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Das Schauspiel des Lebens.

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Manchmal scheint das Leben ein einziger Maskenball zu sein: Man w├╝nscht sich Echtheit, sehnt sich nach Authentizit├Ąt - bekommt stattdessen aber vielerorts nur ein Schauspiel geboten, das wenig mit den Menschen hinter der Maske zu tun hat. Meinungen und Gef├╝hle werden inszeniert, das Publikum wird instrumentalisiert. Hauptsache, die Show gelingt und am Ende der Vorstellung wartet der hei├č ersehnte Applaus!

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich nun um die B├╝hne des Lebens handelt, um die Selbstpr├Ąsentation auf Facebook und Co, oder das Gespr├Ąch mit Kollegen oder auch guten Freunden: Masken findet man ├╝berall. Wir alle tragen sie, schlie├člich k├Ânnen sie ab und an auch mal ganz n├╝tzlich sein. Jedoch macht die Dosis das Gift: Wenn wir unsere Masken zu oft tragen, verschmelzen wir irgendwann damit - und haben keine Chance mehr, unser wahres Gesicht zu zeigen.

Warum Schauspiel nicht unbedingt gl├╝cklich macht.

Einen wertvollen Impuls, meine eigenen Masken zu ├╝berdenken, habe ich letztes Jahr auf der Konferenz des Deutschen Verbands f├╝r Hypnose e.V. in M├╝nchen erhalten. Dort hielt der tschechische Rockstar Daniel Landa einen Vortrag zum Thema Mentaltraining in der Kunst, und erz├Ąhlte bei der Gelegenheit gleich ein wenig aus seinem Leben.

Schon mit Anfang 20 war Daniel in Tschechien landesweit bekannter Schauspieler. Zufrieden war er jedoch nicht. Es fehlte ihm die Authentizit├Ąt im Schauspiel. Gef├╝hle, Szenen: Alles nur gespielt, nichts davon echt.

Trotz einer sicheren Karriere als Darsteller entschloss er sich, den Job an den Nagel zu h├Ąngen und wurde stattdessen Musiker. Eine mutige Entscheidung, die allerdings von Erfolg gekr├Ânt war: Binnen k├╝rzester Zeit avancierte er zum waschechten Rockstar, den heute - nach einer ├╝ber zwei Jahrzehnten andauernden Karriere - in Tschechien jedes Kind kennt. Sein Ziel hatte er damit erreicht: Kein Schauspiel mehr bieten zu m├╝ssen, sondern echt sein zu d├╝rfen. Kein Schauspieler mehr zu sein, sondern: Spieler!

Seit dem Vortrag habe ich das Thema immer wieder mal f├╝r mich reflektiert, schlie├člich hat Daniel Landa da ein paar starke Impulse geliefert. Und eine gute Unterteilung zwischen Schauspielern, Zuschauern und Spielern getroffen.

Schauspieler, Zuschauer - oder Spieler?

Die Schauspieler finden wir nicht nur auf der B├╝hne oder im Fernsehen, sondern sehr h├Ąufig im echten Leben. Sie spielen f├╝r Geld, f├╝r Ruhm oder daf├╝r, eine Story zu liefern, die das Publikum begeistert. Ein Schauspieler kann sein wahres Selbst perfekt verstecken und zeigt eben die Rolle, die den Erwartungen des Publikums gerecht wird.

Bei ihnen ist alles ein wenig greller, lauter und expressiver. Es gilt, um Leben oder Tod gesehen zu werden - ganz gleich, ob es sich dabei um die Theaterb├╝hne, das Privatleben, den Job, ein Seminar, ein Gespr├Ąch oder die B├╝hne des Lebens handelt. Gro├če Geschichten wollen schlie├člich mit gro├čem Pathos erz├Ąhlt werden. Ein Schauspieler muss auffallen und gesehen werden. Ob die dabei erz├Ąhlte Geschichte wahr und echt ist, oder ob sie auf reiner Vorstellungskraft beruht, spielt dabei keine Rolle.

Gro├če Geschichten brauchen gro├čen Pathos - ganz gleich, ob sie wahr sind oder nicht.

