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Fettes Brot im Interview

13/08/2015 10:12 CEST | Aktualisiert 13/08/2016 11:12 CEST

2015-08-12-1439418548-991297-FettesBrot.jpg (c) Jens Herrendorf; Auf dem Bild: Fettes Brot

Vor einigen Wochen wurde ich schon bemustert mit „Teenager vom Mars", dem neuen Album von Fettes Brot. Ein erfreulicher Tag. Dann horchte die Promo-Agentur mal nach. Gefällt es? Lust auf ein Interview? Ja, sagt mir zu. Interview? Mache ich nur per E-Mail. Kein Problem, schick die Fragen. Ich dachte, das ich mich da noch verlesen hätte. Habe ich nicht.

Rumgesurft und Fragen versucht zu finden. Alte und neue Themen sollten angeschnitten werden. Ich glaube, das ist mir ein wenig gelungen. Fettes Brot hat auf jeden Fall alles ausführlich beantwortet, so, das hier jetzt ein Interview über „Teenager vom Mars", Spaß, Musik, Werdegang, Brote Flora und einigem mehr zu lesen ist. Danke an die Brote und an die Agentur! Die Fragen wurden von Björn Beton (BB) und König Boris (KB) beantwortet.

1. Wenn man eines sagen kann, dann, dass ihr mit Spaß und Ernst gleichermaßen an die Musik herangeht. Wie schafft man das über zwanzig Jahre lang? Was ist euer Rezept für Spaß und den nötigen Ernst - live, auf dem Album, privat,... ?

BB: Was wir musikalisch machen, spiegelt gut wider, wie wir drei Typen zusammen funktionieren. Wir versuchen wahlweise dem Ernst des Lebens eine humorvolle Seite abzuringen, oder einen Spaß mit dem nötigen Ernst zu betreiben. Hätten wir ein Rezept, wie wir es so lange miteinander aushalten, ich würd's vielleicht sogar verraten. Ich tippe mal: weil wir einander so sehr schätzen.

2. Euer kommendes Album heißt „Teenager vom Mars". Wieso denn genau der Mars und wieso als Teenager? „Erwachsene vom Jupiter" klingt doch auch super, oder?

BB: Nee, klingt nicht mal halb so geil. Dass es Leben auf dem Mars gibt, bezweifelt doch niemand. Seit den 50er Jahren kommen immer wieder wahlweise Amazonen, grüne Männchen, Nazi-Zombies oder unter-bespaßte Teenager von da. Wir fühlen uns hier auf dem blauen Planeten schon lange wie Teenager aus einer anderen Welt, und wissen deshalb, wie die Ausserirdischen über uns denken.

3. Wie würdet ihr euren Werdegang seit „Nordisch by Nature" bis heute in wenigen Sätzen beschreiben?

BB: Nicht so übel, wenn man bedenkt, dass selbst unser Manager uns seinerzeit eine Lebensdauer von maximal 5 Jahren prophezeit hatte. Ich würde sagen: wir sind so etwas, wie ein „Wels in der Brandung" (sic!).

4. Wie würdet ihr den Mix des Albums „Teenager vom Mars" beschreiben? Was erwartet eure Fans dort?

BB: Ich bin manchmal beim Hören von Alben etwas irritiert, wie gleichförmig sie mir erscheinen. Acht von 12 Liedern haben dasselbe Tempo, dieselben Drum Sounds und sogar die Refrains sind irgendwie gleich. Das verwundert mich. Wir hingegen wollen immer Alben machen, die einen mit auf eine Reise nehmen.

5. Mir fällt auch bei diesem Album wieder auf: Ihr klingt auf jeder Platte anders. Es gibt einige Künstler, da erwartet man Stagnation, weil man sie gut findet. Ihr habt euch für neue Sounds und Elemente in eurer Musik entschieden. Lebt HipHop aus eurer Sicht von derlei Freiheiten, oder sollte es lieber ein relativ eng gestricktes Konstrukt sein?

BB: Naja ... Ich kann das Gefühl nachvollziehen, dass man sich von dem einen oder anderen Künstler einfach nur 10mal dasselbe Album in neu wünscht, aber glaubt mir, das wird selbst den härtesten Fans zu langweilig. Ich mag Alben bei denen man merkt, dass die Künstler etwas in die Waagschale geworfen haben, selbst dann, wenn sie das ein oder andere Mal daneben langen: die Spitzen sind spitze.

