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Katastrophe Mensch

19/10/2015 17:27 CEST | Aktualisiert 19/10/2016 11:12 CEST
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Es scheint oft, als würden nur die Auswirkungen, aber nie die Ursachen menschlicher Handlungen betrachtet werden. Dabei macht es Sinn, die menschliche Natur besser unter die Lupe zu nehmen. Das Zehntausende aus Kriegsgebieten fliehen, muss man gar nicht weiter analysieren. Dafür braucht man nur die Statistiken über die Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung betrachten.

Und die Armutsflüchtlinge? Europa exportiert subventioniertes Hühnerfleisch nach Afrika, zu einem Preis je Kilogramm, zu dem einheimische Bauern nicht produzieren können. Sie verlieren zu Abertausenden ihre Existenzgrundlage. Fangflotten zerstören die Grundlage einheimischer, traditioneller Fischerei.

Die Liste lässt sich leicht fortsetzen, bei Gebrauchtbekleidung, beim Tabakanbau, bei endlosen Plantagen im Besitz von Finanzgruppen und Bauern ohne Land, oder bei der Ausbeutung von Grundwasser, was bäuerliche Strukturen bedroht. Viele afrikanische Staaten sind aufgrund ihrer Verschuldung auch gezwungen, keine Zölle auf westliche Importe zu erheben.

Die Maximen der Wirtschaft sind offene Märkte, Ausweitung und Profitmaximierung. Das die Armut, die weltweit dabei entsteht, sich irgendwann in Bewegung setzt und schließlich vor den Türen der reichen Industrieländer steht, ist weder überraschend, noch zu verurteilen. Auch Deutsche gingen nach dem Krieg, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, zum Beispiel in die USA.

Die Folgen dieser Politik hat nicht selten der Steuerzahler zu tragen, das wissen wir spätestens seit der Bankenkrise. Aber auch das sind nur Auswirkungen. Betrachten wir die Natur des Menschen, entspricht das System, in der wir leben, der natürlich erwachsenen Struktur daraus. Schon vor Jahrtausenden wurden Kriege um Lebensgrundlagen geführt. Die Völkerwanderungen entstanden daraus. Was brachte Wallenstein der Religionskrieg? Enorme Ländereien. Hitler stellte seine Steuerzahlungen sofort ein, als er Kanzler wurde. Sein Buch wurde Pflichtlektüre, bei Provision, versteht sich.

Der Mensch an sich ist alles andere als zivilisiert. Er gehorcht, wie eh und je, seinen egoistischen Trieben und Bedürfnissen. Das beginnt bei der Verzinsungsgier des kleinen Mannes und endet in den Machtbestrebungen von Finanz und Wirtschaft, hinter denen Menschen stehen, was man nicht vergessen darf. Es ist nicht die Bank, die handelt, es ist der Mensch in dem System, das ihn prägt. Bestrebungen, dieses System in Frage zu stellen, werden bekämpft.

Der Fokus der Masse wird empörend auf die eine oder andere Auswirkung gerichtet, nicht aber auf eine Diskussion unserer Werte und den daraus resultierenden Konsequenzen.

Das System ist gut organisiert und verteidigt sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Das beginnt mit einer lebensfremden Ausbildung in den Schulen, setzt sich fort bei kontrollierter Mediengestaltung und endet in einem durchleuchteten Bürger und der Diffamierung und der Infiltration von systemfeindlichen, also auch humanistischen, Organisationen durch Geheimdienste.

Diese Welt wird sich erst zum Besseren verändern, wenn sie am Abgrund steht, denn der Mensch an sich und im Großen, wird nicht aus Erkenntnis gegen seine Anlagen handeln, bestenfalls aus Verzweiflung über deren Unterdrückung.

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