Wenn sie erstmal ihre B├╝hne betreten haben, erz├Ąhlen sie dir gro├če Geschichten von Liebe, von Hass - von Romanzen, Abenteuern und Kreuzz├╝gen. Mal sind sie K├Ânig, mal Prinzessin - ein andermal Bettler oder Opfer. Sie gehen voll und ganz in ihrer Rolle auf und auch die Zuschauer verlieren irgendwann den Sinn f├╝r die Realit├Ąt. Erst, wenn der Vorhang f├Ąllt, wenn der wohlverdiente Applaus verstummt, f├Ąllt die Maske und der Schauspieler sieht sich wieder mit dem eigenen, echten Leben konfrontiert.

Die Zuschauer? Nun: Die genie├čen das Schauspiel, sorgen f├╝r den n├Âtigen Applaus - und k├Ânnen dabei bequem in der Passivit├Ąt bleiben. Sie m├╝ssen die Gef├╝hle nicht selbst durchleben, sondern k├Ânnen sich (in der Sicherheit des abgedunkelten Zuschauerraums) an dem bedienen, was ihnen gezeigt wird.

Und die Spieler? Klar - die spielen! Fernab aller B├╝hnen und Zuschauer. Mit Spa├č, mit Freude, ohne feste Absicht - und mit der herrlichen Freiheit, die sich erst dann einstellt, wenn es kein Drehbuch mehr gibt und das Ende nicht im Vorfeld schon festgelegt scheint.

Welche Rolle will ich selbst spielen?

Ich selbst habe immer mal wieder verschiedene Phasen im Leben durchlaufen. Mal war ich Schauspieler, und habe eben das gezeigt, was (meiner Meinung nach) das Publikum begeistern k├Ânnte. Mal war ich Zuschauer, und habe mich von Schauspielern und ihren Geschichten begeistern lassen.

Spieler war ich - bislang - leider zu selten. Gut, dass mich Daniel hier aufgeweckt hat. Was f├╝r eine sch├Âne Einladung, wieder zur├╝ck zur eigenen Spiel- und Lebensfreude zu finden!

Am Ende des Tages muss man sich selbst entscheiden, welche Rolle man im Leben spielen m├Âchte. Oder ob man ├╝berhaupt eine Rolle spielen will - und nicht stattdessen einfach mal mutig die Maske ablegt, den Theatersaal verl├Ąsst, rausgeht ins Leben, und einfach: Spielt! Mit all den M├Âglichkeiten, die einem das Leben so zu bieten hat. Ganz frei, ungezwungen, mit unglaublich viel Freude.

Denn: Wer sich nur im Schauspiel verliert, wird irgendwann darin ertrinken und die Bretter der B├╝hne mit dem Spielfeld des Lebens verwechseln. Und wer es sich immer nur auf dem Zuschauersessel bequem macht, wird auch irgendwann tr├Ąge und bequem, und sich damit abfinden, von den Geschichten der Schauspieler berieselt zu werden. Gef├╝hle werden dann nicht selbst erlebt, sondern fremdkonsumiert.

Wichtig ist wohl, selbst zu wissen, in welchem Bereich seines Lebens man mehr Zeit verbringen m├Âchte. Und achtsam zu sein, dass man nicht in einer einzelnen Position (und damit in einer Rolle) steckenbleibt, oder gar in diese gedr├Ąngt wird. Schauspiel hat fast immer ein Skript, ein Drehbuch - sehr h├Ąufig, ohne dass es einem bewusst w├Ąre. Damit auch einen bestimmten Ablauf und Ausgang, ohne M├Âglichkeit, in all die anderen Facetten des Lebens reinschnuppern zu d├╝rfen. Man wird Sklave des eigenen Skripts, erliegt der Illusion des Schauspiels, und wird niemals richtig frei sein.

Die Sucht nach dem eigenen Lebensdrama.

Je mehr man dann in seiner Rolle versinkt, desto s├╝chtiger wird man nach der eigenen Story - h├Ąufig gew├╝rzt mit einer starken Prise Dramadreieck. Kurzerhand werden dann andere Mitspieler zu T├Ątern deklariert, um selbst als Retter brillieren zu k├Ânnen, oder um zumindest um als Opfer ein wenig Mitglied erhaschen zu k├Ânnen. Typisch Dramaking oder -queen, eben.

