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Lebt der Fußball mittlerweile nur noch vom Geld?

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FUSSBALL GELD
Getty
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Noch nie haben die Bundesligavereine so viel Geld beim Verkauf und Kauf von Spielern umgesetzt wie in diesen Wochen. Bis Ende der Wechselfrist werden es knapp unter einer halben Milliarde Euro sein. Gleichzeitig steigen die Gehälter der Spieler stetig an.

In den vergangenen fünfzig Jahren haben sie sich weit mehr als vertausendfacht. Summen, die sich niemand mehr vorstellen kann.

Geht es im Fußball nur noch im Geld? Der Begriff „Spielermarkt" impliziert schon, nach welchen Prinzipien das ganze System grundsätzlich funktioniert: Klassisch marktwirtschaftlich, Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt. Der Wert eines Spielers entspricht der Summe des Höchstbietenden.

Milliardäre kaufen ganze Fußballmannschaften

Die Auswirkungen und Mechanismen dieses Marktprinzips gepaart mit der Globalisierung der Märkte, also auch des Spielermarktes, können wir aktuell sehr gut beobachten. Die Nachfrage nach sehr guten Fußballspielern am chinesischen Markt steigt zum Beispiel.

Die Chinesen entdecken den Fußball für sich, nicht nur als Sport oder Unterhaltung, sondern auch zur Staatsimagepflege und als Investitionsobjekt. Milliardäre kaufen ganze Fußballmannschaften, investieren viel Geld in Profispieler und wetten auf deren zukünftige Wertsteigerung. Das geschieht nicht nur in China, sondern weltweit.

So schießen, bei nahezu gleichbleibendem Angebot, die Preise in die Höhe. Deutsche Vereine geraten dadurch unter starken Druck, denn sie müssen gegen die Geldschwämme von Milliardeninvestoren aus der ganzen Welt und gegen britische Vereine mit hohen Lizenzeinnahmen für Fernsehrechte bieten.

Derzeit funktioniert das noch, weil die Vereine über Verträge mit erstklassigen Spielern verfügen, durch deren Verkauf sie hohe Einnahmen erzielen, oder weil anhaltend hohe Zuschauerzahlen Einnahmen im Ticketverkauf und durch Werbung bringen.

Der Kampf um die Fernsehlizenzen

Ein anderes Phänomen, das zur Kommerzialisierung des Sports beiträgt, ist der Kampf um Fernsehlizenzen für Fußballübertragungen, deren Preise immer weiter ansteigen. Finanzkräftige internationale Sender, wie etwa der amerikanische Medienkonzern Discovery oder der britische Sky mischen kräftig in dem Markt mit und setzen öffentliche-rechtliche Sendeanstalten unter Druck.

Für private Anbieter sind die Grenzen allerdings dann erreicht, wenn Zuschauerinnen und Zuschauer nicht mehr bereit sind, höhere Gebühren für ein Angebot zu entrichten oder mehr Werbung zu ertragen. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland können dank großer Finanzkraft durch Rundfunkgebühren diesem Druck aktuell noch widerstehen und theoretisch immer mehr bezahlen.

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Derzeit tun sie das auch in vielen Fällen, rechtfertigen dies mit hohen Einschaltquoten und belasten dabei ihre Gesamtbudgets zum Nachteil anderer Sportarten oder anderer Produktionen und verteuern die Lizenzen am Markt damit zusätzlich künstlich.

Es entsteht eine Aufwärtsspirale, die gestoppt werden muss, sonst droht der Markt früher oder später zu kollabieren. Zusätzlich ist diese Entwicklung gefährlich für den Sport in Gänze, weil sie viele andere Sportarten in die Fernsehnische drängt.

Die Entmenschlichung der Spieler

Auf diesem Markt lohnt sich jedoch auch ein Blick weg von Fernsehrechten, Verkäufern, Käufern, Händlern und Konsumenten, hin zu den Spielern, die wie Ware gehandelt werden.

Scouts und Vereine versuchen, Spieler in immer jüngerem Alter zu entdecken, um später große Gewinne mit ihnen erzielen zu können. Zwar gibt es nationale und internationale Schutzbestimmungen für minderjährige Fußballspieler, doch es gibt es auch hier, wie überall, Schlupflöcher.

Spätestens mit dem 18. Geburtstag stehen die Profispieler dann ohnehin stark unter Druck. Wie muss sich ein Mensch fühlen, der für mehrere Millionen Euro verkauft wurde? Welchen Einfluss die Spieler selbst darauf haben, für wieviel Geld sie an welchen Verein verkauft werden, ist unklar.

Sollte dieser Einfluss eingeschränkt sein - was bei derartigen Summen sehr nahe liegt - kommt man nicht umhin, von modernem Sklavenhandel auf höchstem Niveau zu sprechen. In jedem Fall entmenschlicht der Markt die Spieler, die als kleine Jungs begonnen haben, Fußball aus Leidenschaft und Freude zu spielen.

Zu all diesen unbarmherzigen Mechanismen des Marktes kommen weitere Aspekte, die Fußball zum Geschäft machen. Die Deals am internationalen Spielermarkt werden immer wieder dafür genutzt, Bestechungsgelder zu verschleiern und Schwarzgeld zu waschen. Letzteres wird auch gerne bei illegalen Sportwetten wieder rein gewaschen.

Vereine, Fans und Zuschauer können nicht sicher sein, dass ein Spieler überhaupt so viel wert ist, wie dafür bezahlt wurde oder ob sie damit einem korrupten Manager, Funktionär, Berater, zu steuerfreien Millionen verholfen haben oder ob das Spielergebnis nicht zugunsten eines Wettbieters von bestochenen Spielern, Trainern oder Schiedsrichtern beeinflusst wurde.

Ob die Spieler nicht mit unerlaubten Mitteln an ihren Marktwert herangedopt werden oder bis zum Anschlag mit Schmerzmittel vollgepumpt werden, bleibt ebenso ungewiss. Sicher ist eigentlich nur, dass vieles bei diesen Geschäften nicht sauber zu sein scheint.

Geld macht den Fußball kaputt

Also bleibt zu resümieren: Geld macht den Fußball kaputt, der mal ein Sport war und kein Geschäft und dessen Akteure mal Sportler waren und keine überbezahlte Ware. Geht uns der Fußball damit verloren? Nicht unbedingt, wenn wir nicht nur kritiklose Konsumenten bleiben und unser Verhalten ändern.

Wenn Zuschauerinnen und Zuschauer sich nicht nur dem „Bundesligawahnsinn" hingeben, sondern sich kleine, sympathische Ortsvereine suchen, die sie anfeuern und begleiten, finden sie dort mit großer Sicherheit ihre verlorengegangenen Freuden am Fußball, diesem wunderbaren Sport, wieder.

Wie das geht, zeigt das Beispiel von FC United of Manchester in dem Dokumentarfilm „Dirty-Games" des Journalisten Benjamin Best, eindrücklich. Fans, die anpacken und Manchester United den Rücken kehren, weil ihr ehemaliger Verein zu einem Geschäft geworden ist.

Menschen sind keine Ware und Sport kein Produkt. Solange das aber innerhalb des Fußballs, samt seiner Verbände und Vereine nicht so gesehen wird, werden sich die Summen in immer verrücktere Dimensionen steigern bis das System irgendwann in sich zusammenbricht.

Der Beitrag erschien im Debattenportal Causa des Tagesspiegel.

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