BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Nora Feist Headshot

Von frischen Ideen und verstaubten Politikschwerpunkten - die Startup-Szene in Österreich

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Wenn das Pioneers Festival wieder internationale Meinungsführer und Startups in Wien vereinigt, dreht sich alles um neue Technologien und Innovationen. In Deutschland hat sich die Startup-Szene fest im Wirtschaftsgeschehen etabliert. Aber wie sieht die Entwicklung bei unseren Nachbarn in Österreich aus?

Immer mehr junge Österreicher entscheiden sich für den Schritt in die Selbstständigkeit. Laut Austrian Startup Report 2013 gründen dabei nur 17 Prozent der Befragten ihr Unternehmen aus finanziellen Gründen. Mehr als zwei Drittel stellen das Streben nach Selbstverwirklichung und die Umsetzung ihrer eigenen Ideen an erste Stelle.

„In einem Startup arbeitet man nicht, man lebt es", sagte Austrian Startups Geschäftsführer Christoph Jeschke erst kürzlich in einem Interview mit der Horizont.at. Trotzdem bleibe das große Ziel eines jeden Gründers sein Unternehmen erfolgreich in der Wirtschaft zu etablieren.

Das berühmteste Beispiel dafür, dass sich junge Unternehmen aus Österreich auch international behaupten können, liefert Runtastic. Die App wurde 2009 von vier Studenten entwickelt. Seitdem sich Axel Springer eine Mehrheitsbeteiligung am Unternehmen sichern konnte, ist Runtastic weit über die Landesgrenzen bekannt. Mittlerweile verzeichnet die App über 95 Millionen Downloads und wird begeistert von Sportlern aller Couleur genutzt. Auch Shpock, die mobile Flohmarkt App, hat sich seit 2012 mit mehr als vier Millionen Downloads etabliert. Und auch das Wiener Immobilien-Startup zoomsquare durfte sich erst kürzlich über eine siebenstellige Finanzspritze freuen, womit die Internationalisierung des Dienstes vorangetrieben werden soll.

Während sich die österreichische Wirtschaft dem Thema öffnet, scheint die Politik das unentdeckte Potenzial, das hinter vielen Ideen steckt, zu verkennen. Anstatt den Fokus auf junge Talente und finanzielle Unterstützung von jungen Gründern zu legen, haben Themen wie Pensionen und Steuern oberste Priorität.

„Die Politik muss begreifen, dass Startups von heute die Hidden Champions von morgen sind", äußerte Business Angel Werner Wutscher kürzlich in einem Interview mit dem Horizont.at. Laut Wutscher müssen finanzielle und steuerliche Anreize geschaffen werden, um mehr Talente im Land zu fördern und nach Österreich zu holen. Beispielsweise werden in anderen europäischen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien, Risikokapitalgeber mit bis zu 200 prozentigen Steuergutschriften für in Startups investiertes Geld entlastet.

Beim „Austrian Startup Report 2013"* gaben zudem 90 Prozent der Befragten an, dass eine „Kultur des Scheiterns" fehle. Die Politiker sollten ihren Teil dazu beitragen und den Menschen die Angst vor der Selbständigkeit nehmen. Im Gegenteil: Denjenigen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, müsse jedoch der Rücken gestärkt werden. Schließlich sei es die junge Generation, die mit frischen Ideen und Visionen die Wirtschaft ankurbelt und Innovationen ins Land bringe.

Große Hoffnungen werden nun in Harald Mahrer gesetzt. Der neue Staatssekretär hat sich als Kenner der Szene herausgestellt, weiß von den Problemen und Hürden einer Gründung, hat er doch selbst schon erfolgreich in Startups investiert. Außerdem ist er Präsident der Julius Raab Stiftung, die sich zum Ziel setzt, Österreich mit mutiger Politik und neuen Ideen nach vorn zu bringen.

Wie geht es nun weiter? Die Talente und kreativen Köpfe sind da, wie sich jedoch die Startup-Szene in Österreich weiter entwickelt, liegt nun vor allem in der Hand der Politiker. Die Rahmenbedingungen für Gründer und Kapitalgeber müssen verbessert werden, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten. So lange aber die Anreize für private Investoren fehlen, werden diese ihr Geld lieber weiterhin in ausländischen Startups anlegen. An innovativen Ideen der Jungunternehmer mangelt es jedenfalls nicht, wie die Paradebeispiele à la Runtastic & Co. beweisen.

* http://www.deutsche-startups.de/2013/12/05/was-die-oesterreichische-start-szene-bewegt/