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Abzocke in Notsituationen gerichtlich untersagt

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Viele kennen das: Man steht vor der zugefallenen Tür, kein Schlüssel dabei und dann muss der Schlüsseldienst angerufen werden. Dieser kommt, macht seine Sache und verlangt häufig einen Preis, der horrende Ausmaße hat. Jetzt hat die Verbraucherzentrale eine Klage gewonnen und gibt dazu Tipps, wenn der Schlüsseldienst mal wieder zu hohe Preise verlangt.

Vor dem Landgericht Rostock konnte die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) einen Sieg gegen den Schlüsseldienst Sun 24 erringen. Der Streitpunkt bestand aus mehreren, nach Ansicht der Verbraucherschützer, unrechtmäßigen Regelungen im Auftragsformular des Schlüsseldienstes. Die Auffassung der VZB wurde vom Gericht bestätigt. Dennoch haben Betroffene jedoch wenig Grund zur Freude.

Sieben unwirksame Regelungen waren in dem Auftragsformular vom Schlüsseldienst Sun 24, das dieser den Verbraucher vorlegte und vor der Arbeit unterzeichnen ließ. „Mit der Unterschrift unter dem Auftrag unterzeichneten Betroffene so Klauseln, die den Notdienst von jeglicher Verantwortung für Fehler freisprechen sollten", erklärt Juristin Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Sun 24 versuchte sich laut der VZB, sich von der Haftung im Falle eines Mangels freizusprechen. Dazu gab es noch Kleingedrucktes zu angeblich bereits getroffenen Preisvereinbarungen. Außerdem stand dort geschrieben, dass der Auftrag zur Zufriedenheit des Kunden ausgeführt wurde. „Es ist natürlich nicht möglich, vor der Ausführung von Arbeiten die Zufriedenheit zu bestätigen und dies darüber hinaus zum Bestandteil des Vertrages zu machen", so die Verbraucherschützerin. "Die Wirkung der beanstandeten Klauseln ist eindeutig: Verbraucher werden nach Bezahlung vor Ort davon abgehalten, Rückforderungsansprüche zu stellen."

Das Gericht hat die Ansicht der Verbraucherzentrale bestätigt und dem Schlüsseldienst untersagt, diese Regelungen weiterhin zu benutzen. Allerdings existiert die Firma Sun 24 inzwischen nicht mehr. Deshalb bleiben betroffene Verbraucher auf den überhöhten Rechnungen sitzen", erklärt Fischer-Volk.

„Bei begründeten Zweifeln an der Höhe des Preises, den der Schlüsseldienst vor Ort in Rechnung stellt, ist es immer besser, zunächst hartnäckig zu bleiben. Verbraucher sollten dann nur einen Teil der Summe anzahlen und die Rechnung auf ihre Rechtsmäßigkeit hin überprüfen lassen."

Um einen Streit vorzubeugen, sollte man am Telefon die Notlage genau schildern und mit dem Schlüsseldienst einen Festpreis vereinbaren. Dieser sollte auch die Anfahrtspauschale beinhalten. Das Öffnen einer zugefallenen Tür dauert in der Regel nur wenige Minuten und kostet etwa 75 bs 100 Euro. Darüber hinaus werden Zuschläge fällig, wenn die Einsätze außerhalb der üblichen Zeiten liegen, oder am Wochenende, Feiertagen et cetera.