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Wie gefährlich ist Hypnose?

17/02/2016 13:04 CET | Aktualisiert 17/02/2017 11:12 CET
& Deni Mcintyre Will via Getty Images

Mal Hand aufs Herz: Wenn man sich noch nie mit dem Thema Hypnose beschäftigt hat, kann einem schon ein ganz klein wenig mulmig dabei werden. Zu sehr haben uns Hollywood und Boulevardpresse auf das Bild des pendelschwingenden, rauschebärtigen Magiers eingeimpft, der seine Opfer mit stechendem Blick und verschwörerischem Gemurmel dazu bringt, Dinge zu tun, die sie selbst nicht tun wollen.

Dinge, die peinlich oder kriminell sind. Dinge, an die sich die Hypnotisanden im Anschluss noch nicht einmal mehr erinnern können, was den Gipfel des persönlichen Kontrollverlustes darstellt: Die Hypnose als Narkose des gesunden Verstandes.

Seit 15 Jahren bin ich Hypnotiseur und seit 15 Jahren begegnen mir diese Klischees wieder und wieder, und das nahezu täglich. Gerade in meinen ersten Berufsjahren habe ich mich noch damit abgeplagt, die Dinge aus einer defensiven Haltung heraus relativieren zu wollen. Was in den seltensten Fällen zielführend war (Qui se excusat, se accusat - wer sich verteidigt, klagt sich selbst an).

Irgendwann habe ich mir dann angewöhnt, mit sachlich-präzisen Informationen zu kontern. Und dabei immer wieder die Plausibilitätsfrage mit ins Spiel gebracht - was nichts anderes heißt, als die Dinge aus der Perspektive des gesunden Menschenverstands heraus zu betrachten und sich zu fragen, wie wahrscheinlich etwas überhaupt sein kann.

Das sind die Top 4 der häufigsten Hypnoseklischees und meine jeweiligen Antworten dazu!

Hypnose macht willenlos

Das Wort Hypnose leitet sich vom altgriechischen Wort hypnos ab und steht für Schlaf. Und genauso stellen sich viele Menschen eine Trance (den Zustand der Hypnose) auch vor: Im Tiefschlaf gefangen sein, den Worten des Hypnotiseurs ausgeliefert - wie ein Computer, der bedingungslos umprogrammiert werden kann.

Vollkommen unabhängig vom eigenen Willen und Wollen.

Dass diese Vorstellung ziemlicher Quatsch ist, beweist die tagtägliche Praxis tausender Hypnotherapeuten auf der ganzen Welt. Im Zustand der Trance mag zwar die Außenwahrnehmung stark eingeschränkt sein, so dass man ein Stück weit das Gefühl für Raum und Zeit verliert - der Innenkontakt nimmt jedoch im gleichen Maße zu, so dass man wesentlich enger mit den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Vorstellungen in Kontakt gerät.

Wer mit sich selbst besser in Kontakt steht, weiß auch besser, was er will

Eine gut angeleitete Hypnose ist eine Reise hin zum Kern der eigenen Persönlichkeit - fernab der künstlichen Schutzschichten, die wir uns im Laufe unseres Lebens durch Erziehung, Traumata und sonstige Erfahrungen zugelegt haben.

Das macht Hypnose zum perfekten Werkzeug, den eigenen Willen tatsächlich noch stärken zu können.

Hypnose benebelt den Geist

Menschen, die die Kraft der Meditation schätzen, scheuen häufig den Einsatz von Hypnose. Grund dafür dürfte eine etwas unglückliche Definition der Hypnose sein, die sich irgendwann einmal eingeschlichen hat und die fachlich alles andere als korrekt ist. Diese Definition besagt, dass es sich bei Hypnose um eine Einengung des Bewusstseins handelt, um das Unbewusste besser erreichen zu können.

Vielmehr müsste es jedoch heißen, dass Hypnose die kritischen Verstandesanteile zur Ruhe kommen lässt, die vielerlei Veränderungswünschen im Weg stehen. Beispiel: Ein Raucher, der zwar gerne sein Laster aufgeben möchte, jedoch von Selbstzweifel und Angst zerfressen wird.

Eine sachgerecht durchgeführte Hypnose führt zu mehr Klarheit, Wachheit und persönlicher Autonomie.

Hypnose würde hier eine Möglichkeit bieten, sich auf der Spielwiese des eigenen Unbewussten als freien, glücklichen Menschen erleben zu dürfen - ohne, dass die Ratio mit ihrem "das hast du doch schon so oft probiert, und nie hat es geklappt - warum sollte es diesmal funktionieren?" dazwischenfunkt.

Das Bewusstsein als solches wird de facto nicht eingeengt. Im Gegenteil: Gerade in Regionen, in denen die Meditation mit zur landestypischen Kultur gehört, wie etwa in Indien, wird die Hypnose als höchst probates Mittel geschätzt. Dieses dient um tief entspannen zu können und um auf eine bewusstseinserweiternde Meditation vorzubereiten.

Hypnose ist gefährlich

Der Mensch hat Angst vor dem, was ihm Unbekannt ist. In allen Epochen gab es Verführer, die diesen Mechanismus genutzt haben, um erst Angst zu schüren und diese dann für ihre eigene Agenda geschickt auszunutzen (ein Blick auf die momentan politische Lage genügt übrigens, um das Ausmaß dieses Mechanismus in vollem Umfang begreifen zu können).

So auch bei der Hypnose: Immer wieder liest man von Fällen, in denen die Hypnose für welchen Zweck auch immer missbraucht wurde. Hakt man hier jedoch kritisch nach, hat sich noch so gut wie jedes Schreckensszenario als äußerst unwahrscheinliches, künstliches Konstrukt entpuppt.

