von dem ich meine kreative Ader geerbt habe, denke ich. Er war selber leidenschaftlicher Fotograf, konnte aber seine Leidenschaft nie zum Beruf machen, da es die damaligen Umstände einfach nicht erlaubten. Grundsätzlich ist der großteil meiner Songs sehr persönlich, da gibt es keine Rangordnung.

Wie hast du den Release von „Neue Welt" wahrgenommen und das Feedback dazu?

Das Feedback war sehr gut, auch wenn in vielen Reviews und Kommentaren zu lesen war, dass man das neue Album öfter hören muss damit es sein ganzes Potential offenbart. Aber das war mir schon vorher bewusst, dass man sich dieses mal mehr mit dem Album in seiner Gesamtheit auseinandersetzen muss. Es ist auf jeden Fall ein „Grower" wie man so schön sagt.

Die Tour lief für Oktober / November. Was für Eindrücke konntest du sammeln?

Es ist einfach immer wieder schön zu sehen wie toll die Menschen sind die die eigene Musik hören. Man trifft bekannte Gesichter, lernt neue Leute kennen und es ist jedes mal eine großartige Energie im Raum. Man lernt Städte kennen und lieben. Ich freue mich echt schon wieder auf die nächste Tour.

Viele Künstler sagen, das sie direkt (oder ziemlich nah) zum Releasedate schon neue Texte für ein neues Album schreiben. Ist das bei dir auch so?

Nein überhaupt nicht. Bis zum Ende der Tour war ich im Kopf auf jeden Fall bei „Neue Welt", dadurch dass ich ja auch am Visuellen und überhaupt bei jeder Kleinigkeit sehr stark involviert bin, habe ich in meinem Kopf noch gar keinen Platz für Gedanken an etwas Neues. Da muss ich zuerst abschließen um mich wieder neu orientieren zu können.

Die letzten Worte gebühren dir. Was möchtest du noch loswerden? Vielen Dank für das Interview.

Ich bin bei den letzten Worten immer sehr schlecht, aber ich danke dir für das Interview und jedem der meine Kunst verfolgt!

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite