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Akzeptier es, wie es ist: Mamasein bedeutet eben Chaos

17/05/2017 16:19 CEST | Aktualisiert 17/05/2017 16:19 CEST
Nina Parrish

Mama zu sein bedeutet Chaos.

Mama zu sein bedeutet, dass dein Bauch deine Hosenknöpfe so sehr beansprucht, dass sie irgendwann abfallen. Und dass dir alles andere in deinem Kleiderschrank sowieso nicht mehr passt. Dazu kommen Dehnungsstreifen an deinen Hüften: Weiße und violette Linien, die sich wie Flüsse auf einer Landkarte entlangschlängeln.

Mama zu sein bedeutet, dass irgendeine Fremde im Supermarkt darauf beharrt, dass du mit Sicherheit Zwillinge bekommen wirst. Und zwar morgen schon, obwohl der eigentliche Geburtstermin erst in drei Monaten ist.

Mama zu sein bedeutet, dass du dir permanent Gedanken darüber machst, was du essen solltest und was lieber nicht, und dass es dir wahnsinnig schwer fällt, ständig auf all die leckeren Dinge verzichten zu müssen, die du dir früher hin und wieder so gerne gegönnt hast: Kaffee, Weichkäse, Wurstaufschnitt und Sushi.

Mama zu sein bedeutet, dass du dich wie eine Versagerin fühlst

Mama zu sein bedeutet, dass deine Ärztin dir zwar rät, Sport zu treiben, dass du dich dabei aber nur so weit anzustrengen sollst, dass du dich nebenbei noch normal unterhalten kannst. Und dann schaust du sie verwirrt an, denn bisher dachtest du, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn du beim Sport außer Atem kommst.

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Mama zu sein bedeutet, dass man dir empfiehlt, dir einen genauen Geburtsplan zu erstellen. Und dass du am Ende dann statt einer komplett natürlichen Geburt doch einen Not-Kaiserschnitt verpasst bekommst.

Mama zu sein bedeutet, dass du dich wie eine Versagerin fühlst, weil du eigentlich alles ganz anders geplant hattest.

Mama zu sein bedeutet, dir eingestehen zu müssen, dass das durch die Schwangerschaft eingelagerte Wasser gerade mal 12 Pfund ausmacht, und dass deine elastischen Schwangerschaftshosen die einzigen Hosen sind, die du in der kommenden Zeit tragen können wirst, weil du noch immer 25 Pfund zu viel auf den Hüften, am Hintern, am Bauch und überall sonst mit dir rumschleppst.

Und wenn dein Blick auf die Titelblätter der Frauenzeitschriften fällt, die du aus dem Krankenhaus mitgenommen hast, lächeln dir all die Stars entgegen, die ihre Babypfunde innerhalb von drei Wochen verloren haben, und du empfindest nur noch Hass für diese ganzen Lügnerinnen.

Mama zu sein bedeutet, dass du dir permanent ungebetene Ratschläge anhören darfst

Mama zu sein bedeutet, dass du bei deiner Frauenärztin, bei deiner Hebamme oder bei deiner Stillberaterin sitzt und dir denkst, dass dein monatelanges Durchforsten von Erziehungsratgebern dich nicht wirklich aufs Stillen, auf Läuse oder auf Viren mit wunderschönen Namen wie Hand-Fuß-Mund-Krankheit vorbereitet hat.

Mama zu sein bedeutet, dass du dir permanent ungebetene Ratschläge anhören darfst. Und jeder einzelne davon widerspricht dem, was du bisher gehört hast, so dass du dir irgendwann nur noch wünschst, in den 70ern leben zu können.

Denn damals wurden Probleme noch gelöst, indem man seine Kinder zum Spielen nach draußen schickte und ihnen später rotes Kool-Aid zu trinken gab, weil man währenddessen genug Zeit hatte, sämtliche Wehwehchen seiner Kinder in den Erziehungsratgebern des amerikanischen Kinderarztes Dr. Spock nachzuschlagen.

Mama zu sein bedeutet, dass du feststellen musst, dass dein Kleinkind plötzlich nicht mehr in Windelgröße fünf passt, weil die Kacke bereits an beiden Seiten herausläuft und die Hose und die Beine deines Kindes komplett vollgeschmiert sind.

Mama zu sein bedeutet, dass du nachts um zwei Uhr auf winzige Plastikspielsteine trittst

Mama zu sein bedeutet, dass du dir eingestehen musst, dass diese Dinge niemals passieren, wenn ihr gerade zuhause seid. Nein, denn das wäre ja auch wirklich viel zu einfach. Sehr viel wahrscheinlicher befindest du dich in diesem Moment gerade bei der stillen Andacht im Gottesdienst oder auf einem schicken Brunch bei deiner Schwiegermutter.

Mama zu sein bedeutet, dass du in deine Wickeltasche schaust und feststellst, dass du schon wieder vergessen hast, Wechselkleidung einzupacken.

Mama zu sein bedeutet, dass du nachts um zwei Uhr auf winzige Plastikspielsteine, auf Legos oder auf Barbies trittst, und dass du dabei leise hinter vorgehaltener Hand fluchst, damit dein Kind dich nur ja nicht hört und deine Worte bei der eben erwähnten stillen Andacht in der Kirche oder bei dem schicken Brunch bei deiner Schwiegermutter wiederholt.