Das Resultat ist meist eine v├Âllige Unf├Ąhigkeit, das eigene Drehbuch hinter sich zu lassen. Oftmals aus Angst, dass das Scheinwerferlicht pl├Âtzlich ausgeht, dass der Vorhang f├Ąllt - und dass das Publikum ohne die spannende Geschichte pl├Âtzlich kein wirkliches Interesse mehr an einem hat. Oder schlimmstenfalls gar die traurigen Augen und die Verzweiflung hinter der Maske erblickt?

Man schauspielert also flei├čig weiter, Hauptsache, es gibt Applaus und man bekommt Interesse geschenkt - ohne jegliche R├╝cksicht darauf, wieviel Kraft es einen kostet. Ohne R├╝cksicht darauf, wie viel vom eigenen Selbst im Schauspiel doch eigentlich verloren geht.

Warum die Welt auch Schauspieler braucht.

Trotz alledem: Nichts gegen die Schauspieler - wir brauchen sie! Wie langweilig w├Ąre das Leben ohne sie. Wie ├Âde, wenn es gar kein Drama mehr gebe. Machmal tut ein wenig Schauspiel ganz gut, lenkt ab, entspannt und unterh├Ąlt. Vermutlich kann und sollte man die einzelnen Positionen nicht werten - sehr wohl aber deren Gewichtung. Im ├Âffentlichen Umfeld oder Job kann es manchmal hilfreich sein, eine Rolle zu spielen. Man muss nur tierisch darauf achten, sich nicht darin zu verlieren oder das eigene Selbst zu sehr zu verstecken.

Das Leben also als st├Ąndiger Wechsel zwischen den Positionen? Warum nicht: Auch das sch├Ânste Spiel verliert irgendwann seinen Reiz, und man macht es sich eine Zeitlang als Zuschauer im Theatersaal bequem.

Manchmal betritt man - Anfangs noch mit schlotternden Knien, sp├Ąter dann jedoch mit stolz geschwollener Brust - die B├╝hne und zeigt eben das, was das Publikum sehen will. Ganz ohne, dass man dabei wirklich was von sich selbst erz├Ąhlen muss. Mal mit Rollen, die sich wie auf den Leib geschneidert anf├╝hlen, oft jedoch so, dass das Schauspiel Lichtjahre entfernt von unserem eigenen Selbst liegt. Mit dem ersten Applaus vergisst man dann auch ganz schnell wieder die Diskrepanz im eigenen F├╝hlen und Handeln: Das perfekte Narkosemittel f├╝r die Seele.

Gelegentlich wird uns auch die Rolle des Regisseurs zuteil - wir haben die gro├čartige Chance, f├╝r eine kurze Zeit lang den Ablauf zu bestimmen, das Drehbuch zu schreiben.

Und ab und an wird uns auch einfach nur mal die Rolle des Komparsen, des Nebendarstellers zugeteilt - nicht wirklich wichtig f├╝rs St├╝ck, beliebig austauschbar und ohne wirklichen Wert - aber dennoch Bestandteil der Auff├╝hrung und wichtiges Utensil der restlichen Schauspieler, um ihre eigene Story weitererz├Ąhlen zu k├Ânnen.

Mehr Spielen, weniger Show!

Ich selbst habe mich von Daniel Landa und seiner Geschichte gerne inspirieren lassen, im echten Leben immer wieder zum Spiel zur├╝ckzufinden. Mich so zeigen zu d├╝rfen, wie ich bin. So sein zu d├╝rfen, wie ich bin. Wenn's dem Publikum nicht gef├Ąllt: Kein Problem, ich bin ja schlie├člich auch kein bezahlter Darsteller!

Genauso werde ich allerdings auch darauf achten, zwar das Schauspiel auf der B├╝hne zu genie├čen - im echten Leben aber achtsam zu sein, ob ich wirklich mit dem Menschen hinter der Maske in Kontakt bin, oder ob ich es nurmehr mit einem versierten Schauspieler zu tun habe und zum unfreiwilligen Komparsen eines fremden Drehbuchs gemacht werde. Dann kann aus einem opulenten Abenteuerfilm, einer Comedy oder auch einer Romanze n├Ąmlich ganz schnell ein Horrorfilm mit ziemlich schlechtem Ende werden.

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