Weder gibt es Menschen, die nicht mehr aus der Hypnose aufgewacht sind, noch Menschen, die durch die Hypnose zu Dingen gebracht werden konnten, die nicht von Haus aus ihren persönlichen Wünschen und Neigungen entsprochen hätten.

Dinge, die man in der Showhypnose erlebt, sind meist recht harmlos und die Kandidaten genießen es in aller Regel, vor Publikum etwas vorführen zu dürfen (wobei der Rahmen der Showhypnose dafür sorgt, dass man für das eigene Handeln gewissermaßen keine Verantwortung trägt - schließlich befindet man sich ja in Hypnose).

Hypnose ist nicht für jeden geeignet

Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, dass es tatsächlich auch Ausnahmen gibt: Labile Personen mit einer schwach ausgeprägten Reife ihrer Persönlichkeit können - genauso wie psychiatrisch auffällige Menschen (wie z.B. bei Wahnerkrankungen oder Manie) - die Hypnose als Anlass sehen, emotional über die Stränge zu schlagen.

Und es sind genau diese Ausnahmen, die die Verfechter der Meinung, Hypnose sei überaus gefährlich, immer wieder in ihrer Haltung bestätigen. Ohne zu merken, wie sie das Kind mit dem Badewasser ausschütten, in dem sie per Generalbeschluss die Ausnahme zur Regel hochstilisieren.

Fakt ist: Für emotional und psychisch gesunde Menschen ist Hypnose nicht nur ein sicheres, sondern auch äußerst hilfreiches Mittel. Es kann dabei unterstützen mit dem Rauchen aufzuhören, überflüssige Pfunde zu verlieren und Selbstwert zu tanken. Aber auch profunde Veränderungsprozesse wie zum Beispiel die Loslösung von Angst, genauso wie die Rückgewinnung von Lebensfreude und Vitalität werden unterstützt..

Hypnose manipuliert

Ja, das tut sie - und was können wir froh darum sein! Manipulation bedeutet in weiteren Sinne nichts anderes als etwas zu verändern. Und genau das ist auch die Absicht der therapeutisch angewandten Hypnose: Einen defizitären Zustand hin zu einem wünschenswerten zu begleiten.

Vom sich schlecht, kraftlos und machtlos fühlen hin zu einem Erleben von Selbstermächtigung, einer inneren Kraft und dem wolhtuenden Gefühl, die Dinge gut im Griff zu haben.

Leider ist das Wort Manipulation derart stigmatisiert, als dass wir häufig nur die verdeckte Manipulation darunter verstehen - dass mit uns etwas gemacht wird, ohne dass wir was davon mitbekommen. Und genau das ist es eben nicht, was die Hypnose beabsichtigt.

Vielmehr geht es darum, Dinge, die wir tatsächlich auch wollen, aber nicht können, dahingehend zu wandeln, dass sie uns plötzlich möglich werden.

Grundvoraussetzung hierfür ist natürlich eine klare Auftragslage: In der modernen Hypnotherapie bildet das Zielegespräch mit dem Klienten die Basis für alle weiteren Interventionen. Die sich wiederum einzig und alleine an dem ausrichten, was gemeinsam als Zielsetzung vereinbart wurde.

Wenn ich also die zugrunde liegende Absicht mit in Betracht ziehe, bekommt das Wort Manipulation plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Wo die Werbung versucht, mich ohne eigenes Einverständnis und Willenserklärung zu manipulieren, hilft die Hypnose dabei, schlechte und ressourcenschwache Zustände hin zu dem zu verwandeln, was ich mir selbst auch wirklich wünsche.

Hypnose als Therapie: Sicher und effektiv

Die moderne Hypnose ist also nicht nur unglaublich sicher, sondern auch überaus wirkungsvoll: Zahlreiche internationale Studien belegen dies eindrucksvoll. Insofern stellt sie für viele Menschen eine willkommene Alternative zu herkömmlichen Psychotherapien dar.

Aber auch im Coaching und der Gesundheitsprävention kommen immer häufiger hypnotherapeutische Strategien zum Einsatz - als probate Mittel, um gewünschte Veränderungsprozesse in Gang zu setzen.

Hypnose ist kein anerkannter Lehrberuf und kann in Deutschland von jedermann angeboten werden, ungeachtet der jeweiligen Qualifikationen und Ausbildungen. Es ist daher empfehlenswert, bei der Suche nach einem Hypnotiseur ausreichend Zeit damit zu verbringen, eine geeignete Auswahl zu treffen.

Hilfreich kann dabei die Mitgliedschaft des Hypnotiseurs in einem der größeren Verbände sein, wie etwa dem Deutschen Verband für Hypnose e.V. (DVH). DVH e.V.-Mitglieder sind an einen umfangreichen Ethikkodex gebunden, zudem existiert ein eigener Beirat für Qualitätssicherung.

Aber: Ausbildungen und Verbandsmitgliedschaften alleine sind sicherlich nicht die einzigen oder wichtigsten Qualitätsmerkmale für einen Hypnotiseur.

Empathie, Einfühlungsvermögen und eine gut entwickelte, therapeutische Denke sind in vielen Fällen das A und O erfolgreich begleiteter Veränderung. Und das sind Dinge, die sich in einer Ausbildung oder einem Studium nur bedingt lernen lassen.

Vergessen Sie also bei der Auswahl eines geeigneten Hypnotiseurs niemals, auch auf Ihr Bauchgefühl zu hören! Wenn Sie dann einen kompetenten Hypnotiseur gefunden haben und die Macht der Trance selbst erfahren durften, werden Sie vermutlich selbst über die unzähligen Klischees zum Thema Hypnose schmunzeln.

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