Mama zu sein bedeutet, dass du dir die Barbie und ihre unrealistisch dünnen Freundinnen ansiehst, auf die du gerade getreten bist. Ein nächtlicher Gruß von Mattel, der dich daran erinnert, dass es irgendwann einmal Zeiten gab, in denen du schlank warst und keine Hängebrüste hattest. Doch dann kam die Schwangerschaft und bescherte dir Hüftspeck und vom Stillen schlaff gewordene Brüste.

Mama zu sein bedeutet, dass du darüber nachdenkst, dass für die Barbies am Boden die Party gerade erst begonnen hat. Denn sie können morgen einfach ausschlafen, während du um 5:00 Uhr von einem Kleinkind geweckt wirst, das wissen will, warum Vögel eigentlich Flügel haben.

Mama zu sein bedeutet, dass du dabei zusehen kannst, wie deinem Baby die Augen zufallen

Mama zu sein bedeutet jedoch auch unglaublich viel Freude.

Mama zu sein bedeutet, dass du den wundervollen Moment erleben darfst, in dem dein Baby zum ersten Mal schreit und mit seinen winzigen Händchen nach dir greift.

Mama zu sein bedeutet, dass du nach all den Monaten endlich diesen kleinen Menschen kennenlernst, der dir bereits so vertraut ist, und dass du seinen kleinen Körper gegen deine Brust drückst und dir seine leisen Atemzüge anhörst.

Mama zu sein bedeutet, dass du deine Lippen an den weichen Flaum deines Babys pressen und seinen wundervollen Geruch einatmen kannst.

Mama zu sein bedeutet, dass du dabei zusehen kannst, wie deinem Baby die Augen zufallen, und dass du es beim Schlafen beobachten kannst.

Mehr zum Thema: Das passiert mit Kindern, die früh in die Kita kommen

Mama zu sein bedeutet süße kleine Strampelanzüge mit Rüschen und Haarschleifen auf kleinen Mädchenköpfen.

Mama zu sein bedeutet, dass du dich zusammen mit deinen Kindern freust

Mama zu sein bedeutet, dass du miterlebst, wie dein Baby um 3 Uhr morgens nach einer wirklich langen Nacht zum ersten Mal ganz zart lächelt.

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Mama zu sein bedeutet, dass du dabei bist, wenn dein Kind mit seiner süßen Stimme zum ersten Mal spricht.

Mama zu sein bedeutet, dass du deinen Kindern dabei zusiehst, wie sie zum ersten Mal mit verschmierten Mündern knusprige Cornflakes löffeln.

Mama zu sein bedeutet, dass du dich zusammen mit deinen Kindern freust, wenn sie etwas Neues gelernt haben, wie zum Beispiel ihre Schuhe selbst anzuziehen oder Rechenaufgaben zu lösen.

Mama zu sein bedeutet, dass du erkennst, wie viel Kraft man daraus schöpfen kann, wenn man einfach nur im Moment lebt und dass man wahre Freude in ganz simplen Dingen wie einem Pappkarton oder einem Konzert mit Löffeln, Töpfen und Pfannen finden kann.

Mama zu sein bedeutet, dass du alles noch einmal durch die Augen eines Kindes sehen kannst, das stehenbleibt und die Vögel beobachtet, die über seinen Kopf hinweg fliegen, und das dabei ihrem Gesang lauscht, oder das auf dem Parkplatz einen Kieselstein aufhebt und fasziniert dabei zusieht, wie der Stein in der Sonne zu funkeln beginnt.

Mama zu sein bedeutet, dass deine Kinder dir mit ihren kleinen Händen zuwinken

Mama zu sein bedeutet, dass plötzlich aus dem Dunklen heraus ein "Ich hab dich auch lieb, Mama" ertönt, als du gerade dabei bist, die Kinderzimmertür zu schließen und das Licht auszuschalten.

Mama zu sein bedeutet, dass dein Kleinkind seine Arme nach dir ausstreckt und sagt: "Ich will zu dir, Mami."

Mama zu sein bedeutet, dass deine Kinder dir mit ihren kleinen Händen zuwinken und dass ihre Augen zu strahlen beginnen, wenn du nach einem langen Tag endlich nach Hause kommst.

Mama zu sein bedeutet, dass du verstehst, dass du gerade deshalb so gerne Mama bist, weil um dich herum Chaos herrscht. Und dass dieses Chaos sehr viel Glück bedeuten kann, wenn du es einfach annimmst, anstatt permanent zu versuchen, es zu vertuschen, zu ordnen oder zu beseitigen.

Mama zu sein ist die Erkenntnis, dass es eigentlich gar nicht darum geht, immer alles im Griff zu haben, sondern dass du dich stattdessen lieber im Loslassen üben solltest.

Du tust all diese Dinge aus deiner grenzenlosen Liebe heraus

Mama zu sein bedeutet, dass du dich traust, von deinem ursprünglichen Plan abzuweichen.

Dass du auf Perfektion, Ordnung und auf die Meinung der anderen pfeifst.

Dass du deine Erwartungshaltung ablegst und manchmal auch deine persönlichen Bedürfnisse zurücksteckst.

Dass du dich von deinem Sicherheitsdenken befreist und Veränderungen einfach annimmst.

Dass es für dich in Ordnung ist, dass du an manchen Tagen das Gefühl hast, dich selbst und deinen letzten Rest Verstand gerade komplett zu verlieren.

Und du tust all diese Dinge aus deiner grenzenlosen Liebe heraus.

Haltet an diesem Muttertag und an jedem anderen Tag eure Kleinen ganz fest, liebe Mamas. Genießt den Moment und denkt daran, dass dieses ganze Chaos irgendwann aufhören wird, doch dass ihr die Liebe zu eurem Kind für immer spüren werdet.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)