BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Özcan Mutlu Headshot

FIFA & DFB: Keine Schlammschlacht auf Kosten des Fußballs

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DFB FIFA
Simon Hofmann via Getty Images
Drucken

Eine schwarze Kasse, eine mögliche Veruntreuung von 6,7 Millionen Euro und eine gekaufte Fußball-Weltmeisterschaft 2006? Die Vorwürfe wiegen schwer. Können diese nicht lückenlos ausgeräumt werden, dann wird der FIFA-Skandal auch ein DFB-Skandal. Und das schöne Sommermärchen bekommt Schlagseite.

Und so liegt es nun am DFB und den damals in Verantwortung stehenden Funktionären des Bewerbungs- und Organisationskomittees, die Vorwürfe auszuräumen und zu erklären, was damals tatsächlich geschehen ist. Hier geht es nicht um juristische Fragen, oder um eine Missachtung der Unschuldsvermutung. Es geht allein um die Glaubwürdigkeit deutscher Sportfunktionäre und um die Integrität des deutschen Sports.

Merkwürdiges Schweigen

Der DFB hat mit der FIFA ein grelles Beispiel, wie man nicht mit Vorwürfen zu vermeintlichen Fehlern der Vergangenheit umgehen sollte. Das merkwürdige Schweigen von Niersbach und Co. zu den Vorwürfen gegen Blatter und Platini in den vergangenen Monaten stellen sich jedenfalls heute in einem anderen Lichte dar und bieten Anlass zur Spekulation. Jetzt ist Offenlegung, höchstmögliche Transparenz und die Wahrheit gefragt.

Der Ball liegt im Spielfeld des DFB. Niersbach scheint dies im Sommer erkannt zu haben, als er Jahre später plötzlich eine Untersuchung des Sachverhaltes beauftragte. Nur warum verschwieg er diesen Auftrag bis Freitag letzter Woche dem DFB-Präsidium? Niersbach und Beckenbauer sind keine Zaungäste mehr. Beide sind dringend aufgefordert, reinen Tisch zu machen.

Gründliche Prüfung

Nur auf diesem Weg kann der Verdacht entkräftet werden, dass das deutsche Sommermärchen 2006 gekauft wurde. Wenn 6,7 Millionen Euro überwiesen worden sind, dann muss doch auch nachvollziehbar gemacht werden können, wofür dieses Geld überwiesen wurde. Sich nicht genau zu erinnern oder nichts zu sagen - das kennen wir schon alles von der FIFA.

Dies gilt auch für die Bundesregierung: Sportminister de Maizière fand als Antwort auf einen Brief vor mir an ihn und die Bundeskanzlerin Anfang Juni eher beschwichtigende Worte. Eine gründliche Prüfung der Vorwürfe sieht anders aus.

Wohin soll das führen?

Heute können wir konstatieren: Fragen über Fragen, Dementi über Dementi und gegenseitige Schuldzuweisungen. Wohin soll das führen? Wir wollen keine Schlammschlacht auf Kosten des Fußballs und sagen gleichzeitig: Aussitzen ist nicht! Die Herren Niersbach, Beckenbauer und Zwanziger müssen raus mit der Wahrheit und sich endlich gemeinsam an einen Tisch setzen, um das Geschehene aufzuklären.

Die Anhörung im Sportausschuss ist eine Chance, die Herr Niersbach für den DFB wahrnehmen muss. Sollte das nicht möglich sein, empfehle ich den Herren eine Mediation. Es geht hier um viel mehr als um persönliche Eitelkeiten. Alles andere schadet dem Fußball und dem Sport darüber hinaus. Zwar hat Kaiser Franz nach Tagen der Stille endlich eine Erklärung abgegeben, aber reicht es aus, Fehler einzuräumen aber dennoch nichts aufzuklären?

Der DFB ist der mitgliederstärkste Fußballverband der Welt und hat schon daraus eine Verpflichtung, im Interesse eines sauberen Fußballs als Vorbild vorneweg zu laufen und der Welt zu zeigen, wie man mit Transparenz und Offenlegung offene Fragen beantworten und dabei auch Vorwürfe entkräften kann.

Video: "Dann sagte Gott zu mir ..." Die acht irrsten Aussagen von Fifa-Boss Blatter

"Was hast du als Fußballer erreicht?" Moderatorin erkennt deutschen Weltmeister nicht - und der reagiert großartig

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.

Hier geht es zurück zur Startseite