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Klimawandel ist ein Kulturthema

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CLIMATE
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Mit einer traditionellen fidschianischen Tanzzeremonie hat am 06. November die Republik Fidji die Präsidentschaft für die 23. UN-Weltklimakonferenz (COP 23) von Marokko in Bonn übernommen. Deutschland als technischer Gastgeber ist Teil des Konferenzpräsidiums. Klimadiplomaten aus 195 Ländern sind in Bonn zusammengekommen, um bis zum 17. November zu diskutieren, wie der weiteren Erderwärmung in einem weltweiten gemeinsamen Kraftakt in den nächsten Jahrzehnten Einhalt geboten werden kann.

Das Klima ist ein gutes Beispiel für die Dualität von Kultur und Natur. Unsere kulturelle Entwicklung ist maßgeblich vom Klima gestaltet worden. Das römische Reich konnte sich vor mehr als zweitausend Jahren leichter ausdehnen, als die Alpenpässe auch im Winter, wegen der Klimaerwärmung, leichter nutzbar wurden. Fast tausend Jahre später zerstörten nach einer deutlichen Abkühlung Gletscher viele römische Straßen in den Alpen und beschleunigten den Untergang des römischen Reiches. Nord- und Nordwesteuropa wurden wegen der Klimaänderung zu dieser Zeit von Hungersnöten heimgesucht, die, so glauben Wissenschaftler, den Anstoß für die Völkerwanderung, einem fundamentalen kulturellen Aufbruch, gaben.

Später lösten Erwärmungen im Osten Dürreperioden aus, die den Handel der damaligen Zeit nachhaltig schädigten und höchstwahrscheinlich auch zur Zerstörung der Seidenstraße führte. In Nordeuropa wirkte sich die Erwärmung dagegen überwiegend positiv aus. Es wurde grüner, Landwirtschaft wurde auch in Höhenlagen möglich. Die steigende landwirtschaftliche Produktion ermöglichte die Versorgung einer wachsenden Bevölkerung und den Ausbau von Handel und Gewerbe.

Die kleine Eiszeit beendete diese kulturelle Aufwärtsbewegung. Die Pest und der Hunger hatten Europa fest im Griff. Der religiöse Fundamentalismus, auch eine Kulturerscheinung, nahm damals dramatisch zu. Kriege waren an der Tagesordnung. Flucht war oftmals die einzige Rettung.

Seit 150 Jahren erwärmt sich das Klima wieder. Dieses Mal ist der Mensch nicht nur Opfer oder Nutznießer dieser Entwicklung, sondern er ist selbst auch mitverantwortlich für diese Veränderung. Schon jetzt zeigen sich die Wirkungen weltweit.

Der Nothilfekoordinator der UN, Stephen O'Brien, schlug im März diesen Jahres Alarm. In Afrikas und Asiens drohen 20 Millionen Menschen zu verhungern. Gründe sind Krieg, Vertreibung, Missmanagement aber auch der Klimawandel. Zunehmen werden weltweit das Auftreten von Wirbelstürmen, Hitzewellen, Überschwemmungen und anderen Extremereignissen. Parasiten und tropischen Krankheiten werden sich auch in Mitteleuropa ausbreiten und immer mehr Menschen werden vor den Umweltkatastrophen, besonders in Afrika und Asien, auch nach Europa flüchten.

Die Klimaänderungen hat unsere Kultur verändert und wird sie auch in der Zukunft massiv prägen.

Die gerade stattfindende Erderwärmung wird keinen kulturellen Segen bringen. Die Zahlen liegen auf dem Tisch, die Notwendigkeit eines schnellen Gegensteuerns ist eigentlich unumgänglich.

Warum passiert trotzdem so wenig?

  • Weil die Klimaerwärmung nicht als Kulturthema, sondern nur als Naturthema gesehen wird.
  • Weil es versäumt wurde, Umweltbildung als essenziellen Teil der kulturellen Bildung und umgekehrt zu verstehen.
  • Weil es zugelassen wurde, dass Kultur und Umwelt als ein Gegensatz statt einer Einheit wahrgenommen werden.

Vielleicht gibt die Bonner-Klimakonferenz auch hier neue Anstöße.

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