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Es war einmal ein deutscher Gangster Rapper

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KOLLEGAH
Frank Hoensch via Getty Images
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Es war einmal ein deutscher Gangster Rapper, der sich Deso Dogg nannte. Er war ein Kämpfer des IS, doch war er nie erfolgreich und hatte kaum musikalisches Talent. Aber das alles spielte keine Rolle, um eine Parallele zwischen dem fanatischem Islamismus und Gangsterrap zu ziehen. Irgendwann hatte er ein Mikrofon in der Hand und konnte eine CD aufnehmen. Dies galt dann als hinreichender Beweis dafür, dass es eine Verbindung zwischen diesen Dingen geben musste.

Man will sich nicht vorstellen, wie viele Lehrer und Lehrerinnen, Polizisten und Polizistinnen oder Bankangestellte ähnliche Leichen im Keller haben. So hatte die Debatte über Islam und Rap begonnen.

DĂĽrfen Muslime nicht die Mode, die Charts und verschiedene Musikkulturen verfolgen? DĂĽrfen sie kein gesellschaftliches Engagement zeigen?

Ich bin eine Muslimin und arbeite seit sechs Jahren als Dj'ane. Meine Leidenschaft zur Musik ist kein Hindernis fĂĽr meine Religion.

Menschen urteilen sehr schnell über andere Personen, weil sie eine Erwartung von ihnen haben, sobald sie ihn sehen. Denn dem Menschen beeindruckt das, was er zuerst sieht und er verlässt sich darauf.

Wir hören Rapper wie Kollegah, Farid Bang oder Haftbefehl, die öffentlich bekannt geben, dass sie Muslime sind. Sie rappen aber dennoch über Drogen, Frauen und mehr. Selbstverständlich ist das mit dem Islam nicht vereinbar, aber dennoch wollen sie nicht vom Glauben loslassen. "Der Glaube ist in meinem Herzen" sagte Farid in einem Interview, "auch wenn ich weiß, dass ich kein guter Moslem bin, weil ich es nicht so auslebe, wie ich es sollte".

Es darf nicht vergessen werden, dass die Texte auch bewusst künstlerisch überspitzt sind. Ein Rapper braucht die Aufmerksamkeit des Publikums und das funktioniert am besten mit provozierenden Worten, also beispielsweise indem Obszönitäten verwendet und politische unkorrekte Reden geführt werden. Nur ist das nun mal die gängige Sprache des Rap, es werden keine Grenzen gesetzt.

Islam und Rap funktioniert nur solange auch Toleranz besteht. Man hört Musik, weil sie einem zuspricht und nicht um andere zu missionieren.

Es ist belanglos, was andere Musikliebhaber über die Künstler, die ich gerne höre, denken. Solange es mir gefällt, ist die Meinung anderer nicht wichtig.

Insofern sollten wir Rap vielleicht einfach nur Rap sein lassen und als das annehmen, was er am besten kann. Rap ist wahnsinnig gut darin, die Dinge zu beschreiben, wie sie sind. Je nach kĂĽnstlerischem Talent der Akteurin oder des Akteurs gelingt dies mal mehr und mal weniger. Meistens allerdings ist es eben nur Rap und das ist auch gut so.

Wer Interesse an diesem Thema gefunden hat, sollte sich diese Dokumentation von dem Sozial Media Aktivist Cihan Sügür, dem islamischen Theologen Ender Çetin und dem Imam Abdul Adhim Kamouss, nicht entgehen lassen.

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