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Werner Bahlsen im Gespräch: "Die Lebensmittelindustrie ist insgesamt bewusster geworden"

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BAHLSEN
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Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Food Innovations NetzwerkHERMANN'S.

Er würde nie behaupten, dass seine Produkte über lebenswichtige Nährwerte haben aber die Denkweise des CEOs Werner Michael Bahsen ist zukunftsorientiert und braucht sich nicht hinter der umjubelter Entrepreneure verstecken.

Unwahrscheinlich für jemanden, der seit 1975 in der Nahrungsmittelindustrie arbeitet? Lesen Sie selbst.

"Echte disruptive Innovation kommt von außerhalb der Industrie, manchmal sogar außerhalb der Nahrungsmittelindustrie."

Was hat sich aus Ihrer im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert?

„Die Lebensmittelindustrie ist insgesamt bewusster geworden. Das Thema Gesundheit - z.B. Übergewicht und Allergien - ist wichtiger geworden. Es gibt wachsende Segmente in diesem Bereich wie beispielsweise Produkte, die frei von Gluten sind."

Sehen Sie, dass es größere Veränderungen in der Lebensmittelindustrie gibt?

„Ich sehe keine großen Entwicklungen bei unseren Mitwettbewerbern. 50 Prozent des Marktes machen Handelsmarken aus. In der Regel geht es darum relativ günstige Produkte anzubieten, die den Anforderungen der Discounter gerecht werden. Einige große Firmen haben begonnen digitale Hubs zu schaffen oder Geld in Start-Ups zu investieren.

Ich bin nicht sicher, ob das immer die richtige Einstellung ist. Zunächst muss sich die Denkweise verändern und dann kann man unterschiedliche Lösungen zu finden.

Jede Zeit hat ihre Herausforderungen, aber insbesondere dann, wenn es gut läuft, sollten wir darüber nachdenken wie wir das System verändern und weiter entwickeln können. Man sehe sich Kodak an. Kodak hat die digitale Fotografie erfunden, aber sie haben keinen Nutzen daraus gezogen, weil es ihr altes Geschäft zerstört hat.

"Jede Zeit hat ihre Herausforderungen"

Oder in jüngerer Vergangenheit Nokia: mit 40 Prozent Marktanteil weltweit führend und dann haben sie nicht realisiert, welche völlig neuen Möglichkeiten sich aus Touchscreen und Smartphone ergeben.

Oder der Aufruhr in der Autoindustrie: Tesla und wie Mercedes und BMW der Entwicklung hinterherhinken. In den USA verkauft Tesla mehr als die 7er Serie von BMW. Als Wirtschaftsführer bin ich verpflichtet, 2 Schritte voraus zu denken, 5 Schritte voraus zu denken.

Wie können wir die Rahmenbedingungen, innerhalb derer Innovation stattfinden kann, verbessern?

„Wirkliche Innovation, bahnbrechende oder disruptive Innovation entsteht selten innerhalb eines großen Unternehmens. Wirklich disruptive Innovation kommt von außerhalb der Industrie, manchmal sogar von außerhalb der Nahrungsmittelindustrie.

Unser ererbtes Motto ist ‚Findig im Finden', was bedeutet neugierig zu sein, hinaus zu geheh in die Welt, um Inspiration zu finden, vielleicht bei anderen Industrien, in Institutionen. Es geht nicht darum, zu kopieren, es geht um Inspiration.

Mein Großvater sah eine kontinuierlichen Produktionsablauf im Meatpacking District in Chicago und übertrug diese Idee auf den Bereich der Herstellung von Backwaren und installierte das erste industrielle Fließband einige Jahre vor Henry Ford.

Also werden Start-Ups es richten für die Industrie?

"Man kann die Welt nicht allein durch Start-Ups ernähren. Wir haben vor ein paar Jahren mit einem Start-Up gearbeitet, das von drei wirklich energetischen und Entrepreneuren geführt wurde und die Gründer selbst haben nach 7/8 Jahren erkannt, dass sie nicht über die Kapazitäten verfügen um weiteres Wachstum zu strukturieren - dazu gehört die Arbeit mit Vertrieben, dem Aufbau der richtigen Food Safety Infrastruktur und so weiter.

Mehr zum Thema: Nachhaltige Ernährung: Warum ökologischer Landbau kein Luxus für die Reichen ist

Während sie also einerseits wirklich praktisch angepackt haben mit hervorragendem Unternehmergeist, als es um die Sicherheit ging, die Lebensmittelsicherheit... war ein systematischer Ansatz gefragt.

Ich denke der Einfluss der kleinen Firmen wird sich darauf erstrecken, bestimmte Themen anzuschneiden, die Schwachstellen der Industrie aufzuzeigen und zu versuchen daraus ein Geschäft zu entwickeln. Indem sie das tun, zwingen sie große Unternehmen neue Richtungen einzuschlagen und ihre Geschäftsmodelle anzupassen.

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Das kann man in der Finanzindustrie sehen beim Online Banking, und genau das werden wir auch in der Lebensmittelindustrie erleben. Und daran bin ich interessiert: nach vollkommen neuen Ansätzen Ausschau zu halten, weil ich glaube, dass die Welt sich verändert.

Das beinhaltet Digitalisierung, Geschäftsmodelle, Globalisierung - was bedeutet, dass das, was passiert in Kalifornien, was passiert in China. Wir können die Entwicklungen verfolgen und wir können offen sein und es mitbekommen, wenn etwas stattfindet, das uns dabei helfen kann, die Zukunft zu sichern.

Was treibt ihren Unternehmergeist an und was denken Sie generell über die Rolle von Werten in der heutigen Zeit?

Ich denke wir brauchen mehr denn je unternehmerischen Geist, der weiter geht und Grenzen in Frage stellt. Es braucht einen bestimmten Geist, der die Menschen ermutigt mit verrückten Ideen aufzuwarten.

Und während nicht jede verrückte Idee durchführbar ist und überleben wird, wenn wir verrückte Ideen nicht zulassen - und das Fragenstellen - werden wir niemals echte Innovation erleben. Natürlich muss ein Business Geld einbringen aber das kann nicht alles sein. Wir müssen die Gesellschaft auch mit Werten versorgen.

Ich denke, dass ein wertorientierts Geschäftsmodell eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweist, neue Entwicklungen hervorzubringen, daher denke ich, Werte sind ein sehr wichtiger Bestandteil im Business. Das ist zumindest meine Meinung. Und es gibt einen weitere Haltung, die ich sehr mag: demütig sein.

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Die Zahl der Menschen, die in einigen Jahren Burger, Steaks, und ja, auch Salat essen wollen, steigt dramatisch. Gleichzeitig sehen wir in vielen westlichen Gesellschaften die Folgen ungesunder Ernährung: Wir stehen vor einem Fett- und Zucker-Kollaps.

Doch es gibt längst Ideen und Lösungen für dieses globale Problem. Denen will sich die HuffPost in den nächsten Monaten mit Artikeln, Reports und Expertenbeiträgen widmen.

Dafür arbeiten wir mit der in Berlin entstehenden und von dem Kekshersteller Bahlsen finanzierten Plattform Hermann's zusammen, einer Art Denkfabrik für die Zukunft unserer Ernährung.

Die neue Plattform will die Köche, Wissenschaftler, Blogger, Unternehmer und Firmen zusammenbringen, die sich genau mit diesen Zukunftsfragen beschäftigen.

Die aktuellen Beiträge aus der Kooperation findet ihr hier.

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