Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Olaf Kempin Headshot

Studienfinanzierung: In Deutschland zahlen vor allem die Eltern

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Die Mehrheit der deutschen Studenten finanziert mit Unterstützung der Eltern ihre akademische Ausbildung. Das ergab eine aktuelle deutschlandweite Umfrage des Personaldienstleisters univativ unter gut 1250 Studenten.

Demnach erhalten mindestens 2 von 3 Studenten Geld von zu Hause, fast jeder Zweite verlässt sich sogar hauptsächlich auf Überweisungen von den Eltern. An zweiter Stelle im Finanzierungsmix steht der Nebenjob, gefolgt von BAföG. Andere Finanzierungsmöglichkeiten wie Studienkredite und Stipendien spielen kaum eine Rolle.

Ein Vergleich mit Zahlen aus der Vergangenheit zeigt: Die Bedeutung der elterlichen Unterstützung nimmt zu, während andere Einkommensquellen abnehmen. Dabei sind die Studenten mehrheitlich zufrieden mit ihrer finanziellen Situation.

71 Prozent der befragten Studenten gaben an, Unterstützung von den Eltern zu erhalten. Diese stellen damit eindeutig die wichtigste Finanzierungsquelle während des Studiums. Einkünfte aus Nebenjobs landen mit 59 Prozent auf Platz zwei, BAföG erhalten immerhin noch 28 Prozent. Schon im August wurde bekannt, dass die Zahl der BAföG-Empfänger zum neuen Studienjahr erneut gesunken ist.

Doch ein Vergleich mit Zahlen aus einer kürzlich durchgeführten Absolventen-Umfrage von univativ zeigt: Heute bestreiten mehr Studenten ihren Lebensunterhalt mit Hilfe der Eltern, während die Bedeutung aller anderen Finanzierungsformen zurückgeht. Unter den befragten Absolventen war der Studentenjob rückblickend die wichtigste Einkommensquelle. Zwei Drittel haben während des Studiums gearbeitet. Geld von den Eltern bekam nur jeder Zweite (52 Prozent), BAföG mehr als jeder Dritte (35 Prozent).

Eltern tragen mehr zum Finanzierungsmix bei, Quellen noch nicht ausgeschöpft

Auch die Gewichtung der Finanzierungsmöglichkeiten hat sich verschoben: Unter Absolventen bis 34 Jahre die Selbstfinanzierung durch Studentenjobs eine größere Bedeutung als die Unterstützung durch die Eltern - für 30 Prozent trugen Nebenjobs den Hauptteil zu ihrem Einkommen bei, für 28 Prozent das Geld der Eltern. Für heutige Studenten ist die Unterstützung von zu Hause allerdings mit 44 Prozent am häufigsten die primäre Einkommensquelle.

Der Anteil derer, die sich hauptsächlich mit Jobs finanzieren, liegt bei nur noch 28 Prozent. Auch die Bedeutung von BAföG ist zurückgegangen. 22 Prozent der Absolventen bestritten damit den Großteil ihrer Lebenshaltungskosten, während es unter heutigen Studenten nur 18 Prozent sind.

„Die Umfrage zeigt, dass ein Studium wieder stärker auf dem Geldbeutel der Eltern lastet", sagt Olaf Kempin, Mitgründer und Co-Geschäftsführer von univativ. „Eltern sind sich bewusst, dass Bildung eine gewinnbringende Investition in die Zukunft ihrer Kinder ist. Allerdings ist nicht jeder in der glücklichen Lage, dem Nachwuchs ein Studium finanzieren zu können. . Der Zugang zu Bildung darf keinesfalls von dieser Größe abhängig sein."

Denn vorhandene Finanzierungmöglichkeiten werden offenkundig noch nicht ausgeschöpft. Von Stipendien profitieren aktuell gerade mal fünf Prozent der befragten Studenten. Unter Absolventen waren es neun Prozent - ein deutlicher Rückgang. Studienkredite tragen nur bei sieben Prozent der Studenten zur Studienfinanzierung bei, während noch zehn Prozent der Absolventen von dieser Option Gebrauch machten.

Arm, aber glücklich: Nur jeder Vierte fühlt sich unterfinanziert

Die gute Nachricht: Deutsche Studenten haben dennoch zum überwiegenden Teil genug zum Leben. Jeder Zweite (48 Prozent) ist zufrieden mit seiner finanziellen Situation, jeder Vierte (24 Prozent) sogar sehr zufrieden. Lediglich 28 Prozent sind eher oder sogar sehr unzufrieden mit ihrem Kontostand. Fast drei Viertel (72%) der Befragten haben mindestens 600 Euro pro Monat zur Verfügung. 28 Prozent erhalten 800 Euro oder mehr, vier Prozent sogar 1.200 Euro oder mehr. Ein gutes Viertel (28 Prozent) muss jedoch mit weniger als 600 Euro pro Monat auskommen.

Nicht jeder Student, der wenig Geld hat, ist mit seiner finanziellen Situation unzufrieden. Aber fast jeder, der unzufrieden ist, hat 800 Euro oder weniger zur Verfügung. „Gerade diejenigen, die mit einem bescheidenen Budget wirtschaften müssen, können von zahlreichen weiteren Optionen für die Studienfinanzierung profitieren", ergänzt Olaf Kempin von univativ. Die von univativ befragten Absolventen sehen das ähnlich. 35 Prozent gaben an, dass sie rücklblickend während des Studiums besser mehr hätten arbeiten sollen.

„Ein Nebenjob ist eine gute Möglichkeit, nicht nur die Miete zu zahlen, sondern auch wertvolle Berufserfahrung für den Lebenslauf zu sammeln. Aber auch Stipendien sind für mehr Studenten zugänglich - wenn sie sich informieren."

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.