6. Ihr habt mit „Fußballgott" einen Fußball-Song geschrieben. Hat sich das im letzten Jahr bemerkbar gemacht, nachdem Deutschland weitergezogen ist - also im Sinne von Wünsche bezüglich eurer Setlist oder ähnlichem. Man wünscht es sich natürlich, habt ihr euch so einen Ausgang der WM erträumen können? Ich meine, das Spiel gegen Brasilien als Gastgeberland war ja schon irgendwie surreal.

KB: Den Song haben wir tatsächlich ausschließlich zu WM-Zeiten gespielt. Losgelöst davon, macht es keinen Sinn. Der WM-Ausgang war natürlich krass. Beim Spiel gegen Brasilien hatte ich fast ein schlechtes Gewissen.

7. 2013 habt ihr unter dem Namen „Brote Flora" gespielt und auch eine Anzeige kassiert. Wie ist das Procedere noch für euch verlaufen?

KB: Das war herrlich. Die Leute von der Flora hatten uns angesprochen, mal wieder eine Show bei ihnen zu spielen. Gleichzeitig hatte der damalige Eigentümer gerade ein Thema mit der Stadt Hamburg, denn er wollte, dass diese ihm die Flora für möglichst viel Geld wiederabkauft. Also hat er Staub aufgewirbelt, um die Stadt unter Druck zu setzen. Uns wurde als Band Hausverbot erteilt, weil er wohl die fixe Idee hatte, dass bei dem Konzert wahnsinnig viel Geld verdient wird (Anmerkung: Eintrittspreis EUR 5.-), und er von den Fantastillionen was abhaben muß. Wir haben das alles ignoriert und trotzdem gespielt. Drinnen 500 Leute, draußen ein paar Tausend auf dem Vorplatz, und endlich Staatsfeind für einen Tag. Perfekt!

8. Das mit Brote Flora hat ja ebenfalls einen ernsten Hintergrund. Wie geht es euch mit Pegida und den „besorgten Bürgern"? Können die Fans auf einen Song zur Thematik hoffen?

KB: Was diesbezüglich gerade in Deutschland passiert, ist ekelhaft. Ein Haufen Arschgeigen, die sich in der modernen und unübersichtlich gewordenen Welt nicht zurechtfinden, sind auf der Suche nach einem einfachen Feindbild, um daran ihre Ängste abzureagieren. Unterlegt mit Schlagermusik und Texten mit 50er Jahre Weltbild. Das ganze findet dann auf dem Rücken von hilfesuchenden Menschen statt, die teilweise durch die Hölle gegangen sind. Das ist an Charakterlosigkeit nicht zu überbieten. Widerlich. Und ja: das wird auch auf unserem neuen Album thematisiert.

9. Ihr geht auch immer noch auf ausgedehnte Tourneen. Andere Künstler sprechen von Zeit, die man hat aber gleichzeitig auch zu wenig, um etwas von der Stadt zu sehen oder großartig was zu unternehmen. Wie überbrückt ihr die Zeit zwischen Ankunft und Soundcheck und dann wieder bis zum Auftritt?

KB: Tischtennis ist das große Geheimnis. Wir nehmen auf Tour immer eine eigene Platte mit, und dann wird gezockt, was das Zeug hält. Und ansonsten natürlich Nutten und Koks.

10. Was sind eure favorisierten Künstler im musikalischen Bereich, welche Tipps habt ihr da?

KB: Oh, da gibt es natürlich viel. Fatoni und die Antilopen Gang begeistern uns gerade. Deswegen haben wir sie auch eingeladen, mit uns auf Tour zu gehen. Neugierigen empfehle ich die bei Spotify gesammelte Playlistenmusik unserer Njoy-Radioshow „Was wollen wissen".

11. Auf eurem Album gibt es eine musikalische Mischung. Welche(s) Stück(e) haben sich als Favoriten herauskristallisiert und welche, wenn es nicht die gleichen sind, werden auf Tour gespielt?

KB: "Von der Liebe" ist die erste Singleauskopplung, die im Radio läuft und zu der es auch ein Video geben wird. Und dann haben wir noch ein tolles Sci-Fi-Spektakel zu dem Titelstück „Teenager vom Mars" gedreht. Kann man bereits Online bewundern. Was von der neuen Platte bei den Konzerten zu hören sein wird, ist noch nicht ganz klar, aber es wird wie immer eine gute Mischung geben aus Neuem und Klassikern, und das direkt in die Fresse.

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