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"Ich hoffe, dass ihr Ende schnell kam" - eine Lehrerin berichtet über die Bombenangriffe auf eine Schule in Aleppo

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Aleppo - in diesen Tagen kennen wir den Namen der syrischen Stadt vor allem wegen nicht enden wollender Schreckensmeldungen. Auch am vergangenen Wochenende sollen bei Angriffen mindestens elf Kinder getötet worden sein. Wie kann man in dieser Stadt leben und arbeiten? Wie geht es den Kindern, die in Aleppo sind?

Unsere UNICEF-Kollegin Basma Ourafli erzählt vom Alltag in der umkämpften Stadt und dem Leben vor dem Krieg. Was sich liest wie ein schrecklicher Roman, ist Wirklichkeit in Aleppo:

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© UNICEF/ Syria Aleppo/ 2016/ Khuder Al-Issa
Basma Ourafli ist in Aleppo aufgewachsen, sie hat hier studiert und gab als Englischlehrerin Kurse. Seit sie sich 2015 UNICEF angeschlossen hat, trifft sie viele Kinder, denen sie sonst nicht begegnet wäre.

Als ehemalige Englischlehrerin habe ich immer gerne Geschichten von meinen Schülern gehört. Seit ich letztes Jahr zu UNICEF kam, hatte ich die Chance, mit Kindern zu sprechen, denen ich normalerweise im Alltag nie begegnet wäre.

Viele der Kinder, die ich getroffen habe, waren dankbar dafür, dass sie mir ihre Erlebnisse erzählen konnten und beschrieben mir, wie sie mit der Realität dieses barbarischen Krieges fertig werden.

In Aleppo zu leben ist extrem belastend. Am Anfang war es für alle Menschen schwer mit der Situation umzugehen. Doch im Laufe der Zeit haben wir uns damit arrangiert.

Leben in Aleppo: Kaum Strom, kaum Wasser

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© UNICEF/UN033485/Anonymous
Ein Vater und sein Sohn füllen Regenwasser aus einem Bombenkrater in Flaschen. Vielen Menschen bleibt nichts anderes übrig, als Trinkwasser aus unsauberen Quellen zu nutzen. Dies ist besonders für Kinder sehr gefährlich. Die Gefahr für Krankheiten durch verschmutztes Wasser ist hoch.

Vor dem Krieg hatten wir immer genügend Strom und Wasser. Inzwischen verlassen wir uns lieber auf einen Vorrat an Kerzen. Meist gibt es Elektrizität nur ein paar Stunden am Tag - manchmal gar nicht.

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Mit dem Wasser ist es das Gleiche. Vor dem Krieg war es selbstverständlich jederzeit den Wasserhahn aufzudrehen. Jetzt schätzen wir jeden Tropfen. Jede Familie in Aleppo hat einen Wassertank, und wenn er leer ist, müssen wir improvisieren. Wenn man in Aleppo eine Küche betritt und sich umsieht, sieht man überall Flaschen, Schüsseln, Töpfe, gefüllt mit Wasser.

Sich außerhalb des Hauses frei zu bewegen, ist wegen des ständigen Beschusses und der Bombardierungen gefährlich. Früher traf ich mich draußen mit Freunden, wir lachten, plauderten und erzählten uns die neusten Geschichten. Jetzt bleibe ich zu Hause. Die meiste Zeit über wissen wir nicht, was morgen sein wird.

Es gibt keinen sicheren Ort mehr für Kinder in Aleppo

Ich erinnere mich an Ramadan letztes Jahr, als wir gerade die Fastenzeit beendet hatten. Es war dunkel, als der Beschuss begann. Wir hatten Angst und wussten nicht, ob wir fliehen sollten oder nicht. Die einzige Frage, über die ich nachdachte: „Werde ich die Nacht überleben"?

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© UNICEF NO/2016/Truls Brekke
In Aleppo gibt es keinen sicheren Ort mehr für Kinder und Familien.

Mitte September hatten die Kinder in Aleppo ein paar Tage Ruhe während des „Eid" - das ist ein Fest im Anschluss an den Fastenmonat Ramadan. Doch statt in hübschen neuen Kleidern mit ihren Familien zu spielen, standen sie in langen Schlangen unter der glühenden Sonne, um Wasser zu holen.

Dann gingen die Kämpfe erneut los. Es war eine schreckliche Zeit, mit so vielen Toten und Verletzten. Es gibt keinen sicheren Ort mehr für Kinder in Aleppo.

Es ist herzzerreißend, obdachlose Kinder und Familien auf der Straße zu sehen - sie leben in Moscheen, Schulen oder sogar in kaputten Bussen. Es ist unglaublich, wie Kinder mit der Angst fertig werden. Vielleicht denken sie nicht so an die Zukunft, wie die Erwachsenen.

Das gesamte Ausmaß an Schrecken dieses Krieges

Ende Oktober war ich mit dem ganzen Ausmaß an Schrecken dieses Krieges gegen Kinder konfrontiert. Es begann wie ein ganz normaler Arbeitstag. Gegen acht Uhr hörte ich von meinen UNICEF-Kollegen von einem Angriff nahe der Hatem Attai Grundschule.

Wir rannten sofort zum Razi Krankenhaus - eines der beiden letzten offenen Krankenhäuser in Aleppo. Wir befürchteten das Schlimmste. Nichts bereitet einen darauf vor, ein Krankenhaus in einem Kriegsgebiet zu sehen. Ich sah weinende Menschen, die gerade ihre Familienangehörigen verloren haben. Ich sah verletzte Menschen mit Blut überdeckt.

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© UNICEF-Syria/2016/Basma Ourfali
Auf dem Boden liegt das Schulbuch der elfjährigen Lamar. Sie war mit ihrer Schwester auf dem Weg zur Schule. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor fünf Jahren hat UNICEF über 4.000 Attacken auf Schulen gezählt, obwohl diese gemäß internationalem Recht unter besonderem Schutz stehen.

Der Chefarzt informierte uns, dass zwei Kinder den Angriff auf die Schule nicht überlebt hätten und zwei weitere Kinder noch auf der Intensivstation lägen.

Als wir die Intensivstation betraten, waren Ärzte und Krankenschwestern gerade dabei mit Elektroschocks den kleinen hilflosen Körper eines der Kinder wieder zu beleben. Der Herzmonitor zeigte eine flache Linie. Ein kontinuierliches monotones Summen gab grausame Gewissheit.

Ich war gelähmt und betäubt von dem, was ich gerade gesehen hatte

Ich stand in der Ecke des Zimmers, ich hielt meine Kamera noch in der Hand und ich war wie zu Stein geworden. Gelähmt und betäubt von dem, was ich gerade mit angesehen hatte. Das Kind war tot, es war vor meinen Augen gestorben. Ich musste hier weg - ich musste raus und trat zurück auf den Flur.

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Dort sah ich den Vater des Kindes, der auf eine Nachricht wartete. Ich werde seinen Blick nie vergessen. Eine Mischung aus Hoffnung und Angst. Ich lief weiter den Flur entlang. Ich konnte es einfach nicht ertragen dem Vater in die Augen zu schauen. Dabei zu sein, wenn ihm sein Verlust mitgeteilt würde.

Wir gingen die Treppen hinunter in den Keller und ich wusste, ich würde gleich noch einmal etwas Schreckliches sehen. Die beiden toten Kinder lagen auf einem Krankenhausbett.

Eine rosafarbene Haarklammer hing der elfjährigen Lamar noch in den Haaren. Die beiden kleinen Mädchen sahen noch immer so aus, als ob sie gerade auf dem Weg zur Schule seien. Ich hoffe, dass ihr Ende schnell kam. Ich werde sie nie vergessen.

Es gibt auch Gutes...

In Aleppo erleben wir Entführungen, Kämpfe und Bombardierungen. Wir alle haben versucht uns zu beruhigen. Wir sagten uns: „In diesem Jahr wird es enden". Wir haben aufgehört das zu sagen.

Trotz der traurigen Realität, versuchen wir einen Anschein von einem normalen täglichen Leben aufrecht zu erhalten. Wir freuen uns über Hochzeiten und Schulabschlüsse und betreiben sogar kleine Geschäfte.

Ich habe angefangen Geigenunterricht zu nehmen und ich weiß von vielen anderen Menschen, die begonnen haben Musikinstrumente zu spielen. Wir haben gelernt, die einfachen Dinge im Leben zu schätzen, die in der Regel als selbstverständlich gelten. Jeder Augenblick wird ausgekostet.

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© UNICEF/ Syria Aleppo/ 2016/ Khuder Al-Issa
All dem schrecklichen Kriegsgeschehen zum Trotz und wohl auch, um für sich selbst etwas Positives, Greifbares zu erhalten: Basma nimmt Geigenunterricht.

Die positive Seite des Krieges ist, dass die Menschen in Aleppo starke Beziehungen zu ihren Nächsten aufbauen. Alle sind füreinander da. Wir verbringen viel Zeit zusammen, wir reden, hören zusammen Musik oder stricken.

Wir haben auch angefangen mehr Bücher zu lesen allerdings habe ich mich entschieden nur positive Geschichten zu lesen. Es gibt keinen Grund, Tragödien zu lesen, wenn du nur nach draußen schauen musst, um die schrecklichen Folgen dieses Krieges zu sehen.

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© UNICEF/ Syria Aleppo/ 2016/ Khuder Al-Issa

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© UNICEF/ Syria Aleppo/ 2016/ Khuder Al-Issa

Basma Ourafli (27) ist eigentlich Englischlehrerin in Aleppo. Seit 2015 arbeitet sie als Kommunikationsmitarbeiterin von UNICEF in der umkämpften syrischen Metropole.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

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